von Felicitas Söhner

Holocaust und ›condition humaine‹.
Reflexionen zur Genese von Feindseligkeit und Vorurteilen

Der Psychoanalytiker Henri Parens, 1928 geboren in Lodz als Aron Pruszinowski, schildert im vorliegenden Band eindrücklich einen Teil seiner Lebensgeschichte. Als Überlebender des Holocaust behandelt er die Ereignisse seiner Flucht aus dem Blick eines Kindes. 1940 ist er gemeinsam mit seiner Mutter vor den Nationalsozialisten von Belgien nach Frankreich geflohen und dort im Camp de Rivesaltes, nahe der Stadt Perpignan, nördlich der spanischen Grenze, interniert worden. Anfang 1942 konnte er mit der letzten Kindergruppe in die USA emigrieren; bereits die nachfolgende Gruppe wurde von nationalsozialistischen Truppen daran gehindert.

Zeigefingermoral

von Gunter Weißgerber

Der Spiegel schrieb in den 80ern sinngemäß, die DDR-Deutschen seien ein Volk, das täglich um 20 Uhr kollektiv auswandere. Gemeint waren der Beginn der Tagesschau und der Informationshunger der Ostdeutschen.

So war es tatsächlich. Die DDR-Medien zwangen uns rund um die Uhr sozialistische Erziehung und Umerziehung auf, ohne uns die geringste Chance auf Pluralität der Informationen und daraus folgender individueller Meinungsbildung zu lassen. Die Folgen waren so gravierend wie absehbar: Nicht einmal die Wettervorhersage wurde geglaubt, von den Nachrichten ganz zu schweigen. Es war gruselig. Und das Ende der ›Diktatur der Arbeiter und Bauern‹ war auch in medialer Hinsicht ein glückliches, ein besonders glückliches.

Legende

von Ulrich Siebgeber

1

Als er fünfzig war und noch gelenkig
und das Land gab einfach keine Ruh,
nahm er Rat an, sprach: »Das denk ich ganz persönlich
auch und leg noch eins dazu.«
Und er plante seinen Coup.

2

Um den Wahnsinn endlich voll zu machen,
denn auch er, so hieß es, wurde langsam dreist,
hisst die Schöne Gute einen Drachen,
der Erfolg dem Wendigen verheißt,
falls er wendig um sich selber kreist.

3

Denn das Land war völlig aus dem Häuschen,
gute Freunde gingen sich ans Hemd.
Altgediente Pfeifer spielten Mäuschen.
Erichs Katze, feist und fremd,
mustert den gelehrten Kämpfer, dem die Büchse klemmt.