von Ulrich Siebgeber

Dieter Rudolf Knoell: Glassturm. Aphorismen, 104 S., Heidelberg (Manutius) 2005

Die Aphorismen von Knoell sind nett, sauber, knorrig. Sie haben auch Biss, und darauf kommt es an. Liebhaber der alten Rechtschreibung werden sich freuen: es ist der einzige Band der Edition Zeno, der die neue verschmäht. Nicht nur das, er schmäht sie auch. Und nicht zu knapp: die Sippschaft aus ehemals progressiver Sprachwissenschaft, Kultusbürokratie und lärmender Autorenschaft, die nur im Ausnahmefall weiß, worum es geht, macht den Verfasser ausgesprochen beredt. Ähnlich die SPD, der Kapitalismus, Helmut Kohl, Gott, die Kunst, die Frauen und die vergebliche Hoffnung aufs Nachleben. Ein pfiffiger Leser des FAZ-Süddeutsche-Zeit- etc.-Feuilletons und der Scharteken, die damit verkauft werden, er kennt seine Pappenheimer, weiß, sie sind nicht immer von Pappe, bisweilen auch aus Zwirn. Im globalen Dorf vermutet er das Potemkinsche, der Leser stimmt zu, die Leserin hoffentlich auch, obwohl das Buch hin und wieder einen Anflug von Misogynie zeitigt. Wer wirft den ersten Stein? Der Autor, wer sonst.

 

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