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von Ulrich Siebgeber

1.

Klima-Greta kam und lehrte
Mores alle, die dafür ein Ohr
und auch sonst ein weites Herz besaßen.

Weil das Unheil schneller reitet als
das Erschrecken, das in vielen reift.

Und sie redet dies und redet das.

2.

Spricht von Rettung, spricht von Untergang.
Spricht wie Kinder, die das Abgebrühte
noch nicht kennen, das dem Wissen eignet,

wenn es nach der Peitsche greift,
um sich den Verstockten einzuschärfen. Weil
Glauben Wissen schafft und Wissen Macht.

3.

Keine Macht den Mächtigen!
Rein ist unser Wissen wie das Morgen.
Nicht verkommen wie das schlimme Gestern,

das als Heute eure Sinne blendet.

Nicht besudelt von der Gier der Alten,
die zu keiner Tat sich aufzuraffen wissen.

4.

Unverfault an Leib und Seele
spricht aus uns das Weltgewissen
und es meldet klar und deutlich:

Jeder Brocken Kohle, den ihr fördert,
jedes Barrel Öl, das ihr verbrennt,
jedes Gaskraftwerk, das ihr noch baut,

tötet uns, die Erben eurer Träume.

5.

Weg von euren Industrien
sollt ihr in die Berge fliehen
zu den Elchen, zu den Hirten,
die mit Selbstgebranntem euch bewirten.

Euch den Zähler abzuklemmen,
helft uns, denn wir sind noch jung.
Save the Planet! Dient der Erde!
Wenn ihr nicht pariert, dann ist sie weg.

6.

Vater, Mutter, Tochter, Kind.
Alle, die beunruhigt sind.
Alle, die das Leben brauchen,
lassen ihre Köpfe rauchen.

Lassen ihre Köpfe rauchen
für die Leben, die sie brauchen,
wenn sie nicht gestorben sind.
Vater Mutter Tochter Kind.

Schuldig ist, wer lange schwieg:
s ist leider Krieg –
und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!

7.

»Wer nicht für uns ist, der ist gegen uns.«
Der Mensch, der das sagt, trägt einen Mantel aus Stroh
und Schuhe aus Eichenlaub.
Eine Kokosnuss ziert sein Haupt.
Seine Hände gemahnen an Windmühlenflügel,
doch nur von weitem.
Aus der Nähe betrachtet,
schaufeln sie Theorien.
Seine Stimme strömt aus dem Jenseits
der beschissenen Welt,
als habe sie dort ein Versteck,
in dem sie gelegentlich wühlt.
»Wissen schafft!« sagt sie und schafft
Wissen beiseite, als habe es dort zu liegen
seit Beginn der Zeit, die jetzt knapp wird.

 

 

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Mag sein, das Volk ist eine irrationale Größe. Doch daraus auf die Rationalität der Eliten zu schließen wäre, sagen wir ... nicht in Ordnung.

Und doch, man geht wie auf Strickleitern durch Ihre Texte. Immer mit einem Anflug von Höhenangst. Das strengt ganz schön an.
Laska Freyh auf Twitter

Ulrich Siebgeber: Der Stand des Vergessens

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.