Ulrich Siebgeber - ©LG
Ulrich Siebgeber
Vergessen hilft. Aber nicht wirklich.
 
 

von Lutz Götze

Der aktuelle provinziell-lächerliche Disput um den ›Digitalpakt‹ hat die Misere der deutschen Bildungslandschaft erneut verdeutlicht. Die Gegner des Paktes – die Ministerpräsidenten der Bundesländer – beharren auf ihrem Standpunkt, nämlich das ›Kooperationsverbot‹ – schon der Name ist in einer Demokratie absurd – in Bildungsfragen zwischen Bund und Ländern zu bewahren, und verschließen die Augen vor der Realität.

von Herbert Ammon

Inwieweit in einer zusehends multiethnisch und multikulturell divergierenden und desintegrierenden Gesellschaft wie der Bundesrepublik Deutschland allgemein der historischen, insbesondere der nationalgeschichtlich orientierten Erinnerung überhaupt noch Bedeutung zukommt, scheint fraglich. Das gilt im Blick auf die Zukunft selbst für die Geschichte und die symbolische Wirkkraft des Holocaust, des zentralen Bezugspunkts deutschen Gedenkens in der Gegenwart.

von Lutz Götze

Heinrich Böll hätte am 21. Dezember seinen einhundertsten Geburtstag gefeiert. Kölner, Rheinländer, Katholik und Sohn eines Tischlers, war es ihm nicht in die Wiege gelegt, einmal zu den ganz Großen der deutschen Nachkriegsliteratur emporzusteigen. 1985 ist er in seinem Haus in der Eifel gestorben.

von Ulrich Schödlbauer

Die DDR ist in der Bundesrepublik Deutschland aufgegangen – die staatsrechtliche Formel suggeriert, neben dem Verschwinden, das Bild der aufgegangenen Saat: kein ganz beruhigendes Bild, wenn man, wie der Westteil des Landes in seiner überwältigenden Mehrheit, der Ostteil in seiner weit überwiegenden Mehrheit, von der Überlegenheit des westlichen Staats- und Gesellschaftskonzepts durchdrungen ist und kein Bedürfnis danach verspürt, von den Beharrungskräften jenes entsorgten Systems eingeholt zu werden. Wo Devotionalien kursieren, blüht Devotion.

Das Problem Merkel ist gelöst. Es weiß nur noch niemand, wie die Lösung aussieht.

*

Am Taktieren der Parteien erstaunt am meisten das Taktieren. Im Grunde könnten die Parlamentarier an jedem beliebigen Tag zusammentreten und beschließen, dass die Ära Merkel vorbei ist.

von Christoph Jünke

Als er die Nachricht bekam, soll sich der Vater der westdeutschen Demokratie, Bundeskanzler Konrad Adenauer, seinem Tross von Mitarbeitern und Journalisten halb überrascht und halb triumphierend zugewandt und ausgerufen haben: »Nun raten Se mal, meine Herren, wat da soeben passiert ist. (…) Den Agartz haben se verhaftet!« Das war am 25. März 1957. Und auch wenn sich heute nur noch wenige an den Namen Viktor Agartz erinnern, war doch der streitbare Gewerkschafter und radikale Sozialdemokrat eine der wichtigsten Persönlichkeiten der deutschen Innenpolitik der 1950er Jahre.

von Felicitas Söhner

Die Visualisierung von ›1968‹- zur Rolle des Mediums Fernsehen in der Erinnerungskultur

Bald 50 Jahre nach den Ereignissen ruft die Chiffre ›1968‹, die für ein Jahr des Aufbruchs und des Protests steht, Bilder in der kollektiven Erinnerung hervor. Gleichzeitig dauert die Debatte um Deutungsmuster weiter an. Der Historiker Martin Stallmann befasst sich in seiner Dissertationsschrift, die im Rahmen der Heidelberger Graduiertenschule für Geistes- und Sozialwissenschaften entstanden ist, weniger mit der Historisierung der Protestjahre selbst, als vielmehr mit dem Erinnern an ›1968‹. Dabei richtet er den Blick auf das Fernsehen in seiner Rolle als Chronist wie auch Akteur historischer Entwicklungsprozesse [S.8]. Das Leitmedium seiner Zeit berichtete in Dokumentationen und Diskussionsrunden über die 68er-Bewegung und thematisierte deren Bedeutung für die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Damit war das Fernsehen maßgeblich an der Konstituierung der ›68er-Generation‹ beteiligt. Auf der Basis medienhistorischer Forschung rekonstruiert Stallmann den Entstehungskontext von Medienbildern [S.21]. Als Quellengrundlage dienen dem Autor Fernsehsendungen der 1970er bis 1990er Jahre, die er anhand von Deutungen von ›1968‹ analysiert. In vier Kapiteln widmet er sich den übergeordneten Erzählmustern »Generationengeschichte« (Kapitel I), »Alteritätsgeschichte« (Kapitel II), »Gewaltgeschichte« (Kapitel III) und »Personengeschichte« (Kapitel IV).

von Ulrich Siebgeber

Im Land der Ordentlichen
schürt die Ordnung
den Hass auf die Aufklärer.
Im Land der Aufgeklärten
erklärt das Pfarrhaus die Weltlage.
  
Auf Massenmord folgt
der Appell, nach Hause zu gehen
und keine Angst zu zeigen, es sei denn
den lieben Kleinen
in Büchern aus Pappe,
um sie zu wappnen.

von Lutz Götze

Der Wahlsieg Donald Trumps in den Vereinigten Staaten von Amerika hat die Welt erschüttert. Nahezu alle Auguren und ›Wahlforscher‹ hatten es bis zur letzten Minute für unmöglich gehalten, was jetzt geschehen ist. Sie müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie ihr, von Anbeginn an, unseriöses Geschäft nicht besser einstellen sollten, als weiterhin mit ihren Prognosen das Wählerverhalten zu manipulieren. Der Wahlsieg des Kandidaten der einstigen ›Grand Old Party‹ Abraham Lincolns war kein Betriebsunfall, sondern fügt sich ein in eine lange Kette populistischer, nationalistischer, chauvinistischer, rassistischer und antidemokratischer Entscheidungen der Wähler rings um den Globus. Allzu leichtfertig verkürzt als Meinungsäußerung der ›zu kurz Gekommenen, Abgehängten und Verlierer im Globalisierungswettstreit‹, handelt es sich in Wahrheit um ein Aufeinanderprallen höchst unterschiedlicher Kulturen.

Europa hat zu lange auf die feinen Unterschiede gestarrt, jetzt überraschen es die groben. Manchmal ist es die Zeit, die sich parodiert, manchmal sind es die Zeiten. Doch doch, da besteht ein Unterschied: Was als Tragödie beginnt und als Farce endet, das nennen manche Geschichte. Was als Farce beginnt, wie wird man es nennen? Wie vieles, das gern gesagt werden möchte und im Herauskommen verdirbt: schwer zu sagen. Bliebe es doch ungesagt! Aber wäre das eine Lösung? Natürlich nicht, denn heraus kommt alles. Bloß wie und wo, das macht fremde Gedanken. Wer die Fassung verliert, hat schon verloren. Wer die Fassung wahrt, der gewinnt Zeit. Vielleicht hat er bereits verloren, dann zählt sie doppelt. Fragt sich: Wer ist der Zähler? Was, wenn gerade er nicht zählt? Solche Fragen überfordern den Menschen leicht und er wünscht sich, es wäre Abend.

Die Schwierigkeiten kämpferischer Atheisten, die sich selbst Humanisten nennen, mit Gott wären noch größer, als sie es ohnehin sind, verstünden sie ein wenig mehr davon, was es heißt zu glauben. Dadurch, dass sie glauben, sie hätten den Glauben hinter sich, befinden sie sich bereits in der ersten Glaubensverirrung, die da heißt: missionieren um jeden Preis. Ein rechter Missionar bekämpft seine Glaubenszweifel, indem er andere zu bekehren versucht. Das Feuer, das in ihm brennt, vertilgt den Scheiterhaufen, in dem neben und mit der fremden Schlacke die eigene verglüht – idealiter wohlgemerkt, idealiter.

Hätte ich einen Leibwächter, ich nähme ihn mit auf die Reise und zeigte ihm die Welt. Wien zum Beispiel wäre mir Welt genug, wenigstens für den Anfang. Wir gingen unverzüglich ins nächste Kaffeehaus und dort säße er schon, den Arm aufgestützt, und läse den Standard. Ich jedenfalls trau’ ihm das zu. Fragte man ihn nach seinem Beruf, so gäbe er vermutlich zur Antwort: Standards setzen. Franz Hörmann (von ihm will ich reden) hat das Standardmodell der Geldtheorie an den Nagel gehängt und verkauft ein anderes, wobei es ihm weniger auf die Theorie als auf die Praxis ankommt. Das geschah vor längerer Zeit und seither ist sein Modell Standard.

von Ulrich Siebgeber

Steuerzahler ins All

Unbegreiflich scheint die Drohne,
wenn sie über Städten kreist,
wo die Massen leben ohne
das Gefühl der Sicherheit,

das sich einstellt in den Zentren,
wo die Täter sanft entschlummern
im Gefühl vollbrachter Tat.
Wenn nach arbeitsamen Stunden, 

flott gejoggten Aschenrunden
– hinterdrein ein heißes Bad –
sie das Gähnen überwältigt
und der Muskel sich entkrampft.

In Österreich haben sie das Problem, dass die Nazis sagen, wir sind keine, während die Nicht-Nazis sagen, wir haben damit ein Problem. Das hängt damit zusammen, dass in diesem Land jeder auf einen anderen zeigt, wenn er sich selbst meint. Man könnte demnach herausbekommen, was den österreichischen Nazi ausmacht, indem man jeweils die Richtung, in die einer zeigt, umkehrte. Damit hätte man den Paradefall einer vollkommen selbstbezüglichen Nation, die sich abwechselnd ›Nazi‹ und ›Anti-Nazi‹ schilt. Dass dabei nichts herauskommen kann außer ein wenig Abwechslung, liegt auf der Hand. Die Wiener Art – manche sagen: Abart – der Abwechslung heißt bekanntlich Schmäh. Wer keinen Schmäh führt, der ist auch niemand. Et vice versa.

Stoßen Sie niemals, ich bitte Sie: niemals ins gleiche Horn. Warum nicht? Es ist mit Sicherheit das falsche. Zum Beispiel war es in den vergangenen Monaten üblich, den dann doch republikanischen Präsidentschaftsbewerber der USA mit wüsten Schmähungen zu überziehen. Natürlich haben Sie mitgemacht. Jetzt kommt er ins Amt und Sie haben den Salat. »Aber die anderen auch!« rufen Sie entsetzt. »Was soll ich machen?« Ja die anderen. Habe ich es Ihnen nicht gesagt? Da schreiben sie sich die Finger wund, dass es eine Wonne ist. Worüber? Oder besser: womit? Mit jenem flauen Gefühl im Magen, das ihnen sagt, es ist vorbei, wenn sie die Kurve nicht kriegen: ein neuer Präsident! Der Führer der freien Welt! Vielleicht will er nicht führen, wer weiß das schon, aber er wird, ganz sicher, führen müssen. Und dann? Was verlangt das Lager der Geführten? Loyalität. Kritische Loyalität, gewiss, doch wer es mit der Kritik zu weit treibt, der ist schneller entsorgt als so ein Morgen graut. Graut Ihnen vor dem Morgen? Dann sind Sie auf dem richtigen Pfad.

von Ulrich Schödlbauer

Die Frage, ob Kunst politisch ist, muss Historikern unverständlich erscheinen. Bereits die ältesten Herrschaftszeichen bezeugen einen unauflöslichen Zusammenhang von Macht und Pomp. Sie sind dazu bestimmt, ›Eindruck zu machen‹. Macht zeigt sich, Macht prägt sich ein. Selbst dort, wo sie sich aus Gründen der Zweckmäßigkeit verborgen hält, spricht sie durch Zeichen, die den Dekor wahren, zu denen, die sie einschüchtern oder hinter sich scharen will. Aufdringlich oder unauffällig darf der Augenschein bekunden, was jeder weiß oder in seinem eigenen Interesse wissen sollte: Hier spielt die Musik. Macht will erkannt werden. Ein probates Steigerungsmittel der Wahrnehmung sind Künste, die ›verherrlichen‹, wo sonst nur krude Gewalt sichtbar würde. Mit den Regierungsformen wechseln Symbol- und Performanzregister.

Im Grunde ist alles ganz einfach: 80 Mio : 1, da konnte nichts weiter herauskommen als Wer sonst, Wir haben doch keinen, Wer wenn nicht sie? Vor allem, wenn man bedenkt, dass diese 80 Millionen, Kinder und Greise inbegriffen, doch alle irgendwie idealiter Unionswähler sind, sozusagen als Dritt- und Schattenwähler, gleichgültig, was sie sonst alles unterstützen oder am Laufen haben, – sie ist nun mal von Adenauers Zeiten her die Staatspartei und alle anderen sind … psst! Stimmenjäger wollte da jemand sagen, ein mühsames Geschäft übrigens, und: undankbar.

Sorry, Siebgeber, sorry, alles auf Null: Wer so die Maus angeht, sie geradezu als Sündenbock präpariert, sollte Ross und Reiter nennen, bevor sie im Morgengrauen verschwinden. Die Computermaus, im Land der Begriffsstutzigen lange Zeit zwanghaft ›Mouse‹ geschrieben – erinnern Sie sich? –, vermutlich, um die Sache nicht vom Schwanz her anzugehen, ist ein Segen für die Menschheit, das Sich-Verschreiben hingegen ein Fluch. Wer verschreibt sich denn? Nur der, der’s nötig hat.

von Ulrich Siebgeber

Als die Wissenschaft von abergläubischer Furcht erfüllt wurde und beschloss, es müsse etwas aus ihr herauskommen

Hier kommt die Angst. Sie hat es schwer.
Der Eifer treibt sie vor sich her.
Was eifert er? Was will er zeigen?
Er will gefallen. Wem? Dem Frager? Nein.
Selbst wenn er’s wollte, wär’ er nicht bereit.

von Gunter Weißgerber

Der Sommer 1990 gehört zu den überaus glücklichen Momenten deutscher Geschichte, die zudem im Einklang mit den Interessen und der Zustimmung ihrer Nachbarn ablief. Beide deutsche Regierungen ließen keinen Zweifel an ihrem Willen aufkommen, ihre Nachbarn und die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges intensiv mit einzubeziehen.

von Kay Schweigmann-Greve

Rüdiger Ahrens: Die Bündische Jugend. Eine neue Geschichte 1918-1933, Göttingen (Wallstein) 2015, 477 Seiten

Die Rede vom Bewusstsein erinnert ein wenig an die eingetrockneten Fliegen vom Vorjahr, die beim Frühjahrsputz unter den Jalousien zum Vorschein kommen, sie ist nicht en vogue, der Herr der Fliegen hat Ausgang und scheint das zu genießen – sei's drum, es kommen andere Zeiten und neue Insektenschwärme, so wie andere Menschen diesen Planeten der Scherben bewohnen werden, unbekümmert um Potenziale und Kontingente. Denn, ehrlich gesagt, es ist Hochmut, naiver, bewusstloser, abschreckend denkfauler Hochmut einer Generation, sich für die Zukunft nichts anderes vorstellen zu können als die Fortschreibung der eigenen Dispositionen und Gegnerschaften, zu denen sich die Albträume ruhig hinzuzählen lassen: jede Generation macht es sich im Albtraum der vorhergehenden bequem und findet insgeheim, jene müsse stolz darauf sein. Ein Irrtum, aber ein lebens-, vielleicht überlebensnotwendiger, den kein überlebendes Ressentiment ausräumen kann.

von Roland Wehl

Gegenseitiges Unverständnis

Im Streit um die Flüchtlingskrise ist das gegenseitige Unverständnis groß. Kritiker und Verteidiger der jetzigen Flüchtlingspolitik werfen sich gegenseitig Verantwortungslosigkeit vor, weil sie in der Analyse zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Unbestritten ist, dass es sich um ein globales Problem handelt.

Wer Bewusstsein sagt, will schon manipulieren: keine kleine Aussage, eher eine bewusstseinsöffnende oder -fördernde Maßnahme. An solchen Manipulationen leidet die Öffentlichkeit keinen Mangel, eher erstickt sie an ihnen. Bevor jemand hingeht und ein Fenster öffnet, muss viel geschehen. Die Gelassenheit muss viele kleine Tode sterben, ehe sie, wie der Geist aus der Flasche, in die Gehirne zurückkehrt, nicht triumphal, schon gar nicht triumphierend, eher mit einem Seufzer der Erleichterung, in die sich ein wenig Wehmut mischt, denn auch Spannung ist schön. Der gespannte Mensch, der Mensch, der jederzeit losgehen kann, setzt sein Glück in die Naherwartung, deren Gegenstand sich langsam entfernt, doch diese Strategie, das könnte ihm sein Verstand sagen, schlägt irgendwann gegen ihn aus.

Sagen wir, ein Land hat, neben Kriminalitätsrate, Obdachlosenrate, Alkoholismus, Verkehrstoten, Drogenabhängigkeit, Altersarmut, Kinderarmut, Fettsucht und so fort, ein Bevölkerungsproblem, das heißt, es werden dort soundsoviel Prozent weniger Kinder geboren, als nötig wären, um die Einwohnerzahl zu erhalten. Was fürs erste wenig besagt, da die Zahl der, sagen wir, während eines Jahres in einem Landstrich geborenen Kinder eine komplexe, aus Lust und Laune, Bedürfnis und Vermögen, Gelegenheit und Zufall sowie einer weiteren, nur schwer zu ermittelnden Zahl mehr oder minder unbekannter Faktoren gebildete, naturgemäß schwankende Größe darstellt, auf die sogleich eine Reihe exogener Größen wie Zahl der Fehlgeburten, Kindersterblichkeit, Kinderhandel einstürzt, bevor das Zahlenmaterial sich für eine relativ kurze Zeitspanne einigermaßen stabilisiert. Unter den mehr oder minder unbekannten Faktoren, die bereits vor der Empfängnis wirksam werden, sei der Faktor ›Bewusstsein‹ besonders erwähnt, weil er, jedenfalls bei einer funktionierenden Praxis der Empfängnisverhütung und Empfängnisfolgenkorrektur, das Zünglein an der Waage zu bilden scheint.

von Herbert Ammon

I.

Den dritten Teil dieses Textes bildet die Rezension eines Buches, das unter dem Eindruck des – seit Ende August 2015 von Bundeskanzlerin Merkel unbedacht (?) forcierten – Zustroms von Flüchtlingen und/oder Migranten produziert wurde. Diese Buchbesprechung ist auch als Replik auf den vor kurzem in Globkult (08.12.2015) veröffentlichten Beitrag von Werner Stanglmeier Erste Hilfe(n) zu lesen.

Menschen gibt es, denen wurde die Trompete in die Wiege gelegt – teils, um sie nicht in die Hände der Geschwister geraten zu lassen, teils mit dem Hintergedanken, die Welt teilhaben zu lassen an dem, was da unausweichlich heranwächst: ein starkes Stück, ein ganzer Mensch. Derlei passiert und wir, der müßige, über den Planeten verteilte Pöbel, wüssten nicht, ob uns die überbordende Kunde vom ganzen Menschen jemals erreicht hätte, gäbe es nicht die Trompete, jenes Instrument, mit deren Hilfe ein einzelner Mensch die so wunderbar von allen geteilte Luft unversehens in einen scharfen Gegenstand zu verwandeln vermag. In Wahlkämpfen, besonders der USA, ist so ein Instrument ungemein nützlich, da es den gemeinen, wenngleich gutsituierten Erdenbürger im Handumdrehen zur globalen Leit- oder Hass- oder Witzfigur befördert – am besten alles gleichzeitig. Polarisierung bedeutet alles, wenn nicht im Leben, so gewiss im Leben nach der Entscheidung, ein wahrhaftiger Präsident werden zu wollen.

Es ist schon ein ziemlich verzweifelter Griff in die Mottenkiste der Nation, die religiöse Herkunft eines Landes oder einer Kultur zu Staats-Zwecken zu mobilisieren. In neoliberal verfassten Gemeinwesen verhalten sich auch die religiös empfänglichen Bevölkerungsteile angebotsorientiert. Wer Religion will, muss sich der Konkurrenz stellen oder er sät vor allem eins – Unfrieden. Die großen Religionsgemeinschaften haben das, mehr schlecht als recht, irgendwann begriffen. Herkunft, Geburt, Überzeugungs- und Missionierungsarbeit, dazu die polarisierende Wirkung von Gewalt und Unfrieden, soweit sie religiös bemäntelt werden, sind längst (oder wieder) stärkere Akteure auf der kollektiven Bühne als der homogenisierende Nationalstaat alter Schule. Auch die Mehrzahl der Ländern, die ihn erst als Importartikel kennengelernt haben, falls er ihnen nicht einfach von den sich verabschiedenden Kolonialmächten übergestülpt wurde, hat das verstanden.

In Krisensituationen gewinnt, wer zuzuspitzen versteht. Ein Land oder ein Verband gleichgerichteter Staaten, in dem nur noch ein Thema die Gemüter beherrscht und Unfrieden zwischen zwei Fraktionen sät, die sich wenig oder nichts mehr zu sagen haben und sich stattdessen in Schuldzuweisungen, Beschimpfungen und Drohungen ergehen, – ein solches Land, eine solches System befindet sich in der Krise. Das heißt fürs erste nicht viel. Es gibt sowohl künstliche Krisen als auch, am anderen Ende der Skala, Krisen, in denen es nach Torheit schmeckt, gewinnen zu wollen, weil sie auch dann nicht weggingen – vielleicht gerade dann nicht weggingen, da man selbst, als kritischer Teil der Gesellschaft, Teil der Krise, womöglich ihr Hauptverursacher ist. Die beiden Extreme berühren einander: einer nicht lösbar erscheinenden Dauerkrise fehlt das entscheidende Merkmal der Krise, die ›Wende‹ zum Guten oder zum Schlechten, sie tendiert dazu, als Normalzustand fortzubestehen und gleichzeitig als ›künstliche‹, als Hirngespinst oder leere Drohung abgefertigt zu werden. Daher begnügt sich die Partei der Krise, ihr vermeintlicher oder wirklicher Nutznießer, damit, in der Krise – soll heißen: durch sie – stärker zu werden, bis irgendwann, in kritischeren oder sonnigeren Zeiten, ihr die Macht von alleine zufällt... Aus welchem Grund?

Man möchte ihn, als Gedanken, nie­man­dem zumuten, aber der Pop­ulis­mus ist nicht eigentlich der Wun­sch, pop­ulär zu sein, also der beständige Antrieb, dem Volk nach dem Mund zu reden, während man es von Herzen ver­achtet, son­dern ein The­men­park, dessen Bear­beitung anson­sten der Polizei und den Gerichten über­lassen bleibt – also das Verächtlich­machen Ander­s­denk­ender, die Beschimp­fung des Nach­barn, mit dem man an einem Tisch sitzt, sobald es etwas zu holen gibt, das dauernde Streben, für die eigene Klien­tel mehr her­auszu­holen, als bei nüchterner Betra­ch­tung ›drin‹ ist, die Selb­st­be­di­enung bei vollen (oder auch leeren) Kassen, also das ganz nor­male Handw­erk des – nein, nicht des poli­tis­chen, dem Gemein­wohl verpflichteten Men­schen, son­dern des Men­schen, der sich gehen lässt, nur eben in der Poli­tik oder ›im Poli­tischen‹, falls der kleine Unter­schied auf­fällt. Aus diesem Grunde han­delt es sich um eine klas­sis­che Fremdzuschrei­bung, man kann auch sagen, um eine Belei­di­gung Ander­s­denk­ender, jeden­falls um eine Denun­zi­a­tion, dik­tiert durch allzu große Nähe: man kennt sich, man hasst sich, man reibt sich, man hat einan­der intus, man möchte einan­der loswer­den: so geschehen (und gese­hen) im Fall des Linkspop­ulis­mus, der klas­sis­chen Abwe­ichung von der dog­menges­teuerten Linie nach dem Motto: Wir wollen die Zukunft jetzt.

von Peter Brandt

Wer erinnert sich bei dieser Frage nicht an die beiden zentralen Parolen, die die demokratische Umwälzung in der DDR 1989/90, die friedliche Revolution, begleiteten und – in zwei Etappen – deren Stoßrichtung ausdrückten? ›Wir sind das Volk!‹ bestritt den Regierenden das Recht, für dasselbe zu sprechen und in seinem Namen zu handeln.

Tagaus tagein bere­ichert das Fernse­hen unser Leben. Davon lässt sich doch eine Scheibe abschnei­den, oder nicht? Nehmen Sie das ruhig wörtlich – es kön­nte sein, dass Sie diese Scheibe, dieses ... Scheibchen vielle­icht noch ein­mal benöti­gen wer­den. Respond or die. Nie gehört? Auf welchem seli­gen Plan­eten leben Sie denn? Sie fluchen? Nein, nicht diese Töne, das ver­bitte ich mir. Ich bin Human­ist. Was habe ich gesagt? Ups, das habe ich gesagt. Oder, richtiger: »Oooops!« – Comic-Sprache, ja gewiss, was ist daran auszuset­zen?

von Werner Stanglmaier

Vor kurzem wurde ich gefragt, ob ich einige Eindrücke von der ›Front‹ (meine Arbeit in einem Erstaufnahmelager für Flüchtlinge in Berlin) formulieren könnte.

Dr. Strangelove: 45 Millionen Ukrainer können nicht irren.

von Raymond Verdaguer / Ulrich Siebgeber

 

[= Naturgeschichte der politischen Ideen (10)]

 

von Jörn Boewe

In schwierigen Zeiten wird viel gezweifelt, aber mehr noch geglaubt.
Christoph Jünke über den Neostalinismus als moderne Religion.

 Christoph Jünke: Der lange Schatten des Stalinismus, Köln/Karlsruhe
(Neuer ISP-Verlag) 2007, 207 S.


»Das ideologische Gebäude des Stalinismus ist gesprengt worden«, schrieb Isaac Deutscher 1967, »aber nachdem seine Fundamente erschüttert wurden, sein Dach hinweggefegt wurde und seine verkohlten Mauern einzustürzen drohten, steht das Gebäude noch immer; und die Menschen sollen weiterhin in ihm leben.« Mit »Der lange Schatten des Stalinismus« hat Christoph Jünke ein Buch vorgelegt, das einigen Leuten nicht gefallen dürfte, aber an dieser Stelle dennoch empfohlen werden soll. Wer in den Trümmern der stalinistischen Ideologie gefangen bleibt - das ist Jünkes Grundthese - ist nicht nur unfähig, zu den geistigen Quellen der kommunistischen Bewegung durchzudringen, sondern wird auch zum Sozialismus des 21. Jahrhunderts nichts beitragen können außer Konfusion.

von Steffen Dietzsch

Die gegenwärtig gewalttätige Hysterie, die einige muslimische Emeuten medial präsentieren und als deren Ursache – Monate später – von geistlichen Bonzen ein paar Karikaturen in einem dänischen Provinzblatt bestimmt wurden, kommt demjenigen, der sich noch des totalitären Alltags im Klassenkampf erinnert, nur allzu bekannt vor. Die Choreographie ist einfältig wie immer: Man ist auf einen Wink 'von oben' beleidigt und sucht nun Öffentlichkeit, Medien, um Tränen, Trauer und Wut der 'beleidigten Unschuld' kundzutun. Der Servilismus der gläubigen Menge entwickelt dann eine ganz eigene, fortschreitend eskalierende 'Trauerarbeit', die immer in einem Pogrom mündet.

von C. Clamm-Schottwien

Lieber Herr ***,

Wissen Sie, warum Seine Heiligkeit neuerdings solche gaffes macht? Er hat sich zu seinem letzten Geburtstag von einem wahrhaft kuriosen böhmischen Schuster ein Paar schöne Schuhe handfertigen lassen, und zwar hat dieses Paar auch noch einen dritten Schuh, dessen tieferer Zweck dem normalen Menschen selbstverständlich vorenthalten bleiben muss.

von Anne Corvey

Impressionen von der Frankfurter Buchmesse und Marion Poschmanns SchwarzWeissRoman

Das Schlendern über die Frankfurter Buchmesse zum Zwecke der Entdeckung neuer lohnender Bücher, interessanter Verlage und Autoren, das früher zum wesentlichen Bestand meines "literarischen Lebens" gehörte, erwies sich in diesem Jahr einmal mehr als Bad in der Menge, das klebrige und unangenehme Spuren hinterließ, die sich nicht durch einen Gang auf die Toilette - auch hier ist inzwischen Schlangestehen angesagt - mit anschließendem Händewaschen beseitigen ließen.

von Anne Corvey

Warum nicht heute und hier die Bilanz ziehen? Ich lade Sie ein, kritisch an den Nägeln zu kauen, Rechnungshof zu sein. Denn es gilt, offenbar zu machen: die nationale Pleite - das literarische Falschgeld - die sich als Person bestätigt fühlende Hybris - und das Sprüche klopfende Gewissen einer nicht existenten Nation.
Günter Grass, Rede über das Selbstverständliche

Die alten Dichter haben es vorgeführt, und wenn es in der Literatur nicht mehr funktioniert, dann im Leben. Das Wetter als wundervolle Spiegelung der ›Volksseele‹ - und wenn dem nicht so ist, dann wird es so gemacht.

von Christoph Jünke

I. »Man spricht von Dr. Agartz«

Die Mehrdeutigkeit der Überschrift war wahrscheinlich unbeabsichtigt, als die Süddeutsche Zeitung (SZ) im Februar 1955 ein längeres Porträt »aus einer sehr persönlichen Perspektive« veröffentlichte. »Man spricht von Dr. Agartz« titelte sie damals über den Mann, den sie als »Adenauers gefährlichste(n) Gegner« vorstellte und der doch nur der Leiter des Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) war.

Ein Gespräch mit dem Machiavelli-Biografen und Renaissance-Spezialisten Volker Reinhardt anlässlich des 500jährigen Jubiläums des Il Principe

Philippe Kellermann: Herr Reinhardt, Sie haben unlängst eine Machiavelli Biografie veröffentlicht und beschäftigen sich nun schon seit langen Jahren mit einer historischen Epoche, die gemeinhin unter dem Namen ›Renaissance‹ verhandelt wird. Worin besteht Ihrer Meinung nach die Faszination, die von dieser Epoche ausgeht?

von Katharina Kellmann

Am 1. November 2012 strahlte die ARD den Fernsehfilm »Rommel« aus. Im Mittelpunkt stehen die letzten Monate im Leben des Feldmarschalls. Erwin Rommel gehört auch heute noch zu den bekanntesten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Er scheint für viele immer noch den ›guten Deutschen‹ zu verkörpern, der sich bemühte, in einer Diktatur ›anständig‹ zu bleiben – auch in einer Führungsposition.

von Ulrich Siebgeber

Publikationen über den Alltag akademischer Lehre sind rar. Wer einmal studiert hat, glaubt ihn zu kennen, und die Lehrenden verfolgen, wenn sie sich zu Wort melden, in der Regel andere Zwecke. Das kann, angesichts der curricularen und modularen Vernetzung moderner Studiengänge, erstaunlich wirken, wenn man sieht, wie es im vorliegenden Fall gelingt, alles Lehrbuchartige zu vermeiden und die Leser teilhaben zu lassen an dem Rhythmus von Lehrvortrag, Aufgabenstellung und – studentischem – Ergebnis, der diesen Alltag nun einmal prägt.

von Lutz Götze

Reflexionen über die Zeit beherrschen das philosophische Denken wie auch das Regeln von Alltagsproblemen seit altersher (eine historische Darstellung dessen findet sich in Götze 2004, 2011). Freilich ist die Frage des Augustinus, was eigentlich Zeit sei, bis heute nicht beantwortet. Der Kirchenvater hatte geschrieben, er wisse zwar des Rätsels Lösung, könne sie aber nicht in Worte fassen und einem Anderen deshalb nicht erklären. Mit heutigen Worten hatte er damit auf den Unterschiede von deklarativem und prozeduralem Wissen hingewiesen.

Michael Sowa: Darf der Staat foltern?

von Michael Sowa / Ulrich Siebgeber

— Der Schäuble braucht keine CD, der hat ja uns.

 

[= Naturgeschichte der politischen Ideen (6)]

 

von Lutz Götze

Im Nachlass zum West-Östlichen Divan fasst Johann Wolfgang Goethe seine Vision eines friedlichen Neben- und Miteinanders des Ostens und Westens in die Worte:

Wer sich selbst und andre kennt
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen.

Sind sie es wirklich? Und, wenn ›Ja‹, warum gelingt es allenfalls in glücklichen Zeiten, also im kairós der griechischen Klassik?

von Nina Schneider

In kaum einem anderen Land der Welt war soziale Ungleichheit traditionell so kennzeichnend wie in Brasilien. Das Musterbeispiel für soziale Ungleichheit ist ein interessanter Ausgangspunkt, um aufzuzeigen, dass selbst historisch verwurzelte soziale Ungleichheit wandelbar ist und reduziert werden kann. Die sozialpolitischen Entwicklungen in Brasilien und Deutschland sind derzeitig gegenläufig; Brasilien war traditionell durch seine Geschichte und Finanzpolitik der sozialen Ungleichheit geprägt.

von Herbert Ammon

Es soll ›Rechte‹ geben, gewiss auch einige an der Dialektik des Fortschritts verzweifelnde ›Linke‹, die sich dem von globalisiertem Kauderenglisch durchsetzten Gebrauch des Internets als ›User‹, worunter im verständnisvollen Jargon von Streetworkern auch Heroinsüchtige fallen, verweigern. Wie diese Leute zurechtkommen, ist mir nicht klar. Vermutlich telefonieren sie stundenlang per Flatrate, wie´s alle machen, obenan das Liebestrio

von Herbert Ammon

I.

Jüngeren Zeitgenossen, den Nachgeborenen der deutschen Katastrophe, ist die preußisch-deutsche Geschichtstradition immer weniger gewärtig. Den Namen Moltke assoziieren sie vornehmlich mit dem Widerstandskämpfer Helmuth James von Moltke (1900-1945), mit dem »Kreisauer Kreis« sowie mit der 1996 im schlesischen Krzyżowa/Kreisau eingerichteten deutsch-polnischen Begegnungsstätte.

Welche Erinnerung, welche Empfindungen weckt hingegen das Standbild des Generalfeldmarschalls Moltke, neben Bismarck und Roon am Großen Stern mit der Siegessäule am Berliner Tiergarten? (Das Ensemble der Reichsgründung stand einst auf dem Königsplatz vor dem Reichstag. Es verdankt seinen heutigen Standort Hitlers Architekten Albert Speer.) Was fällt Jüngeren bei den mit den einst jedem geläufigen Namen Königgrätz, Sedan, Marne ein? Der Name Moltke?

von Jörg Büsching

I. Europa dankt ab – wovon?

Europe does not have a sense for the future anymore.
Martin Jacques

1. Von der Euphorie zur Dysphorie

Bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion war unstrittig, dass die Legitimität einer Gesellschaftsordnung sich vor allem an deren Fortschrittlichkeit, d. h. dem Grad der technisch-wissenschaftlichen Entwicklung sowie der darauf basierenden Verbesserung der allgemeinen materiellen Lebensbedingungen der Menschen ablesen lasse. Der nach dem Start des ersten von Menschen hergestellten Himmelskörpers, Sputnik 1, so genannte »Wettlauf der Systeme« bezog seine Attraktivität auf beiden Seiten des ideologischen Grabens zwischen West und Ost aus einer materialistischen Weltanschauung. Dieser Umstand wird von heutigen Marktromantikern, die den Zusammenbruch des Ostblocks allzu selbstherrlich als »Sieg des Westens«

von Christoph Jünke

 Das mythische Jahr 1968 war fast vorüber, da erschien Leo Koflers hier neu aufgelegte Schrift Perspektiven des revolutionären Humanismus im renommierten Rowohlt-Verlag. Doch einmal mehr hatte Kofler Pech mit einem seiner Bücher. Die in ihrem Zenit stehende außerparlamentarische Opposition konnte mit seinem politisch-theoretischen Pamphlet offensichtlich nur wenig anfangen, denn niemand sollte sich fortan auf dasselbe beziehen oder sich mit ihm nennenswert auseinandersetzen. Rezeptionsspuren sucht man vergeblich, sieht man von einer Handvoll von eher distanziert-kritischen Rezensionen im Feuilleton ab.

von Michel Husson

Der herrschenden Ökonomie ist es gelungen, die Idee, wonach die Flexibilität das beste Mittel zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit sei, in den Rang eines wirtschaftlichen Gesetzes zu erheben. Diese Behauptung ist schlicht und einfach falsch. Sie ist Teil eines langen Prozesses, der durch die Annahme von neoliberalen Empfehlungen gekennzeichnet ist und zugleich vom Niedergang des wirtschaftswissenschaftlichen Denkens zeugt.

von Peter Brandt

 Natürlich bedeutete das katastrophische Ende des Krieges im Frühjahr 1945, das zugleich die Befreiung von der NS-Diktatur brachte, keine »Stunde Null« im buchstäblichen Sinn. Das in einer gegebenen Gesellschaft materiell und menschlich (auch mental) Vorhandene wirkt stets weiter, selbst bei noch so radikalen Brüchen. Und der militärische Zusammenbruch des Dritten Reiches bedeutete einen der tiefsten Einschnitte in der deutschen Geschichte.

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.