von Jürgen Hofmann

Mit seinem Titel greift der Autor einen lakonischen Kommentar auf, den ein Unbekannter als Graffito an Berliner Gemäuer hinterlassen hatte. Für einen Staat, den es nie gab, ist der politische, institutionelle, finanzielle und personelle Aufwand seiner Erforschung und Deutung enorm. Er übertrifft bei weitem die Aufmerksamkeit, die der Geschichte der Bunderepublik gewidmet wird. Fußnoten der Geschichte können offensichtlich einen erstaunlichen Nachhall entwickeln. Dabei steckt die DDR-Forschung der zurückliegenden Jahrzehnte in einer politisch gewollten und sich selbst reproduzierenden Sackgasse. Renommierte Zeithistoriker haben das längst bemerkt und verlangen deshalb nach »neuen Perspektiven auf ein altes Thema«. (Siehe Ulrich Mählert, Hg.: Die DDR als Chance. Neue Perspektiven auf ein altes Thema, Berlin 2016) Zukunft wird DDR-Geschichte als historische Disziplin nur haben, wenn sie aus der Umklammerung durch politische Interessen heraustritt.

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von Herbert Ammon

Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland war seit ihrer Gründung 1948/49 bis zum Mauerfall 1989 mit der als ›Provisorium‹ deklarierten linksrheinischen Stadt Bonn verbunden. Der ›Geist von Potsdam‹, den nach dem I. Weltkrieg rechtsgerichtete Gegner der Weimarer Republik beschworen hatten, war im westdeutschen Staat kaum irgendwo noch vorzufinden. Zu den wenigen Ausnahmen gehörten nationalkonservative (oder deutschnationale) Nostalgiezirkel wie die 1984 in Iserlohn gegründete, 2005 aufgelöste Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel e.V. (TPG). Anders in der DDR, wo immerhin die Erinnerung an deutsch-russische Waffenbrüderschaft sowie die Uniform der Nationalen Volksarmee (NVA) an preußische Vorbilder erinnerten, ehe dann in der Ära Honecker auch das Rauchsche Reiterdenkmal Friedrichs d. Gr. zwecks realsozialistischer Traditionsstiftung auf seinen alten Platz Unter den Linden zurückkehren durfte.

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von Reiner Zilkenat

Befürworter und Gegner eines Wiederaufbaus der Potsdamer Garnisonkirche stehen sich scheinbar unversöhnlich gegenüber. Zur Versachlichung der Diskussion könnten Darstellungen zur Geschichte dieses sakralen Bauwerkes beitragen, dessen wechselvolle Historie aufs engste mit der preußisch-deutschen Geschichte verknüpft ist. Leider kann die jüngst erschienene Studie aus der Feder von Anke Silomon diesem Anspruch nicht gerecht werden. Die Autorin versucht, die Geschichte der Garnisonkirche im 20. Jahrhundert nachzuzeichnen. Ein Versuch, der misslungen ist. Welche Gründe rechtfertigen dieses Urteil?

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