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von Ulrich Schödlbauer

Dass Verlage und ihre Autoren sich auseinanderleben, ist nichts Neues. Auch nicht, dass es hinter der Kulisse aus munteren Buchprospekten gelegentlich hoch her geht (von den menschlichen Niederungen erst gar nicht zu reden). Es gehört zu den Usancen der Zunft, dass man, wenn denn auseinandergegangen werden muss, dies in gebührender Form über die Bühne bringt, denn beide Seiten wissen, dass die Seele ihres Geschäfts das Prestige ist. Was immer hinter vorgehaltener Hand gemunkelt wird: Man lässt dem anderen das Gesicht. Der Hinauswurf einer altgedienten Erfolgsautorin aus politischen Gründen, noch dazu dem schäbigsten von allen, Hörigkeit gegenüber einem rauschhaft auf Exklusion drängenden Zeitgeist, ist da ebenso ungehörig wie ungewöhnlich.

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von Ulrich Schödlbauer

Als die Wissenschaft von der Literatur von den Bildschirmen der Weltpresse verschwand, hinterließ sie der schreibwütigen Menschheit ein kleines schmutziges Andenken: das Narrativ. Narrativ heißt die Erzählung hinter der Erzählung, das Muster der immer gleichen Versatzstücke, aus dem eine Zeit ihre Lieblingsgeschichten gewinnt. Personen und Orte wechseln, der Stoff bleibt sich gleich. So steckt in jeder tragischen Liebesgeschichte ein Stück von Romeo und Julia, in jedem Macron ein kleiner Napoleon, in jeder Kanzlerin die Erinnerung an Einheit und Zwist im Bismarckreich, an Kirchenkampf und Sozialistengesetze – nur die real existierenden Konfliktparteien wechseln. Die Narrative liegen also bereit, sobald die Politiker, die Nachrichtenleute, die Kommentatoren des Weltgeschehens dem Publikum, das bereits im Bilde ist, ihre Versionen des Weltgeschehens auftischen.

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Es war einmal eine westliche Gesellschaft, in der die Weichen nach den ungeschriebenen Gesetzen des politischen Establishments gestellt wurden. Die Aufteilung der Pfründen schien mit der damit einhergehenden Glückseligkeit der Globalisierung vollendet. Gesetze und nationale Alleingänge störten da nur, ebenso ›alternative Personen‹ mit einem gefährlichen Charisma. Der Flüchtlingsansturm war auf dem Siedepunkt. Die Pressemeute stürzte sich verheißungsvoll auf die wenigen ankommenden Kinder. Sie nutzten ihre Teleobjektive wie scharfe Waffen im Dauerfeuer, um festzuhalten, wie junge Frauen an den Bahnhöfen Teddybären überreichten. Die entzückenden Bilder wurden, einer Frontberichterstattung gleich, Tag und Nacht gesendet. Die politische Korrektheit wurde zur verbindlichen Verhaltensregel erklärt und wer sich nicht daran hielt, konnte nur ein Rechter sein. Aufgebaute und aufgebauschte Feindbilder, die so dringend benötigt wurden, um eine berechtigte Kritik an den Geschehnissen zu unterbinden. Die WHO rief nach dem Rinderwahn die Vogel- und Schweinegrippe aus und versuchte erfolglos, diverse Impfstoffe der Pharmaunternehmen unter die Menschenmassen zu bringen. Millionen Impfampullen mussten vernichtet werden. Man lernte daraus, die nächste Pandemie generalstabsmäßig vorzubereiten und durchzuziehen.

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.