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von Gunter Weißgerber

Hitler? Schon wieder Hitler? Was soll es Neues geben, fünfundsiebzig Jahre nach seinem viel zu späten Tod? Alles ist bekannt, wird regelmäßig in vielen Medien besprochen und hat dennoch nicht das Ergebnis, dass es keine Hitleristen mehr unter uns mehr gibt. Eine große Mehrheit hat keinen Nachholbedarf, eine Minderheit wird auch zukünftig nicht durch Hitler- und Nationalsozialismuskritik aufwachen. So oder ähnlich war mein erstes Empfinden als ich vor einiger Zeit auf eine Rezension von »Hitler – Eine globale Biographie« stieß. Ich besorgte mir das Buch. Selber lesen ist besser denn vorgesetzt quasi relotiert bekommen.

Brendan Simms fokussiert nicht nur auf das Scheusal, den massenmörderischen Ideologen, er lenkt den Blick auch auf einen Hitler, der den Vereinigten Staaten ob ihres Lebensstandards und ihrer enormen Wirtschaftskraft in einer skurrilen Art von Hassliebe zugewendet war – ohne in deren Verfassung und den checks and balances für all das die konstitutiven Grundlagen zu erkennen. Hitler war nichtmarxistischer Sozialist mit tiefen Aversionen gegen den freien Markt, für Verstaatlichung, gegen die Bankenmacht. Brendan Simms belegt das gründlich.

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Dieses Buch war dringend notwendig. Es gibt seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts zahllose wissenschaftliche Studien, Meinungsumfragen, Berichte, Kommentare und politische Brandreden zur Gefahr des ›Rechtsextremismus‹ und verwandten ›Strömungen‹. Gegenwärtig hat man als kritischer Beobachter den Eindruck, als stünde eine Machtübernahme ›der Rechten‹ unmittelbar bevor, so intensiv wird im politischen Diskurs die Gefahr ›von rechts‹ und der deshalb vorrangige Kampf gegen ›rechts‹ beschworen. Die AfD wird als vermeintliche Speerspitze des ›Rechtsextremismus‹ von Regierung, Opposition und den sie tragenden Parteien ausgegrenzt, flankiert von zahlreichen NGOs, Gewerkschaften und Kirchen.

So gibt es im politischen Diskurs zu ›rechts‹ und ›links‹ einen dominierend »asymmetrischen« Blick auf den »Extremismus«, wie die Autoren, beide Politikwissenschaftler, nüchtern konstatieren. Klaus Schroeder ist Professor am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin und Leiter des ›Forschungsverbundes SED-Staat‹ und Monika Deutz-Schroeder ist in demselben Forschungsverbund tätig. Sie geben zahlreiche Beispiele für eine anhaltende Relativierung und Verharmlosung des Linksextremismus (S. 17ff.)

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Was ist ›deutsch‹? Diese Frage treibt mich bis heute um. Neulich sah ich in der Buchhandlung am S-Bahnhof Friedrichstraße ein Buch, ich kaufte es und begann gleich zu lesen. Sehr spannend und gut geschrieben. Doch bald regten sich in mir Unwohlsein und ein Gefühl der Missbilligung, ja auch Kränkung. Waren bzw. sind wir Deutschen so? Das Buch hätte einen anderen Untertitel verdient: ›Eine Skandalchronik der Deutschen aus der Sicht von Dichtern und Denkern‹!

Den ›Deutschen‹ oder ›das Deutsche‹ stellt Fried unter ›Generalverdacht‹. Grell scheint die ›deutsche Sonderwegsthese‹ auf. Fried will das mit einer tour d’horizon durch die deutsche Geschichte belegen, orientiert an Poetik und Prosa deutscher ›Dichter und Denker‹. Von Walther von der Vogelweide bis zu Wolf Biermann, von Goethe, Schiller, Lessing, Kant bis zu Christa Wolf und Reiner Kunze. Er hat eine politische Agenda, sie bestimmt sein Erkenntnisinteresse und die selektive Auswahl der Dichter und Denker Stimmen. Er präsentiert ihre meist kritischen bis bösartigen Bemerkungen mit sehr gelehrten und beeindruckend detailreichen Exkursen. Geschichte wird zum Argument im politischen Diskurs. Das ist in Ordnung so, man muss es nur erkennen.

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.