von Andreas Kalckhoff

Keine fünfzehn Jahre, nachdem die morsche Monarchie in Deutschland zerbrochen war, sank auch die junge Republik, mehr fallend als gestoßen, ins Grab. Wie konnte es dazu kommen? Das Unheil bereitete sich bereits im Februar des Jahres 1919 vor. Die Revolution in München, die von großen Hoffnungen getragen wurde, endete mit der Ermordung des ersten republikanischen Ministerpräsidenten und dem blutigen Sturz der folgenden Räteregierung durch Truppen der SPD-geführten Reichsregierung. Die demokratische Zivilgesellschaft zeigte sich nicht in der Lage, mit der ihr zugefallenen Macht verantwortungsvoll umzugehen. Während große Teile von ihr – auch in der SPD – mit rechtsextremistischen Kräften paktierten, setzte eine Handvoll Wirrköpfe für radikalsozialistische Träume alles aufs Spiel. Das endete in Bayern und später auch im Reich mit dem Sieg der demokratiefeindlichen Reaktion.

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Das Gedenkjahr 2018 – 50 Jahre ›1968‹ – ist abgefeiert, anno 2019 stehen für Politik und Feuilletons die Themen Revolution 1918/19, Weimar, vielleicht auch Versailles, sodann Kriegsbeginn 1939, Zwei-Staatengründung 1949, auf dem Programm. Vorweg: Für die um Klima- und Weltrettung besorgte grün- und postdeutsche sowie die multi-ethnische Jugend sind derlei Daten und Namen inzwischen ohne Belang. Auch das von längst ergrauten Alt-Achtundsechzigern einst zur moralischen Selbstbestätigung erfundene Diktum, ›1968‹ habe die eigentliche demokratische Zweitgründung der Bundesrepublik stattgefunden, dürfte nur noch bei Lesern der taz oder der Zeit ankommen. Heute geht’s um Klimarettung, um Kulturbereicherung durch ›Zuwanderung‹ sowie um die – in den Augen aller Wohlmeinenden und/oder Naiven nur imaginäre – Furcht vor dem Vordringen des Islam.

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Starker Tobak. 2017 beschrieb ich in Peter Wensierskis Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution: Wie eine Gruppe junger Leipziger die Rebellion in der DDR wagte den friedlich basierten unerhörten Mut junger Leute gegen eine Diktatur. Knapp zwei Jahre später tu ich mir mit »Die RAF hat euch lieb« von Bettina Röhl die gewaltbasierte Feig- und Hinterhältigkeit junger Leute gegen eine Demokratie an. Welch schwere Kost.

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