Brandt Peter

Peter Brandt ist Professor für Neuere Geschichte an der FernUniversität in Hagen. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit liegen auf den Gebieten Nationalismus und bürgerlicher Wandel seit dem 18. Jahrhundert, vergleichende europäische Verfassungsgeschichte seit dem 18. Jahrhundert, Geschichte der Arbeiterbewegung und des Sozialismus und die Deutsche Frage.

Globkult-Herausgeber von 2010 bis Januar 2020.

Wikipedia-Eintrag

von Peter Brandt

Die Themenstellung enthält zwei Begriffe, die sich nicht von selbst verstehen: zunächst ›Sozialismus‹. Ist mit dem Ende des sogenannten ›real existierenden Sozialismus‹ zwischen Magdeburg und Wladiwostok, gekennzeichnet durch die Diktatur des obersten Zirkels der führenden Partei und Kommandowirtschaft im Rahmen einer weitgehend verstaatlichten bzw. entprivatisierten Ökonomie sowie – unterschiedlich stark ausgeprägte – Privilegierung der Staats-, Partei- und Wirtschaftsbürokratie sowie bestimmter Berufsgruppen in einer ansonsten relativ egalitären Gesellschaft, ist also mit dem Ende dieses Systems, dessen Wiederkehr in Europa höchst unwahrscheinlich ist, jede gesellschaftliche Alternative zum Kapitalismus, gekennzeichnet durch Privateigentum an den Produktionsmitteln, den Markt als Steuerungsmechanismus und das Profitprinzip, hinfällig? Und wie sehr hat der Zusammenbruch der oft als ›Staatssozialismus‹, auch als ›Nominalsozialismus‹ (statt ›Realsozialismus‹) bezeichneten Ordnung auch diejenigen Teile einer sich irgendwie als sozialistisch verstehenden Linken, die diesem System schon vor 1989/90 kritisch gegenüberstanden, tangiert?

Weiterlesen ... Sozialismus am Ende? Metamorphosen der deutschen Linken nach 1989

Stefan Breuer, einer der besten Kenner der Geschichte des rechtsgerichteten politisch-geistigen Spektrums in Deutschland vom Kaiserreich bis zum Nationalsozialismus, hat eine weitere, hochinteressante Untersuchung vorgelegt, wie üblich äußerst kenntnisreich auf breiter Quellen- und Literaturbasis, Nachlässe von elf relevanten Akteuren einbeziehend, überzeugend argumentierend und sprachlich gelungen. Breuer versteht es, ohne dass seine Darstellung des Nordizismus affirmativ wird, die Gedankengänge der Protagonisten ›verstehend‹ und dabei präzise und namentlich die Differenzierungen klar herausarbeitend zu rekonstruieren. Auf diese Weise gelingt es ihm, dem Leser einen Eindruck von der Attraktivität des Nordischen Gedankens für ein bestimmtes Segment der sozialen Eliten und der bürgerlichen Intelligenz in der Zwischenkriegszeit zu vermitteln.

Zu Breuers sezierendem Herangehen an die Objekte seiner Forschung gehört das Beharren auf einer genauen und dadurch aussagekräftigen Begrifflichkeit. So wendet er sich gegen die heute übliche inflationäre, analytisch blinde Benutzung des Terminus ›Rassismus‹ als ›Omnibus-Begriff‹ und dringt z. B. darauf, radikalen Nationalismus von Rassismus im eigentlichen Sinn (um den es in einer seiner Varianten hier geht) zu unterscheiden, auch wenn in der politischen Auseinandersetzung und der Publizistik Überschneidungen und Mischungen gängig waren und sind.

Weiterlesen ... Stefan Breuer: Die Nordische Bewegung in der Weimarer Republik, Wiesbaden 2018 (Kultur- und...

von Peter Brandt

Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger der Großen Kreisstadt Backnang, liebe Landsleute, meine Damen und Herren!

Ihr geschätzter Oberbürgermeister Dr. Nopper hat mich in Verbindung mit meinem Freund Robert Antretter eingeladen, heute Vormittag zu Ihnen zu sprechen: an unserem Nationalfeiertag, dem Tag, an dem vor 29 Jahren die staatliche Einheit Deutschlands nach vierzig Jahren Teilung und Zweistaatlichkeit wieder hergestellt wurde durch Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes. Ich bin kein Volksredner, und wenn ich Vorlesungen oder Vorträge halte, dann üblicherweise in geschlossenen Räumen. Auch wenn ich hier kein akademisches Kolleg abhalten will, wird wohl ein wenig meine – auch berufliche – Prägung durchschimmern.

Zunächst meinen Respekt, werte Anwesende, für die Art und Weise, wie Sie den 3. Oktober begehen! Wenn ich das viele Schwarz-Rot-Gold, die deutschen Farben, unsere Trikolore, sehe, kann ich indessen meinen Kummer darüber nicht unterdrücken, dass viele unserer Mitbürger, vor allem in den jüngeren Altersgruppen, nationalistische und reaktionäre Inhalte vermuten, wenn sie Schwarz-Rot-Gold sehen. Sie scheinen von der Geschichte des Dreifarbs nichts zu wissen: beginnend mit den Freiwilligen-Einheiten der antinapoleonischen Befreiungskriege und der Urburschenschaft über das Hambacher Fest hin zur ersten deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche und der dort ausgearbeiteten fortschrittlichen Verfassung, vereitelt von der wieder erstarkten Fürstenmacht, nicht zu vergessen der erbitterte Symbolkrieg 1918 zwischen dem Schwarz-Rot-Gold der Republikaner und dem Schwarz-Weiß-Rot der Monarchisten und Rechtsnationalisten.

Weiterlesen ... Der Weg der Einheit

Weitere Beiträge

  1. Aufstehen: Was bleibt zu tun? Eine Erklärung
  2. Plädoyer für eine linke Ökumene
  3. Das Ende des monarchischen Obrigkeitsstaates in Deutschland
  4. Zum Tode von Reinhard Rürup
  5. Verdammt in alle Ewigkeit?
  6. Erinnerung an Heinz »Micky« Beinert
  7. Zwischen Reformsozialismus und Rätedemokratie: Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD)
  8. Paul Löbe zum 50. Todestag. Ansprache bei der feierlichen Kranzniederlegung der SPD auf dem Berlin-Zehlendorfer Waldfriedhof am 3. August 2017
  9. Nachruf auf einen originellen Denker
  10. Horst Ehmke: Sozialdemokratie und deutsche Frage
  11. Vor 100 Jahren: Die Russische Revolution
  12. Die Nation – immer noch ein Gegenstand der Politik für die Linke in Deutschland?
  13. Was ist eigentlich das Volk?
  14. Niederlage – Befreiung – Neubeginn. Europa 1945
  15. Erläuterung zu Michael Sowas Illustration der Maikäfer-Trauer (1868)
  16. Sozialdemokratie und Linkspartei
  17. Europäische Identität – Identitäten in Europa
  18. Bemerkungen zu Bernd Faulenbachs »Das Sozialdemokratische Jahrzehnt«
  19. Der DDR-Historiker Ernst Engelberg
  20. Verleihung des Dimitris-Tsatsos-Preises in Athen
  21. Weder Ost noch West
  22. Erläuterung zur Ansprache von Kaiser Wilhelm II. am 6. August 1914
  23. Politischer Lebenslauf (1993)
  24. Die deutsch-polnischen Beziehungen bis 1990
  25. Deutsche Identität zu Beginn des 21. Jahrhunderts
  26. Vorbildliches Leben nach dem »Prinzip links«. Hermann und Gerda Webers Erinnerungen
  27. Orientierungshilfe
  28. Die deutsche Revolution 1848/49
  29. Die Last der Vergangenheit
  30. Folkelighed – ein Übersetzungsproblem?
  31. Ein Denkmal für alle Deutschen!
  32. Die Arbeiterbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts. Entwicklung – Wirkung – Perspektive
  33. Die Hauptstadtfrage in der deutschen Geschichte
  34. Der historische Ort der deutschen Revolution von 1918/19
  35. Die ›Globalisierung‹ in historischer Perspektive. Eine essayistische Deutung der Weltgeschichte der Neuzeit
  36. 1968 – eine radikale Demokratisierungsbewegung
  37. Vor 90 Jahren - Ex Oriente Lux?
  38. Stunde Null? Die Hagener Arbeiterbewegung nach 1945
  39. Wege der Schrift. Über Politik und Literalisierung
  40. Die deutsche Einigung in historischer Perspektive
  41. Die Auseinandersetzung Deutschlands mit dem Nationalsozialismus nach 1945*
POLITIK GESELLSCHAFT KULTUR GESCHICHTE
Deutschland Modelle Fluchten Zeitgeschichte
Europa Identitäten L-iteratur Personen
Welt Projektionen Medien Entwicklungen
Besprechungen Besprechungen Ausstellungen Besprechungen
    Besprechungen  

Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.