ARD und ZDF verletzen in ihren Hauptsendern immer öfter ihren Auftrag zur fairen Berichterstattung. Die skandalöse Behandlung der »Gemeinsamen Erklärung 2018« in »ttt« vor kurzem war ein besonders treffendes Beispiel. Kritik an der Flüchtlingspolitik wird gnadenlos in die rechte Ecke gestellt; selbst in den Talk-»Shows« wird die Energiewende nicht mehr problematisiert.

Wenn diese Sender sich immer mehr als Volkserzieher zum vermeintlichen richtigen Glauben verstehen, so wäre es doch am besten, sie deklarierten sich zur Erziehungsanstalt um, also zu einem Teil des Bildungswesens, vergleichbar etwa mit den Sonderschulen.

Unser Bildungswesen ist weitgehend kostenlos. So könnten die Sender in der Konsequenz auf ihre Gebühren verzichten. Wollen sie das nicht, so bliebe nur der Ausweg, Sich zu Kindergärten mit Sonderauftrag zu erklären, denn Kindergärten sind zumeist noch nicht umsonst.

Freilich gibt es noch ein weiteres Hindernis:

Seit dem »Beutelsbacher Konsens« von 1976 sind alle Bildungseinrichtungen dazu verpflichtet, kontroverse Themen kontrovers zu behandeln sowie auf Indoktrination und emotionale Überwältigung zu verzichten, um zur Mündigkeit des Bürgers beizutragen.

Das wird den Sendern also auch nicht gefallen.

Eichengrün Ernst

Ehemaliger SPD-Politiker, geb. 1934, 1967-69 Bundessekretär der Jusos. Von 1972 bis 1991 war er Leiter der Abteilung Politische Bildung im Gesamtdeutschen Institut, von 1982 bis 1991 dessen Vizepräsident.

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