von Johannes R. Kandel

Das von Freunden Sarrazins lange erwartete und von seinen Feinden gefürchtete Buch ist endlich erschienen. Schon nach den ersten fünfzig Seiten fehlt mir jedes Verständnis dafür, warum Random-House das Buch nicht verlegen wollte und die SPD Sarrazin wieder ausschließen will. Der Titel Feindliche Übernahme ist provokativ und soll es auch sein. Diese ›feindliche Übernahme‹ Deutschlands und Europas geschehe, weil die Muslime in nächster Zukunft aufgrund der demografischen Entwicklungen (siehe seine Prognosen in Tabelle 1, S. 488 f.) eine Mehrheit in Deutschland und Europa bilden könnten (frühes Heiratsalter, Verwandtenehen, Kinderreichtum). Dies würde das Ende der westlichen Zivilisation und Kultur bedeuten, weil der Islam der in Europa über Jahrhunderte erkämpften Moderne in Glaubenslehren und religiöser Praxis diametral entgegengesetzt sei.

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 von Andre Soudah

Nicht nur, dass ein Mensch brutal erstochen wurde und seinen Verletzungen erlag (zwei weitere wurden schwer verletzt), sondern dass ein Nazimob diese abscheuliche Tat auch noch für seine Zwecke missbraucht und auch unbescholtene Bürger die Nase voll haben. Eine Entladung, auf die die Polizei und die Stadt Chemnitz, trotz Ankündigung in den sozialen Medien, nicht vorbereitet war und ein Ministerpräsident der in einem Dilemma steckt; so muss er sich und die CDU als Landespartei profilieren, die mit starker Hand regiert und zum Beispiel gegen vermeintliche Ausländerkriminalität vorgeht und ein neues Polizeigesetz auf den Weg bringt, um rechte Wutbürger nicht vollends zu verprellen. Gleichzeitig soll Sachsen weltoffen sein. Ob diese Strategie ein Jahr vor der Landtagswahl aufgeht, darf mit einem Blick nach Bayern zu Recht bezweifelt werden. 

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Chemnitz lässt uns nicht mehr los. Mit Recht. Wie konnte es passieren, dass ganz normale Bürger für die rechtsradikalen Horden bereitwillig die Kulisse bildeten? Für Leute, die man politisch und auch ästhetisch nur als widerlich empfinden kann? Verständlich allenfalls, wenn man die Häufung der Untaten von ›Flüchtlingen‹ ebenso in Betracht zieht wie das Verhalten der Politik und der Medien. Doch ob die Ereignisse im Rückblick viele dieser sonst so braven Bürger zum Nachdenken veranlassen? Oder ist diese Erwartung nur Ausdruck des Hochmuts der Bildungsschichten, die von den Veränderungen im Land, den Zukunftsängsten weniger betroffen sind und sich im Hochgefühl, einfach den besseren Überblick und die höhere Moral zu besitzen, den ›Kleinbürgern‹ überlegen fühlen?

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