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von Ulrich Schödlbauer

Bemerkt werden muss, dass der Schlüsselbund zum Verständnis der Merkel-Ära seit langem im ewigen Zitatenvorrat der Dreigroschenoper der Herren Weill und Brecht begraben liegt. Und das ist gut so in einem Land, in dem mittlerweile gut und gerne 95% der Bevölkerung, unter tätiger Beihilfe des Bildungssystems, unbeleckt von jeder literarischen Bildung ihren Weg gehen. Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß. Dabei wäre es, auch außerhalb der Märchenwelt, so einfach in Erfahrung zu bringen. Gut, dass die Theater jetzt für eine Weile geschlossen bleiben.

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Interview mit Prof. Dr. Peter Brandt von Lucas Scheel und Philipp Sprengel

Seit dem letzten Jahr gibt es eine öffentliche Diskussion um die Entschädigungs­forderungen des Adelsgeschlechts der Hohenzollern, aus welchem der letzte deut­sche Kaiser Wilhelm II entstammte. Das heutige Familienoberhaupt Georg Fried­rich von Preußen fordert vom Bund und dem Land Brandenburg Entschädigungen in Millionenhöhe für die Liegenschaften, welche durch die Sowjetunion nach 1945 enteignet wurden. Rechtlich entscheidend dafür, ob Entschädigungen gezahlt wer­den müssen, ist, ob die Hohenzollernfamilie dem NS-­Regime ›erheblich Vorschub geleistet‹ hat. Zur Beurteilung dieser Frage hatte das Land Brandenburg vier His­toriker mit der Erstellung von Gutachten beauftragt. Diese Gutachten wurden im November 2019 von dem Satiriker Jan Böhmermann im Internet veröffentlicht, wo­durch die Debatte in die Öffentlichkeit getragen wurde. Der emeritierte Professor Dr. Peter Brandt hat eines dieser Gutachten verfasst und vertritt eine klare Position in dieser Debatte. Er leitete von 1989 bis 2014 den Lehr­stuhl für Neuere Deutsche und Europäische Geschichte der Fernuniversität Hagen. Seine Forschungs­ und Publikationsgebiete sind unter anderem die vergleichende europäische Verfassungsgeschichte, die Geschichte des Staates Preußen sowie die Nationsbildung und Nationalbewegungen. Ende März 2020 durfte die pug [politik und gesellschaft] mit dem SPD­-Mitglied und ältesten Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt ein schriftliches Interview führen, in welchem er die Hintergründe der Debatte näher erläutert und seine Meinung zu den zentralen Fragen der Diskussion darlegt.

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von Friedrich Förster

Es gibt für alle Fehlentwicklungen und drohenden Katastrophen auf der Welt, durch die zunehmende Verbreitung der sozialen Netzwerke inzwischen nahezu in jedem Winkel, zeitnahe Alarmmeldungen und Maßnahmen, sich dieser anzunehmen. Wir wissen, wissenschaftlich gestützt, von Prozessen auf dem ganzen Globus und können diese mit empirisch und statistisch abgesicherten Daten darstellen, darüber diskutieren, uns eine Meinung bilden und schließlich an einer Lösung arbeiten.

Andererseits gibt es Fehlentwicklungen auch in unserem Land, die bekannt sind und trotz besseren Wissens nicht angegangen werden. Eine dieser Fehlentwicklungen ist eine sich verschärfende, dramatische demografische Schieflage, die man Katastrophe nennen kann. Dieser Misstand ist über Jahrzehnte erforscht, in Studien erfasst, statistisch ausgewertet und interpretiert, amtlich bestätigt sowie mit zahllosen Quellen belegt. Leider scheinen sich jedoch weder Bundespolitik noch Wirtschaft darum zu sorgen, und Teile der Wissenschaft präsentieren die Problemlösung noch vor der eigentlichen Analyse.

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.