von Herbert Ammon
Vorbemerkung:
In der laufenden Auseinandersetzung mit der AfD spielt „Ethnopluralismus“ als Kennzeichen „neurechter“ Ideologie eine zentrale Rolle. Der inkriminierte Begriff geht maßgeblich auf Henning Eichberg zurück, dessen Werk in nachfolgendem Aufsatz dargestellt wird. Es ist im voraus zu betonen, dass der „umstrittene“ Begriff „Ethnopluralismus“ bei Eichberg nichts mit Apartheid-Ideologie zu tun hatte.
Ende der 1970er Anfang der 1980er Jahre gab es in Deutschland eine in Wellenbewegungen verlaufende Diskussion um die „nationale Frage“. Auf der Linken setzte mit der Ausbürgerung des regimekritischen Sängers Wolf Biermann aus der DDR eine Debatte ein, die aus der Ökologiebewegung regionalistische und kulturnationale Impulse aufnahm und in und in die von – realen und imaginären - Ängsten, Hoffnungen und Forderungen inspirierte Friedensbewegung mündete. Ausgelöst anno 1979 von dem - als Antwort auf neue sowjetische Atomraketen konzipierten - „Doppelbeschluss“ der NATO zur Aufstellung von atomar bestückten Mittelstreckenraketen, vereinte der Protest gegen das nukleare Wettrüsten unterschiedliche Strömungen - von der SED-gesteuerten DKP bis hin zu Abweichlern in der CDU/CSU. Hauptträger der Bewegung waren linke Sozialdemokraten und linke Christen - obenan die Exponenten eines pazifistisch orientierten Protestantismus – sowie die sich aus heterogenen Elementen als Partei formierenden Grünen.
von Peter Brandt
Liebe Laura, lieber David, lieber Felix, liebe Trauergemeinde!
Ich stehe hier auf Wunsch von Ulrich, dem sich Renates Kinder, die dann auch Ulrichs Kinder wurden, angeschlossen haben, und ich will den Versuch machen, etwas über diese beiden ganz besonderen Menschen zu sagen. Anregungen von Jobst Landgrebe und Herbert Ammon, meinem Freund und geistigen Gefährten seit 46 Jahren, gehen in meine Ansprache ein.Als ich Renate kennenlernte, gab es Ulrich für sie noch nicht – oder ich hatte etwas nicht mitbekommen (was mir durchaus zuzutrauen wäre). Sie studierte im Nebenfach Geschichte – im Hauptfach natürlich Literaturwissenschaft. Und sie hatte ein von mir angebotenes Präsenzseminar in Hagen besucht, wo sie mir – und das galt übrigens auch für meine damaligen Historiker-Kollegen – auffiel: eine gut aussehende, einnehmende und vor allem kluge Frau – die weibliche Emanzipation in Person ohne jedes Brimborium – und ohne das aufzugeben, was wir, die Kerle, an den Frauen doch nicht zuletzt auch schätzen.
Ich fragte sie dann, ob ich nach Köln mitfahren dürfte. Was ich da wollte, weiß ich nicht mehr. Wir redeten buchstäblich über Gott und die Welt, auch über das Verhältnis der – darf man das noch sagen? - beiden Geschlechter. Kein Flirt, aber ein Gespräch, das immer vertrauter wurde, und es wurde schnell klar, ohne dass das ausgesprochen wurde, dass sich zwei diesbezüglich unglückliche Menschen austauschten. Ich habe etliche Jahre später das Glück meines Lebens gefunden. Susanne, die heute mit mir gekommen ist, hat Renate sehr geschätzt und gemocht – und um vorwegnehmend auch das zu erwähnen, mich noch in der ersten Monatshälfte ermutigt, Ulrich zur Seite zu stehen, was immer sonst anlag.
von Herbert Ammon
Das Gespenst, das in Europa umgeht, heißt Populismus. In Deutschland lauert es hinter der Brandmauer in Gestalt der AfD. Gegen sie, so hören wir von Vertretern des ordre établi, gilt es „unsere Demokratie“ zu schützen. Sprachkritisch betrachtet, kommt im Possessivpronomen - hinter dem moralisch getönten Gemeinschaftsappell - nichts anderes als der eigene, im Parteienstaat verfestigte Machtanspruch zum Vorschein. Auch der freiheitlich klingende Begriff „liberale Demokratie“ – heute vor allem gegen die von Viktor Orbán proklamierte „illiberale Demokratie“ ins Spiel gebracht - verbirgt einen Widerspruch. Nicht nur, dass die Liberalen des 19. Jahrhunderts ihre Verfassungsforderungen auf die Volkssouveränität gründeten, während sie die demokratische Konsequenz, das allgemeine Wahlrecht, nur widerwillig akzeptierten. Auch der das Gesicht der demokratischen Staaten prägende Liberalismus von heute ist hinsichtlich der Ausweitung von Individual- und Minderheitsrechten ohne Frage „liberal“, in der institutionalisierten – auf Abwehr und Ausschluss unliebsamer politischer Konkurrenz zielenden – Praxis de facto illiberal und/oder undemokratisch.
