Zugegeben – keine sehr originelle Überschrift. Aber die aktuelle Diskussion über das Kreuz in bayerischen Amtsstuben ist das ja auch nicht. Mein Rat. Tiefer hängen! Nicht auf Söders Provokation reinfallen!

Das Ganze erinnert mich aber auch an den Missbrauch der Religion im Westdeutschland der 50er Jahre, als Union und katholische Kirche meinten, gemeinsam und aggressiv das »Abendland« vor der SPD retten zu müssen. Unklar, wer da wen instrumentalisierte. Heute ist das klarer.

Dazu eine Geschichte aus jenen Tagen:

Ein junger Sozialdemokrat kandidierte im Siegkreis, nahe Bonn, für den Bundestag. Als er in einem Dorf zu der Gaststätte ging, wohin er zu einer Wahlversammlung eingeladen hatte, fand er zu seiner Verblüffung vor dem Lokal den Ortspfarrer stehen. Es kam zu einem höflichen Gespräch. Aber nach einer Weile merkte er, dass Versammlungsbesucher, sobald sie näher gekommen waren und den Pfarrer sahen, schleunigst wieder umkehrten. Es war offenkundig, dass sie es vermeiden wollten, vom Pfarrer als Sozi-Sympathisanten erkannt zu werden.

Aber natürlich kann so ein Kreuz auch eine ganz andere Funktion haben, wie diese – vielleicht erfundene – Anekdote zeigt:

Ein türkischer Vater schickte seinen Sohn, der aus Faulheit schwach in Mathe war, auf eine andere, nämlich katholische, Schule, in der natürlich ein Kruzifix hing. O, Wunder, nach einiger Zeit wurde der Junge in Mathe besser. Als sein Vater ihn nach dem Grund fragte, antwortete dieser:

»Also, als ich ins Klassenzimmer kam, hing da ein Plus-Zeichen an der Wand. Darauf hatten sie einen jungen Mann angenagelt. Da merkte ich, die meinen es hier ernst mit der Mathematik und strengte mich dann sehr an.«

Eichengrün Ernst

Ehemaliger SPD-Politiker, geb. 1934, 1967-69 Bundessekretär der Jusos. Von 1972 bis 1991 war er Leiter der Abteilung Politische Bildung im Gesamtdeutschen Institut, von 1982 bis 1991 dessen Vizepräsident.

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