von Herbert Ammon
Das Gespenst, das in Europa umgeht, heißt Populismus. In Deutschland lauert es hinter der Brandmauer in Gestalt der AfD. Gegen sie, so hören wir von Vertretern ordre établi, gilt es „unsere Demokratie“ zu schützen. Sprachkritisch betrachtet, kommt im Possessivpronomen - hinter dem moralisch getönten Gemeinschaftsappell - nichts anderes als der eigene, im Parteienstaat verfestigte Machtanspruch zum Vorschein. Auch der freiheitlich klingenden Begriff „liberale Demokratie“ – heute vor allem gegen die von Viktor Orbán proklamierte „illiberale Demokratie“ ins Spiel gebracht - verbirgt einen Widerspruch. Nicht nur, dass die Liberalen des 19. Jahrhunderts ihre Verfassungsforderungen auf die Volkssouveränität gründeten, während sie die demokratische Konsequenz, das allgemeine Wahlrecht, nur widerwillig akzeptierten. Auch der das Gesicht der demokratischen Staaten prägende Liberalismus von heute ist hinsichtlich der Ausweitung von Individual- und Minderheitsrechten ohne Frage „liberal“, in der institutionalisierten – auf Abwehr und Ausschluss unliebsamer politischer Konkurrenz zielenden – Praxis de facto illiberal und/oder undemokratisch.
von Peter Brandt
Die Geschichtswissenschaft (oder Historik) beschäftigt sich mit sämtlichen Aspekten der Geschichte von Menschen und Menschengruppen mit dem Ziel ständig erweiterter Erkenntnis. Selbstverständlich geht es dabei nicht nur um die Rekonstruktion des Faktischen, sondern auch um dessen Ursachen und Wirkungen, um Zusammenhänge, also um Strukturen und Prozesse. Den methodischen Kern mit dem Anspruch auf relative Objektivität bildet die Kritik (im Hinblick auf ihre Aussagefähigkeit) und Interpretation der zeitgenössischen Originalquellen nach den Regeln des Fachs. Quelle kann alles Überlieferte sein, vorwiegend aber nicht allein das Schriftgut jeder Art. Stets ist vom jeweiligen in der fachwissenschaftlichen Literatur abgebildeten Forschungsstand auszugehen, der durch die eigene Forschung erweitert, u.U. auch korrigiert wird. Welche Quellen herangezogen werden, hat natürlich maßgeblich mit der Themen- und Fragestellung zu tun.
Da die jeweilige Vergangenheit nie mehr total und zweifelsfrei zu rekonstruieren ist, die Quellen meist mehr als eine Deutung zulassen, kommt dem Abwägen und Argumentieren eine wesentliche Bedeutung zu. Die Historik ist somit auch, und u.U. vorrangig, eine Diskussionswissenschaft, die, entstanden als Geisteswissenschaft, sich heutzutage zugleich als historische Gesellschaftswissenschaft (übrigens auch als Bestandteil einer Anthropologie) begreift und auch von anderen Disziplinen analytische Konzepte und Begriffe übernimmt, die sie versucht, mit der historisch vorgegebenen Sprache und Begrifflichkeit in Einklang zu bringen. Mit den in der Öffentlichkeit eingeforderten „Lehren aus der Geschichte“ ist es nicht so einfach, denn welche „Lehren“ gezogen werden könnten, hängt auch vom weltanschaulich-politischen Standort ab; deshalb erwarten wir heute, dass der jeweilige Standort von den Autoren zumindest implizit mit reflektiert wird.
Herbert Ammon
Rolf Stolz: Notwende Deutschland. Zur Rettung des Landes und vor sich selbst, Uhingen (Gerhard Hess Verlag) 2025, 268 Seiten.
Wenn Bundeskanzler Merz unlängst in sehr allgemeinen Worten über den desolaten, allenthalben augenfälligen Anblick deutscher Städte spricht, schlägt ihm links-grüne Empörung entgegen. Vereint im Kampf gegen die AfD, sperrt sich die classe politica samt der deutschen Medienöffentlichkeit gegen die Erkenntnis der Konsequenzen der evidenten, statistisch belegten Fakten: Der fortschreitende Wirtschaft und Wohlstand gefährdende Analphabetismus hat maßgeblich mit dem Zustrom von Migranten aus dem islamisch-orientalischen Kulturkreis zu tun. Einher mit dem Bildungsnotstand geht der demographische Prozess, id est der - als »rechts« begrifflich verpönte - Bevölkerungsaustausch.
