Am letzten Mittwoch wurde in Bonn ein Kippa-tragender israelischer Professor, der zu einem Gastvortrag gekommen war, von einem 20jährigen Araber beleidigt und tätlich angegriffen. Der Täter hat palästinensische Wurzeln. Ist aber offensichtlich deutscher Staatsbürger. Er war schon vorher wegen Drogendelikten polizeilich aufgefallen. Die Eltern haben erklärt, ihr Sohn sei bisher nicht als radikal aufgefallen. Klar: Bei den meisten Arabern scheint der Antisemitismus zur normalen Grundausstattung zu gehören.

Es ist an der Zeit, die Möglichkeit der Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit, sofern sie nicht durch Geburt erworben wurde, bei bestimmten Straftaten ins Gesetz aufzunehmen. Es ist ferner an der Zeit, solche antisemitischen Vorfälle strenger zu ahnden. Ausländer sollten u.U. ihr Aufenthaltsrecht verlieren können – auch wenn sie Asyl ›genießen‹ oder Kriegsflüchtlinge sind.

Gewiss: Wir können und wollen nicht von jedem Zugewanderten verlangen, Israel und die Juden zu lieben. Aber wir können und müssen verlangen, dass sie sie respektieren. Und auch, dass sie unsere besonderen Verpflichtungen gegen über den Juden und dem Staat Israel akzeptieren und respektieren. Sonst haben sie hier nichts zu suchen. Wir müssen aus historischen gewachsenen Gründen einfach intoleranter sein als England oder Frankreich.

Interessant war an besagtem Vorfall auch, dass die rasch herbeigerufene Polizei zunächst Opfer und Täter verwechselte und erst mal den Professor festnahm.

Das Missverständnis wurde rasch aufgeklärt. Aber es ist – ohne den Polizisten einen Vorwurf zu machen – doch irgendwie unfreiwillig symptomatisch für das Verhalten zu vieler Deutscher zum Nahost-Konflikt: Die Opfer mit den Tätern zu verwechseln.

Schließlich noch ein innenpolitischer Faktor:
Der Prof. war zu einem Vortrag über die Bekämpfung des Terrorismus nach Bonn gekommen. Zuvor hatte die anti-israelische Bewegung BDS gegen den Vortrag protestiert und in einem öffentlichen Aufruf die Absage gefordert. Nach der Attacke beteuerte BDS, die Untat habe mit seinem Aufruf nichts zu tun. (Woher wollen die das so schnell wissen? Haben sie den Täter schon befragt?) Zugleich wiederholte BDS seine Kritik: Der Prof. sei Propagandist israelischer Politik. Also ist BDS offensichtlich dagegen, dass ein Israeli die Position seines Landes öffentlich begründet. BDS will auch hier Zustände einführen, die an englischen und amerikanischen Unis mittlerweile Alltag sind. Ihr seid mir schöne Demokraten!

Es ist schließlich höchste Zeit, sich mit BDS zu beschäftigen. Sicherlich kann er nicht verboten werden, solange er nicht zum Mord an Juden aufruft oder diesen begrüßt. So müssen wir also dulden, dass er ein Klima schafft, das zu solchen Taten führen kann. Doch nachhaltig gesellschaftlich ächten sollten wir diesen Verein und seine Protagonisten! Ach und gerade, wenn er in ev. Kirchengemeinden Anhänger hat.

Es ist an das bekannte Wort zu erinnern: »Der Antisemitismus verbirgt sich hinter dem Anti-Zionimus wie das Gewitter hinter der Wolke.«

Eichengrün Ernst

Ehemaliger SPD-Politiker, geb. 1934, 1967-69 Bundessekretär der Jusos. Von 1972 bis 1991 war er Leiter der Abteilung Politische Bildung im Gesamtdeutschen Institut, von 1982 bis 1991 dessen Vizepräsident.

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