
von Lutz Götze
Paris ächzt unter einer erbarmungslosen Sonne, saharaähnlich. Im Süden des Landes, so ist zu hören, seien mehr als 45 Grad gemessen worden, mehrere Menschen bereits in Seen und Flüssen ertrunken. Landesweit haben die Schulen geschlossen und bieten stattdessen Notunterkünfte sowie kalte Getränke an. Frankreich befindet sich im Ausnahmezustand.
Paris ohnehin. Die Hauptstadt mit ihren zehn Millionen Einwohnern ist um eine weitere Million angewachsen: Touristen aus aller Herren Länder, zumeist Chinesen, Japaner, Deutsche, Engländer und Russen. In Riesenzahl vertreten aber sind US-Amerikaner und -Amerikanerinnen. Der Grund? Zum einen die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen und die Hoffnung, ihre Landsfrauen könnten gewinnen. Zum zweiten folgen Tausende, demokratisch gesonnen, ihrem früheren Präsidenten Obama, der gerade samt Familie in Südfrankreich Urlaub gemacht hat. Sonderbare Amerikaner!
von Ulrich Schödlbauer
Es wäre schon schön, sprach der Strauß zum Emu, wenn in diesem Land nicht alle immerfort den Kopf in den Sand stecken würden, in der irren Hoffnung, die Kavalkade der Schnapsfiguren wäre vorüber, wenn sie ihn wieder herausziehen. Wie irre ist das denn? Trunkenheit am Steuer muss geahndet werden, solange es Steuer gibt. Wird Fahren autonom, kann man sich seinen Mitfahrenden zudrehen und abwarten, wohin das führt. Wohin wird es schon führen?
Das kann ich dir sagen, sprach der Emu, es führt nicht zu mehr Kontrolle, wie die Leute meinen, sondern dazu, dass Bewegung und Kontrolle miteinander verschmelzen und eins werden. Was das bedeutet, weiß heute keiner. Nachher werden es alle wissen. Daher geht es uns im strikten Sinne nichts an. Was uns angeht...
Hör mal, sprach der Strauß zum Emu, willst du sagen, dass uns nichts angeht, was alle angeht? Das finde ich jetzt ... gewöhnungsbedürftig.
von Gunter Weißgerber
Der Haltungsjournalist Claas Relotius ist schuld. Eigentlich wollte ich den ersten Band von Ulrich Schödlbauers Gesammelten Essays mit dem Titel Entfesselte Schrift rezensieren, erschienen 2018 im Manutius Verlag Heidelberg. Eingetaucht bin ich in Schödlbauers Universum aus intellektuell fordernden Literatur-, Kultur- und Medienbetrachtungen. Schödlbauer macht es dem Leser nicht leicht – einfach mal so eintauchen, lesen, filtern, auftauchen, Weisheiten verkünden. Schödlbauer macht Arbeit. Eine Anstrengung, die sich lohnt.
Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Front: ©2024 Lucius Garganelli, Serie G