von Herbert Ammon

Das Gedenken an den 11. November 1918, an dem der Waffenstillstand im Walde von Compiègne das Gemetzel des Großen Krieges beendete und doch nur eine Zwischenkriegsphase einleitete, ist erneut Anlass zum Nachdenken über Europa. Die Nachricht, dass Europa sich wieder in einer Krise befindet, könnte man gelangweilt ad acta legen, wären da nicht so viele Zeichen, die ernstzunehmen sind:

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… neulich im Einstein,

draußen, im herrlich schattigen Garten, las ich in Hugo von Hofmannsthals Aufzeichnungen vom August 1904:

»Es ist der wundervolle regenlose Sommer, wie vielleicht seit Jahrhunderten keiner da war. Im unteren Land ist furchtbare Dürre. Täglich sind in allen Ländern große Brände von Dörfern und Wäldern. Auch der berühmte Wald von Fontainebleau brennt zum größten Teil. Aus der Elbe und andern fast vertrockneten Flüssen steigen die ›Hungersteine‹. Einer trägt die Jahreszahl 1484 und die Inschrift: ›Wenn ihr mich sehen werdet, werdet ihr weinen‹.«

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Schreibverfahren in Medizin und Literatur– ein interdisziplinärer Blick

von Felicitas Söhner

Ärztliches Alltagshandeln ist geprägt von Schreibverfahren: medizinische Akteure protokollieren, beschreiben, empfehlen und halten in Akten fest. Technischer, diagnostischer und therapeutischer Fortschritt, administrative Anforderungen wie mechanische Aufzeichnungsformen nehmen und nahmen Einfluss auf medizinisch-epistemische Genres. Der vorliegende Sammelband geht zurück auf eine Ringvorlesung internationaler Wissenschaftler der Mercator-Forschergruppe Räume anthropologischen Wissens an der Ruhr-Universität Bochum in den Jahren 2011 und 2012. Darin konzentrieren sich die Herausgeber Yvonne Wübben, Medizinerin und Literaturwissenschaftlerin, und Carsten Zelle, Germanist, auf das Verhältnis von Literatur und Medizin.

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