von Johannes Eisleben
Wir leben, wie Joel Kotkin (The coming of Neo-Feudalism) griffig formuliert hat, in einem Übergang zum Neofeudalismus. Nur vor diesem Hintergrund lässt sich der Krieg in der Ukraine verstehen. Was bedeutet das?
Kein Mittelerde
Für viele Beobachter ist Putin ein irrationaler Aggressor, der aus Russland wieder ein globales Imperium nach dem Vorbild der UdSSR machen will und zu diesem Zweck die Ukraine überfallen hat. Der Westen kämpft nach dieser Lesart durch Waffenlieferungen und Bereitstellung von Söldnern als militärischem Führungs- und Ausbildungspersonal um die westlichen Werte: Freiheit und Demokratie. Der Konflikt ist also aus Sicht dieser Zeitgenossen ein klassischer Antagonismus zwischen den Kräften des Guten, uns, dem Westen, und dem bösen, fremden Osten, den Russen. Wir werden gewissermaßen Zeugen eines epischen Ringens um Werte, wie er in vielen literarischen Werken geschildert wird, beispielsweise dem Herrn der Ringe des Sprachwissenschaftlers J.R.R. Tolkien, in dem ein Kampf um ›Mittelerde‹ tobt. Putin ist in dieser Interpretation der ›Sauron‹ aus dem ›Mordor‹ im Osten, oder auch ganz einfach ›Hitler‹. Seine gnadenlosen, hilflose Zivilisten abschlachtenden Truppen gleichen den Orks des bösen Sauron. Russlands Atomwaffen sind der ›Ring der Macht‹. Der Westen, das sind im Wesentlichen ›Eriador‹, ›Rohan‹, ›Gondor‹ und das ›Elbenland‹, muss daher Russland-›Mordor‹ besiegen, damit ›Sauron‹ mit seinen ›Orks‹ nicht ganz Europa unterjochen kann, was zweifelsohne sein ›Kriegsziel‹ ist.
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- Geschrieben von: Eisleben Johannes
- Rubrik: Politik
von Peter Brandt
Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde!
Das letzte Mal, da ich – noch ein Jugendlicher – bei der Abschlusskundgebung des Frankfurter Ostermarschs nicht weit von hier stand, damals natürlich als einfacher Teilnehmer, war 1966, vor 56 Jahren. Damals ging es neben dem aufkeimenden Protest gegen den Vietnamkrieg der USA um die stets latent vorhandene Atomkriegsgefahr zwischen den von den Supermächten geführten Militärblöcken, von denen die eine Seite behauptete, für die Freiheit zuständig zu sein, während die andere den sozialen Fortschritt für sich beanspruchte. Es war ein wichtiger Schritt der damaligen Friedensbewegung wie auch der viel breiteren Friedensbewegung der 80er Jahre, mit der Blocklogik, stets mit Aufrüstungslogik verbunden, zu brechen, sich prinzipiell davon frei zu machen. Das ist der Sinn des Begriffs ›Äquidistanz‹: die geistige, politische und organisatorische Eigenständigkeit, nicht die Selbstverpflichtung, in jeder konkreten Auseinandersetzung eine mittlere oder unparteiische Position einzunehmen.
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- Geschrieben von: Brandt Peter
- Rubrik: Politik
von Johannes Eisleben
Am 26. Februar 2022 endete das internationale Währungssystem, das sich nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems 1973 herausgebildet hatte. Beendigt wurde es vom Westen, im Wesentlichen den USA und der EU, indem an diesem Tag der Russischen Zentralbank der Zugriff auf ihre Fremdwährungsreserven in Höhe von 630 Milliarden US-Dollar gesperrt und viele Russischen Banken von der Nutzung des SWIFT Systems ausgeschlossen wurden. Damit endet ein wesentliches Element der US-Welthegemonie, unter der alle heute lebenden Menschen den größten Teil oder ihr ganzes Leben verbracht haben. Der Westen hat sich übernommen und verzockt, die Finanzwelt und damit ein zentraler Aspekt der Machtausübung über das Wohl und Wehe der Menschen werden nun multipolar. Damit wird im Finanzsystem nachvollzogen, was kulturell, wirtschaftlich und militärisch schon lange offensichtlich geworden ist: Der Niedergang des Westens.
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- Geschrieben von: Eisleben Johannes
- Rubrik: Politik
- Im Zeichen des O
- Die Ukraine und die Neuordnung Europas
- Die Wiederbegrenzung der westlichen Welt
- Die Taliban in Kabul und das Unverständnis im Westen
- Die Potsdamer Konferenz in ihrem historischen Zusammenhang
- Mehr Realismus in der Entwicklungspolitik
- Der Abzug aus Afghanistan und die absehbaren Folgen
- Politische Ideen des Westens im 21. Jahrhundert
- Alles wird wieder gut
- Scheitert Europa am Nahen Osten?
- Das Verhältnis zwischen Politik und Wissenschaft
- Die Vereinigten Staaten von Amerika – 2020 durch Trump zutiefst gespalten?
- Vernehmliches Schweigen
- Was zählt. Bocksprünge im amerikanischen System
- Das Verhältnis zu Russland – Kern-Frage des Friedens in Europa
- Füllmich. Eine Pandemie wird zur Kasse gebeten
- 9/11, Moria und Moral
- Ende der Borniertheiten
- Grenzen und Möglichkeiten zur Unterstützung von Frauen in Afrika – Erfahrungen aus der Praxis der Anfangsjahre
- Globaler Pakt für eine sichere, geordnete und reguläre Migration
- Bevölkerungswachstum: Wer schweigt, verliert
- Vom Wahn und von der Erkenntnis
- Trump, Anti-Trump und keine Analyse
- Vanuatu – ein letztes Paradies?
- Überleben im Atomzeitalter
- Die Sanktionen gegen Putin und die hilfreichen Folgen für Russland
- Die Grenzen des Westens zum Nahen Osten
- Die Komplexität des Politischen Teil 2
- Die Komplexität des Politischen
- Zehn Thesen für ein weltoffenes Deutschland
- Enttäuschte Liebe
- Nutznießer der Niedertracht
- Provokationen zu Strategien
- Bolivien – ein Hoffnungsmodell?
- Chinas wachsende internationale Rolle und der Trump-Effekt
- Im Machtdreieck von Putin, Xi Jinping und Trump
- Die Streitkräfte Russlands. Entwicklung seit 1991 und Ausblick
- Don Giovanni in Cuzco
- Costa Rica – ein Modell für die Zukunft?
- Die Globusfalle
- Selbstbehauptung durch Selbstbegrenzung
- Kulturelle Hegemonie statt Globalisierung
- Buenos Aires 2016
- Die Ukraine, der Westen und Russland
- Die Nüchternen
- Brasilien beschweigt die Militärdiktatur: Wird die Wahrheitskommission zum Wendepunkt?
- Demokratien im Wandel: Wie Soziale Ungleicheit in Brasilien ab- und in Deutschland zunimmt
- Die Dilemmata eines zeitgenössischen Linksreformismus
- Freiheit für Ai Weiwei!
- Fluch und Segen der Entwicklungshilfe
- Irrtum Afghanistan
- Die Fabel von der Flexibilität
- Die Wurzeln des Terrors
- Notizen zur weltpolitischen Konjunktur
