von Peter Brandt

›Globalisierung‹ ist inzwischen ein Allerweltswort, ein schillerndes außerdem. Seine Popularität weist aber darauf hin, dass mit diesem Terminus versucht wird, den weit verbreiteten Eindruck sprachlich einzufangen, die Menschheit sei in ein ganz neues Zeitalter der Herausbildung einer planetarischen Gesellschaft, einer ›Weltgesellschaft‹, eingetreten. Die Floskel, es gelte die ›Globalisierung zu gestalten‹, legt nahe, es handele sich um einen quasi selbstläufigen, gesellschaftspolitisch grundsätzlich neutralen und in mancher Hinsicht sogar progressiven Prozess, der eben nur in die richtigen Bahnen gelenkt werden müsse. Ich werde am Ende dieses Essays darauf zurückkommen.

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von Peter Brandt

 Wenn man die fast schon penetrante Fülle und Intensität von Veröffentlichungen zur 40. Wiederkehr von 1968 in den Medien auf sich wirken lässt, könnte man meinen, hier würde eines der wichtigsten Ereignisse der jüngeren deutschen Geschichte überhaupt gedacht, kurz hinter denen des ›Dritten Reiches‹. Doch weder die Demokratie noch die politische Linke und auch nicht die gesamtgesellschaftliche Modernisierung im nachfaschistischen Westdeutschland hatten um 1968 ihren Ausgang. Übrigens ebenso wenig, wie von konservativen Kritikern beklagt, Individualisierung und Wertewandel (oder wie man dort sagt: Werteverfall), Massenzuwanderung, Internationalisierung und Multikulturalität. Und doch sind sich Beteiligte und zeitgenössische Gegner, Publizisten und Fachwissenschaftler einig, dass ›1968 ‹ mental einen tiefen Traditionsbruch markiert, für den – nebenbei bemerkt – zehn Jahre danach, in den späten 70ern, noch das Jahr 1967 als Bezugspunkt diente.

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von Peter Brandt

 Am 18. Januar 1918 versammelten sich im St. Petersburger Taurischen Palais über siebenhundert frei gewählte Abgeordnete Russlands zur Eröffnung der Konstituierenden Versammlung. Bereits am nächsten Tag wurden sie von Roten Garden ausgesperrt; die Konstituante war aufgelöst.

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