Wer bisher nicht glaubte, dass es sich bei Jakob Augsteins Thesen, Sottisen und Clownerien um exzentrische Spielereien eines verwöhnten Millionärs-Sohn handele, sondern annahm, dahinter stecke doch ein harter Kern, der sieht sich jetzt aufs Schlimmste bestätigt:

In seiner neuesten Spiegel-Kolumne (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/einwanderung-ein-deutscher-traum-kolumne-a-1217379-druck.html) fordert er die weit offene Tür für alle Migrations-Willigen. Linkspartei und manche Grüne wird’s freuen. Doch er kann auch Realist: »... je mehr Einwanderer kommen, desto stärker gerät der Sozialstaat unter Druck«. Sein Rezept: »Entscheiden wir uns für die Einwanderung und für einen anderen Sozialstaat«.

Bei Millionen von Zuwanderern wäre das m.E. logischerweise das Ende des Sozialstaats. Das wird manche Grüne und Linksaußen dann schon nicht mehr freuen. Allenfalls solche unter deren Anhängern, die als volkserziehende Redakteure, beamtete Lehrer oder vom staatlich subventionierten Kulturbereich Profitierende den Sozialstaat weniger brauchen.

(Den logischen Fehler in seinem Vorschlag sieht Augstein freilich nicht: Ohne Sozialstaat wären wir für die Millionen nicht mehr attraktiv!)

Schließlich erhofft sich Augstein den »neuen Schmelztiegel, in dem Menschen aus Europa, dem nahem Osten und Afrika gemeinsam eine neue Nation erschaffen«. Gegen die Meinung, die Immigranten seien nicht zu integrieren, setzt er seinen »deutschen Traum«: »Es fehlt nur die Idee, um die Temperatur zu erzeugen, die nötig ist, das Fremde zum Eigenen zu machen«.

Das wiederum wird Grün und Linksaußen schmecken. Unser Land muss ja von Grund auf umgewälzt und erneuert werden – notfalls mit fremder Hilfe.

Da bleibt nur die Frage: Wer soll sich in wen integrieren? Und was für eine Temperatur? Sollen wir den Zuwanderern mit dem Fegefeuer drohen, oder müssen wir den Deutschen Feuer unterm Hintern machen, damit sie sich endlich ins Fremde integrieren? Sollte man dann aber für die Uneinsichtigen nicht wenigstens ein paar Reservate schaffen?

Man kann Augstein als irrelevant abtun. Verdient hätte er es. Aber man sollte besser seine Thesen als Scheidewasser für die Zuwanderer-Debatte nutzen: Grüne, Linksaußen und die vielen Zuwanderungs-Begeisterten sollten wir zwingen, zu Augsteins Intentionen eindeutig Stellung zu nehmen.

 

Eichengrün Ernst

Ehemaliger SPD-Politiker, geb. 1934, 1967-69 Bundessekretär der Jusos. Von 1972 bis 1991 war er Leiter der Abteilung Politische Bildung im Gesamtdeutschen Institut, von 1982 bis 1991 dessen Vizepräsident.

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