…neulich im Einstein

 kam aus gegebenen Anlass wieder einmal jener tragisch-komische ›Deutsche 9. November‹ ins Gespräch und wie die ironische Clio unsere Erinnerungskombattanten beutelt. Wir Deutschen haben es auch hier natürlich wieder schwerer als andere Nationen – wir sind nicht wie andere einfach nur entweder Täter oder Opfer, sondern wir sind das eine und das andere zugleich und das auch noch doppelt. Das mach' uns einer nach! Da werden die deutschen Buchhalter der Erinnerung wohl noch manchen Bleistift bekauen…

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von Peter Brandt

Der badische Staatsminister von Bodman sprach 1910 in der Ersten Kammer des Großherzogtums von der Sozialdemokratie als einer »großartigen Arbeiterbewegung zur Befreiung des vierten Standes«, ein im wilhelminischen Deutschland vermutlich einmaliger Vorgang. Die SPD war damals zusammen mit den badischen Nationalliberalen in eine feste, semi-parlamentarische Regierungszusammenarbeit eingebunden (ohne selbst an der Regierung beteiligt zu sein), den sog. ›Großblock‹, der die Phantasie so mancher Zeitgenossen beflügelte: War es nicht möglich, so fragten sich Etliche, auf diesem Weg die innen- und verfassungspolitischen Blockaden des autoritär-konstitutionellen Systems im Deutschen Kaiserreich aufzuweichen? Ein Reformbündnis von Bassermann bis Bebel? Doch nicht diesen Gedanken will ich hier weiterspinnen.

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...neulich im Einstein

 las ich von jener grandiosen Wallenstein-Inszenierung Peter Steins und besorgte flugs die Tickets. Wir waren dann mittendrin in einem bemerkenswerten kulturellen Placebo-Unternehmen: In einer Brauerei (die keine ist) schäumt ein Krüppel (der keiner ist) den halben Tag lang über die Niedertracht der Welt. Für den Inhalt ist Schiller verantwortlich (das wollten wir ja hören), für das andere die Niedertracht der Welt (das allerdings wollten wir nicht sehen).

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