Chemiekombinat Bitterfeld, Biotechnikum, 1989. Bundesarchiv, Bild 183-1989-0509-025 / Lehmann, Thomas / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5424638

von Rolf Schwanitz

Im Verlaufe meiner politischen Tätigkeit in Amt und Mandat habe ich auch unzählige Diskussionen über den Zustand der früheren DDR-Wirtschaft erlebt. Nostalgie und Wehmut sind damals, in den 90er Jahren, nur selten aufgekommen. Zu nah und klar waren noch die eigenen Erlebnisse und Erinnerungen der Menschen an die maroden Zustände im untergegangenen ostdeutschen ›Arbeiter- und Bauernparadies‹. Brauchte es in solchen Debatten für allzu Vergessliche dennoch eine kleine ›Erinnerungshilfe‹, so hatte ich stets zwei kleine Zettel dabei. Der erste Zettel war ein kleiner Auszug aus dem sogenannten ›Schürer-Papier‹ – jenem Geheimbericht...

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Von Bundesarchiv, B 145 Bild-F058375-0003 / Wienke, Ulrich / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5458252

von Gunter Weißgerber

Mit Rudolf Augstein habe ich mich noch nie groß beschäftigt. Er war eine wichtige Person der Zeitgeschichte und ohne seinen Spiegel, der in der DDR zur gleichsam begehrten wie gefährlichen Konterbande gehörte, wäre auch mein politisches Leben ärmer gewesen.

Irgendwie schien mir Rudolf Augstein der große Gegenspieler zu Axel Cäsar Springer gewesen zu sein. Beide lagen an unterschiedlicher Stelle oft richtig. Im Nachhinein lag Springer sogar öfter richtig als Augstein. Der wiederum Springer etwas voraus hatte: ein kurzes Stück bundesparlamentarische Erfahrung. Rudolf Augstein glaubte 1972, Bundespolitik sei ein einfacher Nebenjob und ging auf der FDP-NRW-Landesliste in den Bundestag. Schnell merkte er, die Mühen der Ebene erfordern mehr als gutes Schreiben und 1973 entschwand er wieder in den Spiegel.

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von Michal Reiman

Das Jahr 1968 war nicht nur in Prag, sondern in ganz Mitteleuropa ein politisch ereignisreiches Jahr, was damals auch Prag beeinflusst hat. Seither sind aber schon 50 Jahre vergangen, die Menschen, die diese Zeit aktiv miterlebt haben, sind heute zum größten Teil nicht mehr unter uns, oder sie sind etwa in meinem Alter. Das, was damals geschah und eine wesentliche Rolle in unserem Leben spielte, steht der Mehrheit der Gesellschaft heute nicht mehr so nah wie damals. Doch wenn jemand lange Jahre in einer totalitären Gesellschaft gelebt hat, die sich dann für wenige Monate in eine freie, demokratische Gesellschaft verwandelte, so ist das ein Erlebnis, das man kaum vergessen kann. Aber ich denke, gerade hier, in Berlin, muss das nicht allzu lange erklärt werden.

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