
Auch wenn wir schon von überstürzter Schnelligkeit im Krieg gehört haben, so haben wir noch nie von einer klugen, aber lang hinausgezögerten Operation gehört. Denn es hat noch nie einen langwierigen Krieg gegeben, der einem Land Nutzen gebracht hat.
Sun Tsi: Die Kunst des Krieges, Ziff. II.6 und 7.
von Helmut Roewer
Deutschland hat in den letzten 110 Jahren zwei Zweifrontenkriege geführt, die als Erster und Zweiter Weltkrieg in die Geschichtstabellen eingegangen sind. Es hat beide Kriege mit Pauken und Trompeten verloren. Vor sieben Monaten hat es erneut einen Krieg eröffnet, indem es in die sogenannten Sanktionen der USA gegen Russland eingestiegen ist, und, während ich diese Zeilen schreibe (Ende September bis Mitte Oktober 2022), ist die deutsche Regierung überdies mutwillig in einen Zweifrontenkrieg eingetreten, indem sie zusätzlich China den Wirtschaftskrieg erklärt hat. Für diejenigen Leser, die das für übertrieben halten, hier die zugehörigen Einzelheiten:
von Max Ludwig
In der Ukraine führt die NATO Krieg gegen Russland mit der Absicht, im Land einen Systemwechsel herbeizuführen, wie das auch für Irak, Afghanistan, Libyen oder Syrien vorgesehen war. Ein Freund fasste es folgendermaßen zusammen: »Die Ukraine soll, obwohl sie früher fest ein Bestandteil der russischen Einflusszone war, in die Gruppe des kollektiven Westens wechseln und kulturell, militärisch und ökonomisch Frontstaat gegen Russland werden. Ferner soll als mittelfristiges Ziel in Russland ein Regimewechsel herbeigeführt werden, kurzfristig soll Russland geächtet, geschwächt und isoliert werden.«
Es soll in Russland ein dem Westen genehmes politisches System etabliert werden, das ihm die Ausbeutung russischer Ressourcen ermöglicht – nach dem Muster der westlichen Unterwerfung der kohlenwasserstoffreichen arabischen Länder. Wie kommen wir auf diese Idee? Lässt sie sich verwirklichen?
von Heinz Theisen
Henry Kissinger sieht den Westen heute am Rande eines Krieges mit Russland und China über Themen, die wir teilweise selbst geschaffen haben, ohne eine Vorstellung davon, wie das überhaupt enden wird oder wohin es führen soll. Alles, was man tun könne, sei, die Spannungen nicht zu verstärken und Optionen zu schaffen, aber dafür müsse ein bestimmtes Ziel vorhanden sein.
Ein solches Ziel könnte eine multipolare Weltordnung sein, die nach dem Scheitern des westlichen Universalismus und des Globalismus die Machtpole USA, China, Russland, Indien und gegebenenfalls Europäische Union sich gegenseitig begrenzen und in ihren Einflusssphären anerkennen würde.
Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Front: ©2024 Lucius Garganelli, Serie G