von Ulrike Heitmüller

Zu Beginn der Weimarer Republik legte die verfassungsgebende Nationalversammlung das Ende des Staatskirchentums in der Reichsverfassung fest. Die bisherigen Staatskirchen gerieten dadurch in eine Krise, die Freikirchen dagegen

erlebten sich als Gewinner, denn mit der neuen Verfassung konnten sie gleichberechtigte Körperschaften werden (vgl. Voigt: 137). Ein interessantes Beispiel für die Entstehung einer Freikirche in dieser Zeit ist die »Freie evangelische Gemeinde Hamburg« des Predigers und Evangelisten Friedrich Heitmüller (1888 – 1965).

Heitmüller gründete in Hamburg zunächst eine innerkirchliche Gemeinde. Ab 1918 war er auch Direktor des dazugehörigen Stiftungswerkes. Beides wuchs beständig (Teil 1 dieses Aufsatzes). Er führte theologische und politische Auseinandersetzungen, im Jahr 1934 trat er aus der Landeskirche aus und gründete eine Freikirche, zu der sich 3.000 Menschen hielten (Teil 2). Später trat er mit dieser dem Bund Freier evangelischer Gemeinden bei. Heitmüller war bis zum Ende seines Lebens Leiter der Freien evangelischen Gemeinde Hamburg-Holstenwall und Direktor des diakonischen Werkes »Elim«. Ab 1954 war er außerdem Präsident des Internationalen Bundes Freier evangelischer Gemeinden, der heute etwa 460.000 Mitglieder hat.

Trotz der neuen Rechte und Möglichkeiten in der Weimarer Republik waren deutschnationale und antidemokratische Einstellung in Freikirchen verbreitet (vgl. Roßkopf). Auch Friedrich Heitmüller dachte so. Mehr noch: Im Jahr 1932 wurde er zum glühenden Anhänger des Nationalsozialismus. Er begann eine vielversprechende Karriere in der Partei, die im Jahr 1934 mit seinem Austritt aus der Landeskirche und der folgenden Anzeige durch Landesbischof Franz Tügel abrupt endete (vgl U. Heitmüller, anders Weyel I: 43). Erstaunlicherweise aber hatte Friedrich Heitmüller in der Weimarer Republik, vor allem 1931 und bis ins Jahr 1932 hinein, eindringlich vor dem Nationalsozialismus gewarnt (Teil 3).

ERSTER TEIL: GESCHICHTE

Übernahme und Konsolidierung der Philadelphiagemeinschaft und des Diakonischen Werkes

»Es waren Zeiten des Wurzelns in die Tiefe und Wachsens in die Breite, die wir damals erleben durften«, schrieb Friedrich Heitmüller im Jahr 1935, als er auf die Zeit der Weimarer Republik zurückblickte (Heitmüller 1935: 426). Später nannte er sie »Jahre angriffsfreudiger Evangelisation« (Ders. 1949/50: 47).
Man muss aber auch die Vorgeschichte kennen.
Friedrich Heitmüller stammte aus Völksen, einem kleinen Ort in der Nähe von Hannover. Sein Vater besaß dort mehrere Steinbrüche und Straßenbauunternehmen. Nach dem Realschulabschluss sollte er in das Geschäft einsteigen. Doch er ging nach Hamburg, um Beamter bei der Oberpostdirektion zu werden. Dort besuchte er den »Christlichen Verein Junger Männer« und die »Christliche Gemeinschaft Philadelphia«. Im Herbst 1908 hatte er auf einer Evangelisationsveranstaltung der Philadelphia-Gemeinschaft ein Bekehrungserlebnis (Heitmüller 1962: 11). Bald wollte er Pastor werden. Sein Vater verbot es ihm – bis er seinen Sohn predigen hörte. Damit war er überzeugt. Friedrich Heitmüller war damals 22 Jahre alt. Zwei Sommer arbeitete er bei einer Zeltmission, gut ein Jahr lernte er als Gasthörer am Predigerseminar St. Chrischona in der Schweiz. In dieser Zeit fragte ihn der Leiter der Hamburger Philadelphia-Gemeinschaft, Israel Johannes Rubanowitsch, ob er dort arbeiten möchte. Heitmüller sagte zu. Anfang 1912 zog er wieder nach Hamburg.

Die Zusammenarbeit mit Rubanowitsch funktionierte allerdings gar nicht. (Heitmüller 1935: 423 f., anders und wahrscheinlich korrekt Jung: 65 ff.) Noch im selben Jahr verließ Heitmüller die Gemeinschaft. Er war 24 Jahre alt, ungefähr 70 Mitglieder folgten ihm und er gründete die »Friedens-Gemeinde«. Sechs Jahre später allerdings, am 1. Oktober 1918, war Rubanowitsch erkrankt und trat als Leiter seiner Gemeinschaft zurück. Heitmüllers Gemeinde war inzwischen auf 300 Mitglieder angewachsen. Er wurde zu Rubanowitschs Nachfolger berufen. Zum 9. November 1918 kehrte er samt seiner Friedens-Gemeinde zur Christlichen Gemeinschaft Philadelphia zurück. Die Gemeinden schlossen sich zusammen, und damit wurde Friedrich Heitmüller an seinem 30. Geburtstag Leiter einer Gemeinde von wohl 1.600 Mitgliedern, außerdem Direktor eines Diakonissenhauses und mehrerer Siechenhäuser.
Das Werk wuchs: Der Gemeinde gehörten bald etwa 3.000 Menschen an. Heitmüller hielt Vorträge vor bis zu 6.000 Zuhörern. Auch außerhalb machte er Karriere, beispielsweise wurde er Vorsitzender der Evangelischen Allianz Hamburg und stellvertretender Vorsitzender des Gnadauer Verbandes Deutschland.
Auch das Stiftungswerk wuchs: Am 1. Januar 1921 wurde eine »kleine Krankenhausarbeit im Sinne der Privatkliniken« in der Straße Am Weiher 7 eröffnet. Das tue den Schwestern gut, schrieb Heitmüller im Jahr 1935: »Wie froh waren unsere Schwestern, als sie nun nicht nur Sieche zu Tode, sondern auch Kranke zum Leben pflegen durften!« (Heitmüller 1935: 426).

Zahlreiche Immobilien kamen dazu. Dies hatte die Stiftung einem Gönner zu verdanken, dem Hamburger Kaufmann Hugo Preuß. Einar Rimmerfors widmet ihm in seiner Heitmüller-Biographie ein kleines Kapitel (Rimmerfors: 60 - 64). Demnach lernten Heitmüller und Preuß einander zur Zeit des Ersten Weltkrieges kennen. Heitmüller hatte persönliche Beziehungen zur Familie von Hindenburg, und Preuß wollte über ihn zum Generalfeldmarschall Kontakt aufnehmen, um den U-Bootkrieg auszudehnen. Heitmüller lehnte ab, er sei Prediger und Seelsorger, dies sei unvereinbar. Daraufhin verloren die beiden einander erst einmal aus den Augen. Zehn Jahre später besuchte Preuß eine Evangelisationsveranstaltung in der Aula eines Gymnasiums – und spendete zunächst anonym 50.000 Reichsmark »für die Armen der Gemeinde von einem dankbaren Zuhörer«, wie Rimmerfors zitiert. Dann lud Preuß Heitmüller zu sich ein. Der wollte nämlich ein Gemeindehaus in Hamburg verkaufen, um ein Haus am Timmendorfer Strand als Erholungsheim für Diakonissen zu kaufen. Preuß hielt ihn davon ab, zu Inflationszeiten eine Immobilie zu verkaufen und bezahlte 90.000 Reichsmark für das Haus an der Ostsee. Später gab er 24.000 Reichsmark für eine Orgel, dann »ähnliche Gaben« für Kinderheime, Altenheime, Erholungshäuser und Gottesdienststätten. Er zahlte sogar 2 ¼ Millionen Goldmark für den Neubau des Krankenhauses Elim. Die Summe der Zuwendungen genau zu beziffern, ist allerdings schwierig, denn Rimmerfors´ und Heitmüllers Angaben stimmen nicht ganz überein (ebd.; Heitmüller 1949/50: 5 – 7).

Heitmüllers Antisemitismus in der Weimarer Republik

Friedrich Heitmüller hat über Jahrzehnte hinweg immer wieder antisemitische Positionen vertreten. (Zum Antisemitismus vgl. U. Heitmüller, dort auch weitere Literaturhinweise.) Zwar arbeitete im Krankenhaus Elim eine Schwester, wahrscheinlich Irma Levy, die vom Judentum zum Christentum übergetreten war, und der er später geholfen haben soll, ins Ausland zu fliehen. Aber: Friedrich Heitmüller hat mehrmals öffentlich erklärt, dass schon 1927 in seinem Krankenhaus kein jüdischer Arzt arbeiten dürfe. Mindestens vier Briefe und Schriften liegen vor, in denen er dies im Rückblick darlegt und sein Handeln verteidigt (Heitmüller 1933; 1934a; 1934b; 1947.) Heitmüllers Darstellungen widersprechen einander nur in Details: 1933 schrieb er von einem jüdischen Arzt »St.«, der inzwischen nach Palästina ausgewandert sei, und der auch für andere jüdische Ärzte gesprochen habe – wahrscheinlich handelte es sich um Alex Stiebel (vgl. Villiez). 1947 schrieb Heitmüller dagegen von einer »Abordnung jüdischer Ärzte«. Am ausführlichsten äußerte sich Heitmüller über jüdische Ärzte ausgerechnet nach dem Holocaust, im Jahr 1947 in einem Schreiben an die britische Militärregierung.

Dort heißt es zunächst: »Zur Judenfrage möchte ich Ihnen noch Folgendes sagen: Ich verstehe es durchaus, daß die Verbrechen am jüdischen Volk in Ihrer Beurteilung der Ihnen zur Entscheidung vorliegenden Fälle sehr schwer wiegen. Mit sehr vielen deutschen Menschen stehe ich darin genau so wie Sie, Die [sic] schweren Gerichte Gottes, die über unser Volk und Land ergehen, treffen uns nicht zuletzt deshalb so vernichtend, weil unser Volk sich an den Juden so unmenschlich-verbrecherisch versündigt hat.«
Wenige Zeilen später dann die Wendung: »In den Jahren 1920–1926, als wir in unserem Krankenhaus noch das System der freien Arztwahl hatten und jeder Arzt bei uns seine Patienten behandeln konnte, waren es jüdische Ärzte, die in der Hauptsache Schwangerschaftsunterbrechungen und Sterilisationen ohne jede Indikation vornahmen. Bei jeder Blinddarm- oder sonstigen Bauch-Operation nahmen sie auch eine Sterilisation vor. Und als wir unser jetziges Krankenhaus bauten, kam im Jahre 1926 eine Abordnung jüdischer Ärzte zu mir und stellte den Antrag, daß ihnen in unserem Krankenhaus eine Abteilung mit 80 Betten lediglich für Schwangerschaftsunterbrechungen und Sterilisationen zur Verfügung gestellt werden möchte. – Ich stelle darum nur eine Tatsache fest, wenn ich sage: Die Träger der Bewegung zur Ermordung des keimenden Lebens waren jüdische Ärzte in großer Zahl. Unter dieser Tatsache haben damals andere jüdische Arzte, die diese Tendenz im Blick auf das deutsche Volk verneinten, mit uns schwer gelitten.« (Heitmüller 1947)

Es ist unwahrscheinlich, dass sich dies so zugetragen hat. Ich fand jedenfalls weder in den Protokollen des Stiftungsvorstandes noch in denen des Brüderrats Belege. - Zudem verfügten Kranken- und Diakonissenhaus bei der Eröffnung über zusammen 332 Betten – es ist also unwahrscheinlich, dass ganze 80 Betten ausschließlich für Sterilisationen und Abtreibungen verlangt wurden. Insbesondere ist kaum denkbar, dass jüdische Arzte diese Eingriffe stets ohne Indikation durchführten und dass nur sie Abtreibungen vornehmen wollten. Dennoch hat die Geschichte vermutlich einen wahren Kern – in manchen Berichten erwähnt Heitmüller nämlich, dass er eine öffentliche Auseinandersetzung geführt habe. Auch der Zeitpunkt hätte zu einer solchen Anfrage gepasst: So wurde im Jahr 1926 der Abtreibungsparagraph gelockert, statt bis zu fünf Jahre Zuchthaus stand auf einen Schwangerschaftsabbruch nun eine Gefängnisstrafe; 1927 wurden Abbrüche aus medizinischen Gründen legalisiert. Es ist also durchaus möglich, dass Ärzte an den Krankenhausdirektor herangetreten waren, um Abtreibungen vornehmen zu dürfen. Doch selbst wenn seine Darstellung der Wahrheit entspräche: Heitmüller störte sich lediglich daran, dass die Juden angeblich das deutsche Volk ausrotten wollten.

In der Zeit der Weimarer Republik wuchsen und gediehen Gemeinde und Stiftung, es war für Friedrich Heitmüller eine Zeit relativer Ruhe und ohne politsche Bedrohungen. Seine Ansichten und Überzeugungen vertrat er freiwilllig, ohne finanzielle Not, und ohne Bedrohung durch eine Diktatur. Er machte Karriere, und auch im Privatleben schien es gut zu gehen: Heitmüller war jung verheiratet, das Ehepaar bekam vier Söhne. Allerdings überschattete eine Fehlgeburt das Familienleben. Vielleicht hat diese Erfahrung seine Einstellung zu Verhütung und Abtreibung beeinflusst. Aber dies ist eine Spekulation. Und selbst sie würde nicht erklären, warum er ausgerechnet jüdischen Ärzten unterstellte, mit Geburtenkontrolle und Abtreibungen die Deutschen ausrotten zu wollen.

ZWEITER TEIL: THEOLOGIE

Zeit des Wachsens und der Konsolidierung – Schärfung der theologischen Positionen

Die Evangelische Allianz ist eine Vereinigung evangelikaler Christen verschiedener Denominationen. Friedrich Heitmüller hatte, schon als er im Jahr 1912 nach Hamburg kam, ein Komitee der Evangelischen Allianz vorgefunden. Später wurde er Vorsitzender der Evangelischen Allianz Hamburg. Lange später erzählte er von Auseinandersetzungen mit ihr. Man merkt beim Lesen, dass ihn die Erinnerung auch nach einem Vierteljahrhundert noch sehr berührte. (Heitmüller 1949/50: 109 ff. Von hier stammen auch die folgenden Zitate.) Heitmüller schloss sich dem Komitee an und versuchte, dort seine theologischen Überzeugungen durchzusetzen. So wandte er sich scharf gegen die so genannte ›Mitternachts-Mission‹, ebenso wie gegen die Pfingstbewegung durch Emil Meyer von der Strandmission. Dieser wurde auf Heitmüllers Drängen hin sogar ausgeschlossen. Andererseits waren auch Heitmüller selbst und seine Gemeinde umstritten. So berichtet er von einem Flugblatt von 17 Mitgliedern des Allianz-Komitees gegen ihn.

Friedrich Heitmüller war im allgemeinen sehr fest von seinen Ansichten überzeugt. So schrieb er in diesem Zusammenhang: »Die außergewöhnliche Arbeitsfreudigkeit, die wir damals entfalteten, ließ den Satan nicht ruhen, bis er nicht nur unsere Feinde, sondern je und dann auch Brüder im Allianz-Komitee ins Feld gegen uns führte.« Und etwas später: »Und doch war ich erkenntnis- und gewissensmäßig gebunden, in folgerichtiger Ablehnung der Pfingstbewegung meinen Weg im Gegensatz zum Allianz-Komitee weiterzugehen.« Gelitten habe er trotzdem: »Jene Frühjahrs- und Sommermonate 1924 waren mit die schwerste Zeit in den vierzig Jahren meines Dienstes am Evangelium.«

Auseinandersetzung mit Kirche und Gemeinschaftsbewegung

Der Evangelische Gnadauer Gemeinschaftsverband ist heute die Dachorganisation der landeskirchlichen Gemeinschaftsbewegung in Deutschland, in Österreich und in den Niederlanden, also die Vereinigung der Evangelikalen innerhalb der Landeskirchen.
Ab 1918 gehörte Friedrich Heitmüller als Leiter der Hamburger Arbeit zur Mitgliederversammlung des Gnadauer Verbandes, von 1929 bis 1932 war er stellvertretender Vorsitzender. Während dieser Zeit kritisierte er die volkskirchliche Bestimmung und Bindung des Verbandes und forderte, dieser möge sich innerlich von der Kirche lösen. (Vgl. Diener 1998: 401–405; Lange 1979: 258–262.)

So deutlich wurde er vor allem gegen Ende der Weimarer Republik: Im Jahr 1931 veröffentlichte er Die Krisis der Gemeinschaftsbewegung. Ein Beitrag zu ihrer Überwindung, eine Broschüre, in der er seine Kritik am Verband neutestamentlich und kirchengeschichtlich zu begründen suchte. Im darauffolgenden Jahr schrieb er als Fortsetzung und Ergänzung Um die Spitze des Entschlusses. Eine »harte Rede« an Kirche und Gemeinschaft.
Man merkt die Verschärfung seiner Position schon, wenn man die Titel vergleicht: 1931 schrieb er noch von einer »Krisis« und wollte einen Beitrag zu ihrer Überwindung leisten. Im darauffolgenden Jahr hieß es schon »Entschluss«. - Und weitere zwei Jahre später sollte er seinen Entschluss denn auch fassen und umsetzen: In der Karwoche 1934 trat er aus der Kirche aus, um eine Freikirche zu gründen. Im Gnadauer Verband wäre er zwar gern geblieben. Aber weil er aus der Kirche ausgetreten war, musste er auch den Verband verlassen.

[Dieser Ablauf – erst Austritt aus der Kirche, dann Ausschluss aus dem Verband - geht aus einem Briefwechsel zwischen Heitmüller und dem damaligen Verbandsvorsitzenden Walter Michaelis hervor, der sich im Archiv des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes e.V. in Kassel befindet. Heitmüller jedoch stellt die Ereignisse später anders herum dar und der Großteil der freikirchlichen Literatur folgt ihm. Weil dies exemplarisch für Heitmüllers Vorgehen und seine Rezeption ist, hier eine ausführliche Darstellung. Friedrich Heitmüller schrieb am 31.03.1934 an Walter Michaelis, dass man aus der Reichskirche ausgetreten sei und diese Entscheidung am Vortag in der Gemeinde bekanntgegeben habe. »Es würde mir sehr schmerzlich sein, wenn unsere Entscheidung zur Scheidung von der Reichskirche auch zur äußeren Scheidung vom Gnadauer Verband und seinen Brüdern führen müßte.« Walter Michaelis antwortete ihm am 04.04.1934: »Ihr Austritt aus der Reichskirche und die Gründung einer freikirchlichen Freiwilligkeitsgemeinde mit der dadurch von selbst gegebenen Lösung vom Gnadauer Verbande ist schmerzlich wie alle die Stücke unserer Wegstrecke, wo Brüder wegen innerer Gegensätze ihre Arbeitsgemeinschaft, die sie lange mit einander hatten, auflösen. Trotzdem kann ich Ihrem Schritt nur zustimmen, da er Klarheit bringt. … Ob trotz Ihrer Lösung von der Kirche und damit auch von Gnadau eine Arbeitsgemeinschaft mit uns Gnadauern stattfinden kann über das Mass hinaus, das durch den  Begriff der Allianz umschrieben wird, muss die weitere Entwicklung zeigen, die sich ja vielleicht in einem raschen Tempo vollziehen wird. Auch auf getrennten Wegen wird es uns aber ein Anliegen sein, dem Sie ja schon Ausdruck gaben, wie bisher als Brüder zu einander zu stehen und von einander zu denken.«

Heitmüller stellte die Ereignisse später anders herum dar: Der Verband habe ihn wegen seiner Kritik aufgefordert, auszutreten, was er 1933 getan habe. Und im Jahr danach, 1934, sei er aus der Kirche ausgetreten. Die Begründung: Er, Heitmüller, habe mündlich (Halberstadt, Gnadauer Pfingstkonferenz, 1931) und schriftlich (Heitmüller 1931) die volkskirchliche Bestimmung und Bindung des Verbandes kritisiert, sowie schriftlich (ebd.) die Bindung der Kirche an den gott- und christusfeindlichen Staat: »Der damalige Gnadauer Vorstand unter seinem Vorsitzenden D. Walter Michaelis vermochte in meinem Ruf nicht das  ›Gebot der Stunde‹ zu verstehen. Er sah sich von Gott so geführt, daß Gnadau eine Gemeinschafts- und Evangelisationsbewegung innerhalb der Volkskirche sein und bleiben müsse. Mit dieser Entscheidung wurde mir auch der Austritt aus dem Gnadauer Verband nahegelegt. Und ich habe ihn vollzogen. Wahrhaftig nicht leichten Herzens! Nur selten ist mir ein Schritt so schwer geworden wie jener. Es war mir in meinem Schmerz eine gewisse Beruhigung, daß der Gnadauer Vorstand ihn von mir erwartete, um nicht zu sagen forderte. ... Unserm Austritt aus dem innerkirchlichen Gnadauer Verband im Sommer 1933 mußte zwangsläufig der Austritt aus der Volkskirche und der Anschluß an einen der bestehenden freikirchlichen Verbände folgen. Daß es bereits im Frühjahr 1934 geschah, hatte seine besonderen Gründe.« (Heitmüller 1949/50: 66 f.)

Warum stellte Heitmüller 15 Jahre danach die Ereignisse so anders dar, als sie geschehen sind? Er hat immer die Kirche kritisiert, aber was hatte er gegen den Verband außer dessen Bindung an die Kirche? - Eventuell entspringt die falsche Darstellung dem Wunsch, einen verlorenen Machtkampf, der in einem Hinauswurf gipfelte, im Nachhinein als Sieg darzustellen. Vielleicht hatte er 1934 gehofft, dass Michaelis, wenn der schon nicht auf seine mündliche und schriftliche Kritik reagierte, doch nun seinem Beispiel folgen und der Verband seine volkskirchliche Bindung lösen würde. Seine Hoffnung wurde wieder enttäuscht und er stand plötzlich allein dar. Für diesen Gedanken, eine Niederlage im Nachhinein als Sieg darzustellen, spricht auch, dass er im selben Atemzug behauptet, erstens, dass führende Brüder des Gnadauer Verbandes ihn in der Folgezeit gefragt hätten, ob er nicht zurückkehren möchte. Und zweitens, dass er häufig aufgefordert worden sei, »in letzter Zeit aus Kreisen jüngerer gläubiger Pastoren«, die beiden Broschüren, »die längst vergriffen bzw. seinerzeit von der Gestapo beschlagnahmt sind, neu herauszugeben.« Interessant in diesem Zusammenhang: »Unser damaliger Weg aus der innerkirchlichen Gemeinschaftsbewegung war Gottes Weg mit uns.« - Hier deutet er nicht nur eine Hinauswurf in einen Austritt um, sondern er behauptet auch, Gott habe ihn so geführt.
Ein Großteil freikirchlicher Autoren folgt in verschiedenen Varianten Heitmüllers Darstellung, etwa Betz (145 f): »Zunächst verließ die Christliche Gemeinschaft Hamburg-Holstenwall den  Gnadauer Verband … Dem … mußte zwangsläufig auch der Austritt aus der Landeskirche folgen«, Schröder: »Im Sommer 1933 löst sich die Christliche Gemeinschaft am Holstenwall aus dem Gnadauer Verband« und Weyel I: 42: »Die Christliche Gemeinschaft Hamburg-Holstenwall trat im Sommer 1933 aus dem Gnadauer Verband aus. Ihm folgte im Frühjahr 1934 der Austritt aus der Landeskirche, da auch die Gemeinden der Bekennenden Kirche ›an dem volkskirchlichen Prinzip und System‹ festhielten und deshalb keine Alternative böten.« Hansel probiert eine Erklärung, die den Widerspruch bei Heitmüller glätten könnte: Er meint, dass Heitmüller  ›Verband‹ und  ›Vorstand‹ verwechselt habe, dass Heitmüller also 1933 den Vorstand des Verbandes, 1934 die Landeskirche und daraufhin auch den Verband selbst verlassen habe (Hansel: 18, bes. Fußnote 4). Hansels These ist allerdings kaum nachvollziehbar: Erstens verwendet Heitmüller (1949/50: 66) ein ein- und demselben Absatz beide Worte korrekt, was eine Verwechslung unwahrscheinlich macht. Zweitens schreibt er in einem Absatz (ebd.), dass er aus dem »Verband« ausgetreten sei und im darauffolgenden Absatz (ebd.: 66 f.), dass er in der Folgezeit sehr oft gefragt worden sei, ob er den damaligen Schritt nicht bereue und infolgedessen »in die Gnadauer  Gemeinschaftsbewegung« zurückzukehren bereit sei. Drittens schreibt er (ebd.: 67): »›Unserm‹ Austritt aus dem innerkirchlichen Gnadauer ›Verband‹ im ›Sommer 1933‹...« Viertens legt der Briefwechsel mit Michaelis Hansels Version nicht nahe. Meyer schreibt ähnlich wie Hansel, »Aus dem ›engeren Vorstand‹ trat Heitmüller im Sommer 1933 aus« (ebd.: 55), und verweist (Fußnote 197) auf ein Zitat bei Heitmüller. Aber an der bezeichneten Stelle (Heitmüller 1949/50: 66 f.) schreibt Heitmüller nichts von einem »engeren Vorstand«. Dies legt nahe, dass Meyer diese Idee von Hansel übernommen hat, ohne diesen jedoch korrekt zu zitieren. Dann hätte Meyer plagiiert – und auch noch einen Fehler.]

Wie kam es zum Streit mit dem Gemeinschaftsverband?

Zwei Aufgaben, so Heitmüller, habe man dem Volk gegenüber: Evangelisation und Gemeinschaftspflege. (Heitmüller 1949/50: 47) Diese Aufgaben prägten Heitmüllers gesamtes Arbeitsleben. - Noch heute reden viele Menschen, mit denen ich gesprochen habe, tief beeindruckt von seinen Evangelisationen. Er hatte in der Zeltmission begonnen, während der Weimarer Republik sprach er regelmäßig in den Aulen der höheren Schulen, während der Kar- oder der Bußtagswoche in Sagebiels Sälen an der Drehbahn – dort, so erzählt man noch heute, ohne Mikrophon vor 6.000 Zuhörern. Dort wurde er gelegentlich durch, wie er schrieb, »kommunistische Gruppen«, »marxistische politische Linksparteien« oder auch durch einige »ernstzunehmende hamburgische Pastoren« (ebd.: 4) angegriffen. Seiner Darstellung nach gab es zwei Gründe dafür: Zunächst halte er keine gesetzlichen Umkehrpredigten, sondern bezeuge den »neutestamentlichen Ruf zur Bekehrung und zum Glauben« (ebd.: 52). Außerdem schließe man die Erweckten und Bekehrten zu Gemeinschaften zusammen, anstatt sie »der Pflege des zuständigen Pfarrers zu überlassen.« (Ebd.: 51.) Dazu schrieb er: »Evangelisation ohne anschließende Seelenführung und Seelenpflege unter dem Worte Gottes in einer biblischen Gemeinde ist Geburtshilfe ohne nachfolgende Pflege des Kindes.« (Ebd.: 63.) Und der Kirche traute er diese Kinderpflege – meist - nicht zu.

Heitmüller erklärte seine Einstellung gegenüber der Kirche mit dem Beispiel seiner eigenen Geschichte: »Von Haus aus war ich nach väterlicher und mütterlicher Weise gut kirchlich, und zwar im Sinne des Luthertums. Luthers Katechismus und die Ordnungen der lutherischen Kirche waren in mir lebendig. Aber ich gehöre zu den Millionen in unserem Volke, an denen die Kirche – um mit einem Worte Adolf Schlatters zu sprechen! - wie eine ›Rabenmutter‹ gehandelt hat, und zwar insofern, als sie mich nicht geleitet und genährt und mir nicht zur Entscheidung für Christus und seine Nachfolge geholfen hat, sondern mich durch die Duldung der gott- und christusfeindlichen liberalen Theologie auf ihren Kanzeln zur Verneinung und Verwerfung der Gottheit Christi und der Göttlichkeit der Bibel zu verführen suchte.« (Heitmüller 1935: 429 f.)
Das ist harter Tobak: Seiner Ansicht nach wolle die Kirche ihre Mitglieder zum Unglauben verführen, und die liberale Theologie sei gott- und christusfeindlich.

In der Krisis der Gemeinschaftsbewegung begründete er dies: Die Kirche leide unter einer »großen Not …, (denn sie war) infolge ihrer herrschenden Sakramentslehre zur angriffsfreudigen Evangelisation und zur siegesfreudigen Verkündigung der Heiligung unwillig und unfähig« (Heitmüller 1931: 14).
Heitmüller glaubte, dass diese »Not« auf Luther zurückkgehe und auf die Orientierung der Kirche am Reformator. Mit dem jungen Luther war er einverstanden, den älteren unterschied er davon und kritisierte ihn heftigst: »Dieses hell leuchtende, anziehende Bild des jungen reformatorischen Luther hat vom Jahre 1522 an eine zunehmende Verdunkelung erfahren, und zwar auf fast allen Gebieten und in fast jeder Beziehung.« (Ebd. 182.) So habe der in zunehmenden Maße die Gemeinde Gottes verfolgt, habe sich gegen Karlstadt und die Schwärmer, gegen Schwenckfeld und die Täufer gewandt. Schließlich habe er sogar »die Anwendung der Todesstrawider alle Ketzer, die seiner Lehre widersprachen, in aller Form als richtig anerkannt und gutgeheißen.« (Ebd. 184 ff.) Zweitens habe Luther in Hinblick auf den Bauernaufstand versagt. Der junge reformatorische Luther habe zwar immer die Rechtfertigung durch den Glauben verkündigt, sehr viel weniger aber die Heiligung. Damit verbunden sei seine Ermahnung zum Frieden zu spät gekommen, und vor allem: »Luther und die mit ihm verbundenen Träger der jungen Reformationsbewegung haben sich dieser Pflicht der Lösung der akuten sozialen Frage in ihren Tagen entzogen und sich schließlich auf die Seite der Fürsten und gegen die leibeigenen Bauern gestellt.« (Ebd. 193 f.) »Ein drittes Versagen großen Stils« habe 1520 in Luthers Leben begonnen. Da habe er in der Schrift Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche im Kapitel »Von dem Sakrament der Ehe« offen ausgesprochen, dass unter gegebenen Umständen und Verhältnissen schon verheirateten Gemeindegliedern eine heimliche Nebenehe gestattet werden könne. Dies Versagen habe sich vollendet, als Luther »zusammen mit Melanchthon dem Landgrafen Philipp von Hessen die Erlaubnis zu einer heimlichen Doppelehe gab.« (Ebd. 200.)

Die Kirche aber wolle zu Luther zurück. Und bedürfe daher »der Ergänzung durch eine Evangelisations- und Gemeinschaftsbewegung. Ob das heute noch wie ehedem die deutsche Gemeinschaftsbewegung sein kann oder nicht, das ist die andere Frage«. (Ebd.: 17.)
Zwar habe Gott der deutschen Gemeinschaftsbewegung einen besonderen Auftrag erteilt: Nämlich »den inneren, durch die Reformation und den Pietismus überlieferten Besitz an Schrifterkenntnis und geistlichen Lebensmöglichkeiten lebendiger und tiefer zu erfassen, die Heilsgewißheit auf Grund der Rechtfertigung durch den Glauben auf den Leuchter zu stellen und das aus der Rechtfertigung hervorwachsende Heiligungsleben des Überwindens der Macht der Sünde, als im Bereich der Glaubensmöglichkeiten liegend, siegesfreudig zu verkündigen.« (Ebd.: 13.) Und wenn diese »Not« der Kirche überwunden ist, dann hat die Gemeinschaftsbewegung ihren Gottesauftrag erfüllt – und dann ist »ihre Zeit vorbei«. (Ebd.: 14.)

Aber: Vorerst stand die Gemeinschaftsbewegung nach Heitmüllers Auffassung in einer »Krisis« (Ebd. 206), »an gefährlichem Abgrund« (Ebd. 177): »Die Kirchenleitungen, die verfassunggebenden Kirchenversammlungen und nicht zuletzt auch die damals verantwortlichen Führer der Gemeinschaftsbewegung haben in totaler Verkennung des Ernstes der Lage den Geist des Urchristentums verleugnet und den Geist des Mammons bejaht.« (Ebd. 93). Die Gemeinschaftsbewegung komme, so Heitmüller, ihrer Aufgabe nicht nach, sie lasse sich sogar von der Kirche einwickeln, und darin bestehe ihre Krisis (Ebd. 93).
Dies Buch hat großes Aufsehen erregt. Der spätere Hamburgische Landesbischof D. Theodor Knolle schrieb eine Serie in der Halbmonatsschrift Das evangelische Hamburg, die im Jahr 1933 als knapp 50-seitige Broschüre erschien.

Knolle warf Heitmüller vor allem mangelnde Sachkenntnis vor. So habe dieser nur zweimal die Weimarer Ausgabe, oder den Reformator überhaupt falsch zitiert. Er habe nicht differenziert, außerdem einseitige und überholte Literatur ausgewählt, und Zitate von Wissenschaftlern verfälscht. - Knolle seinerseits ging sehr korrekt mit Literatur um, so etwa nannte er Seitenzahlen und erlaubte dadurch, Zitate nachzuprüfen. Inhaltlich entgegnete er Heitmüller, in dem er Luther in seinen historischen Kontext stellte oder Heitmüller mit Luther selbst widerlegte. Er nannte etwa Luthers Verhalten gegenüber Philipp von Hessen »Irren und Fehlgreifen« (Knolle 1933: 44) und zitierte andererseits zahlreiche Beispiele für eine, wie er schrieb, an Gottes Wort ausgerichtete Wertung des Ehestandes. Und wo Heitmüller der Kirche vorwarf, dass sie sich zu sehr an Luther orientiere, nannte Knolle Wissenschaftler, die Luther durchaus kritisieren. Ferner habe Luther Philipp die Nebenehe nur deswegen gestattet hat, weil Philipp behauptet hatte, er würde sonst körperlich und seelisch zugrunde gehen. Kurz: Der ältere Luther sei nicht von den reformatorischen Zielen seiner Frühzeit abgefallen. Knolle, überzeugter Lutheraner: »Man muß sich schon für oder wider den ganzen Luther entscheiden.« (Ebd. 47.)

Heitmüller antwortete wiederum auf Knolle mit einem offenen Brief. (Heitmüller 1932 b) Knolle hatte Heitmüller etwa vorgeworfen, Luther falsch zu zitieren. Um das zu beweisen, hatte er ein vollständiges Zitat aus der Weimarer Ausgabe abgedruckt und dabei Heitmüllers Weglassungen gekennzeichnet (Knolle: 7 f.). Dies konnte Heitmüller nicht widerlegen - und schob die Schuld auf sein Sekretariat. Andere Vorwürfe Knolles bestritt er eher pauschal, so schrieb er etwa: »Ich verzichte darauf, auf alles das einzugehen, was Sie unternommen haben, um den Nachweis dafür zu bringen, daß Luther von Anfang bis zu Ende eine reformatorische Persönlichkeit sei. Menschen, die unter einem psychologischen Zwang stehen, sind schwer zu überführen.«
Heitmüller hat diesen Brief in seiner Halbmonatsschrift In Jesu Dienst veröffentlicht. Also handelte es sich bei seiner avisierten Leserschaft vor allem um Menschen, die sich zu seiner Gemeinde hielten. Dies legt den Schluss nahe, dass er seine Gemeinde nicht informieren, sondern – hart gesagt – manipulieren wollte, indem er ihr eine sachliche Auseinandersetzung vorenthielt und Andersdenkende herabsetzte. So viel zur Auseinandersetzung um Luther. In einem gab Knolle Heitmüller jedoch recht: »Friedrich Heitmüller hat in durchaus richtiger Erkenntnis der großen Zusammenhänge ›die Krisis der Gemeinschaftsbewegung‹ als eine organische Folge der religiösen ›Gesamtkrisis der Gegenwart‹ angesprochen«. (Knolle: 5)

Heitmüller rieb sich weiter an der Krisis. Nicht mal ein Jahr später veröffentlichte er ein zweites, schmaleres, Buch: Um die Spitze des Entschlusses. Im Rückblick schrieb er: »In meiner Broschüre ... bemühte ich mich, die Kirche, deren mitverantwortliches Glied ich war, aus der Bindung an den gott- und christusfeindlichen Staat heraus auf den Weg der ›Freiwilligkeits- und Gemeindekirche‹ zu rufen und der Gemeinschaftsbewegung, deren zweiter Vorsitzender ich inzwischen geworden war, zu sagen, daß die ›innere Lösung‹ von der Kirche, die Wittekindt auf der Gnadauer Pfingstkonferenz des Jahres 1920 als notwendig empfohlen hatte, das Gebot der Stunde sei.« (Heitmüller 1949/50: 66)
Gott- und christusfeindlicher Staat - diese Broschüre ist deutlich politischer als die Krisis der Gemeinschaftsbewegung. Dies führt uns zur Auseinandersetzung Heitmüllers mit Staat und Politik.

DRITTER TEIL: STAAT UND POLITIK

Blick auf Politik und Soziales

Friedrich Heitmüller hat politische und soziale Entwircklungen beobachtet und bewertet. So berichtete er (ebd.: 134 ff.), dass er sich schon als Schuljunge für Politik interessiert habe. Er sei national-liberal erzogen worden, daneben aber durch die Arbeiter seines Vaters auf den Marxismus gestoßen. Nach seiner Bekehrung habe er für Marxismus und Sozialdemokratie nichts mehr übrig gehabt. Einige Jahre habe er sich dann nur um Evangelisation gekümmert. Als Direktor eines Kranken- und Diakonissenhauses habe er dann gemerkt, dass er das Wohlwollen des Staates und der Behörden brauche. Außerdem fürchtete er den, wie er schrieb, »bolschewistischen Kommunismus«. Da begann er, sich für den Christlich-Sozialen Volksdienst zu engagieren, eine konservative protestantische Partei, die von 1929 bis 1933 existierte.

Liest man Heitmüller heute, fällt zunächst ein ausgeprägter Nationalismus auf, ebenso wie eine radikale Ablehnung der Demokratie. Das war eine zumindest zu Beginn der Weimarer Republik recht verbreitete Auffassung, auch im Bund Freier evangelischer Gemeinden (vgl. Roßkopf). Er nannte den 9. November 1918 einen Tag »der verbrecherischen marxistisch-sozialistischen Revolution!« (Heitmüller 1935: 426.) In seinen Medien wie etwa dem Halbmonatsblatt In Jesu Dienst griff er regelmäßig politische und soziale Themen auf, dies sollte er auch später beibehalten – ebenso wie seine sehr konservativen Ansichten. So schrieb er noch in den 1950er Jahren, welche Parteien man als Christ in die Hamburger Bürgerschaft wählen könne und welche besser nicht – die SPD etwa fand er sehr bedenklich. (Ders.: 1953.)

Heitmüllers politische Ansichten fanden ihren direkten Niederschlag in seiner Arbeit als Prediger und Stiftungsdirektor. So beschrieb er in seinem Rückblick im Jahr 1935 (Heitmüller 1935: 428) die Mitarbeiterkonferenz des Werkes, die aus 19 Brüdern und 28 Schwestern bestand und die sich jeden Donnerstag Vormittag »zu ernster Bibelarbeit und eingehender Arbeitsbesprechung am Holstenwall versammelt. Welchen Reichtum an Gaben des Geistes dieser Arbeitskreis in sich schließt, das kann nur der ermessen, der das Vorrecht hat, zu ihm zu gehören und in ihm zu stehen.« Aber – es gab zwar eine Konferenz, doch er war der Chef. Und das war von Gott so gewollt, und niemand hatte dran zu rütteln: So hat, fuhr er fort, im Werk »von Anfang an das Führerprinzip in seiner biblischen Begrenzung gegolten. Die liberalistische Demokratie hat nie unter uns Raum gehabt. Und es kann unsern Brüdern im Vorstand und Brüderrat gar nicht hoch genug angerechnet werden, daß sie das Führerprinzip in all den vielen Jahren unseres gemeinsamen Dienstes als einen göttlichen und biblischen Grundsatz gewollt und bejaht haben.« (Ebd.: 429.)

Wie beeinflusst der Staat das »Reich Gottes«?

Die wichtigste Frage für Heitmüller bei der Auseinandersetzung mit Staat und Politik war allerdings die religiöse Fragestellung. Unter diesem Gesichtspunkt war Heitmüller zunächst ein scharfer Gegner der nationalsozialistischen Bewegung. So schrieb er Anfang 1932: »Die nahe Zukunft wird sowohl die Kirche als auch die Gemeinschaftsbewegung vor ernste Entscheidungen stellen. … Die Feinde der Kirche in den links- und rechtsradikalen politischen Gruppen unseres Volkes sind gerade jetzt im Begriff, der Kirche den Stoß zu versetzen, der sie vernichtend treffen soll. … Aber auch der faschistische Nationalsozialismus wird die Krisis innerhalb der Kirche und Gemeinschaftsbewegung beschleunigen und zur Entscheidung bringen. Denn auch der Nationalsozialismus hat an der Kirche als dem ›Propheten Gottes und Christi‹ keinerlei Interesse. Er will und stützt sie nur insofern und insoweit, als sie ihm eine willige Helferin zur Verwirklichung seiner nationalsozialistischen politischen Grundsätze und Aufgaben, also ein politisches Machtinstrument ist. Wir erinnern uns an die diesbezüglichen Vorgänge zwischen dem Faschismus und der katholischen Kirche in Italien, die für uns in Deutschland außerordentlich lehrreich sind.« (Heitmüller 1932c: 181.)

Hiermit machte Heitmüller sich Feinde: Gut einen Monat später stand ein vierspaltiger Artikel im Hamburger Tageblatt (Anonym 1932): »Eine Abrechnung mit Herrn Heitmüller – ›In Jesu Dienst‹ - Verdrehungen, Unwahrheiten, Fälschungen.« Der Autor, der anonym blieb, sprach Friedrich Heitmüller direkt an. Er nannte im Titel Heitmüllers Artikel im Blatt In Jesu Dienst, bezog sich aber auf mehrere Passagen, die gar nicht hier standen, sondern in der Broschüre Um die Spitze des Entschlusses (Heitmüller 1932a: 29-32). Wahrscheinlich verschwieg er die Broschüre, um deren Verkaufszahlen nicht zu steigern: Wohl aus demselben Grund nannte er auch nicht die genaue Ausgabe der Halbmonatsschrift, ebensowenig die Überschrift des betreffenden Artikels.
Der Autor bezeichnete Heitmüllers Artikel als »übles Machwerk« und behauptet, dass er „die unglaublichsten Entstellungen der nationalsozialistischen Weltanschauung in die Welt hinausposaunt.« Der Autor verweist Heitmüller auf das NSDAP-Programm, das „volle Religions- und Gewissensfreiheit verspricht, ...(den) besonderen Schutz der christlichen Glaubensbekenntnisse fordert und zusagt, und … Glaubenslehren, die dem deutschen Sittlichkeitsgefühl zuwiderlaufen und deren Inhalt staats- und volkszerstörenden Charakter trägt«, unterdrücke und fernhalte. „Es kann nicht genug betont werden, daß der NSDAP nichts ferner liegt, als die christliche Religion und ihre würdigen Diener anzugreifen.« Hitler sei es ernst mit den Dogmen und dem Glauben, Heitmüller habe einzelne Worte Hitlers aus dem Zusammenhang gerissen. Üble Nachrede und Entstellungen »werden wir bekämpfen bis aufs Blut.«

Dieser Artikel im Tageblatt zeigt, dass die NSDAP um Christen warb. Und dass Heitmüller anfangs durchaus wach für – manche – Gefahren des Nationalsozialismus war. Und: Sein Angriff hat gesessen. Aber: Er wollte zwar nicht, dass der Nationalsozialismus die Gemeinden Gottes beeinflusse, mit seinen politischen Zielen jedoch war er grundsätzlich einverstanden. Dies wird besonders in der Broschüre Um die Spitze des Entschlusses (Heitmüller 1932a) deutlich. Vier Seiten handeln vom Nationalsozialismus.


[Da die Schrift nur schwierig zu erhalten ist, hier einige Schlüsselstellen: »Der Kirche der nachapostolischen Zeit ist schließlich die römische Staatspolitik zum Verhängnis geworden. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, dann wird der Kirche und der Gemeinschaftsbewegung eine neue verhängnisvolle politische Bindung bereitet ... vom Nationalsozialismus, (Fußnote mit Verweis auf eine Untersuchung von Richard Karwehl) der sich in seinem siegreichen Vordringen bereits die Köpfe und Herzen vieler (sic) innerhalb der kirchlichen und der gemeinschaftlichen Kreise erobert hat. Damit jedes Mißverständnis von vornherein ausgeschlossen sei, betonen wir mit stärkstem Nachdruck, daß wir uns von Herzen freuen über den nationalsozialistischen Willen zum Volk und Vaterland und über den Kampf um Deutschlands Freiheit und Reinheit. Wir sagen hier kein Wort gegen das Programm des Nationalsozialismus, soweit es sich in den Linien des rein Politischen hält. Nun aber ist der Nationalsozialismus nicht nur eine geistige Bewegung, auch nicht nur eine politische Partei, sondern ein geschichtlicher Vorgang ›von starker naturhafter Gewalt‹ und vor allen Dingen eine ›religiöse‹ Weltanschauung, die mit radikaler Entschiedenheit den ganzen Menschen erfaßt, die kein einziges Gebiet des persönlichen und öffentlichen Lebens unberührt läßt. Das alles beherrschende Grundgesetz in dieser Weltanschauung ist der Rassengedanke. Der Glaube an die arische und besonders an die germanische Rasse tritt geradezu an die Stelle des Glaubens an Gott. Im Mittelpunkt der Weltanschauung des Nationalsozialismus steht also nicht Gott in Jesus Christus, sondern der Mensch und letzten Endes der arische Mensch, weil er und nur er ›das Wunder des gütigen Schöpfers‹ ist. Das, was der Nationalsozialismus ›Gott‹ nennt, ist eine absolut bedeutungslose Größe, ein toter Götze … Die nationalsozialistische Weltanschauung lehnt mit dem lebendigen Gott der Offenbarung auch Jesus Christus als den Versöhner und Erlöser der Welt und Menschheit ab. Jesus ist im Rahmen der Weltanschauung des Nationalsozialismus nur das Idealbild des arischen Menschen, ein nordisches Heldenideal. … Gibt es einen noch wuchtigeren Faustschlag in des blutbefleckte Angesicht des gekreuzigten Heilandes als diese wohl überlegten Formulierungen des nationalsozialistischen Führers Hitler? Aber nicht nur als der Versöhner wird Jesus verworfen, sondern auch als der wiederkommende Erlöser und Vollender des Heilsratschlusses Gottes, und zwar sowohl als der Messias des jüdischen Volkes als auch als der Heiland und Herr der ganzen Welt.« (Ebd.: 29 f.)

Heitmüller schloss aus den nationalsozialistischen Anschauungen, dass es eine Irreführung sei, wenn Hitler oder das Parteiprogramm aussagten, dass die Dogmen der Kirche unangetastet bleiben sollten. Aber er hält es doch für möglich, dass die Bewegung aufrichtig und kritikfähig sei: »Deshalb muß vom Nationalsozialismus gefordert werden, daß er ganzen Ernst macht mit seinem Bekenntnis zum positiven Christentum … und daß er infolgedessen seine grundstürzend falschen Denkvoraussetzungen preisgibt. (Wenn nicht,) … dann muß von ihm erwartet werden, daß er sein Bekenntnis zum ›positiven Christentum‹ und zu den ›Dogmen der Kirche‹ fallen läßt. Religiöse Falschmünzerei aus politischen Nützlichkeitsgründen muß entlarvt und verurteilt werden.« (Ebd.: 31) Nationalsozialismus sei »ein Neuheidentum, das bereits begonnen hat, die entscheidenden christlichen Wahrheiten und Lehren, die es im Grunde ablehnt, zu zersetzen und unter der Hand zu verwandeln. Wenn Kirche und Gemeinschaft jetzt nicht auf der Hut sind, dann werden sie denselben Weg gehen, den schließlich die Kirche der nachapostolischen Zeit in ihrem Hunger nach Macht und staatlicher Anerkennung ging, als sie dem staatspolitischen Zugriff Konstantins erlag.« (Ebd.: 31.) Und weiter: »Die Gemeinde Jesu Christi als solche spricht mit Tertullian: ›Nichts liegt uns ferner als Politik.‹ … Wohl respektiert sie den Staat als die von Gott gesetzte vornehmste Ordnung der Welt, aber in ihrem innersten Sein und Wesen entzieht sie sich seiner Bevormundung und seinem irgendwie gearteten Eingriff.« (Ebd..: 32.) »Möge (auch er) der Nationalsozialismus zum Scheitern verurteilt sein!« (Ebd.)]


Hier warnte Heitmüller noch vor den den Lügen und Gefahren; höchstens ein Jahr später erlag er ihnen. Heitmüller hat manche Gefahren also früh erkannt, zwei Erklärungen liegen nahe für seinen Schwenk vom Gegner zum Anhänger: Entweder glaubte er wirklich, den Nationalsozialismus reformieren zu können. Oder er erhoffte durch den Nationalsozialismus einen Machtgewinn für sich selbst. Einiges davon kündigte jedoch schon an, dass er zum Anhänger der Bewegung werde sollte.


[Anders die Rezeption in der Freien evangelischen Gemeinde: So Betz 1993 (173, 176): »Schon um die Jahreswende 1931/1932 hatte er (Heitmüller) seine Grundanschauungen dazu mutig veröffenlicht – und er ist im wesentlichen davon auch nie abgegangen.« Betz sieht nicht die Ankündigung, dass Heitmüller den Lügen und Gefahren erliegen sollte. Im Gegenteil: »Die Linienführung ist unverkennbar. Der Nationalsozialismus als politische Idee und staatsgestaltende Kraft wird, auf den säkularen Bereich beschränkt, ziemlich positiv bewertet. Der Nationalsozialismus als völkische Ideologie wird konsequent als Gottlosigkeit abgelehnt und verworfen. Und die heimliche Hoffnung ist und bleibt in der ersten Hälfte der dreißiger Jahre, daß die großen Werte vom positiven Christentum, für das der Nationalsozialismus eintrete, doch Inhalt und Gestalt gewönnen.« Ähnlich Meyer 2004 (46): »Das erstaunlich klare Urteil überrascht im Kontext der pro-nationalsozialistischen Äußerungen Heitmüllers ab März 1933. Zwar sind die vaterländischen Sympathien schon 1930 (sic) unüberhörbar, aber die wesentlich bestimmenden Grundanschauungen des deutschen Faschismus: Antisemitismus, Klassenhass, völkische Religion, politischer Messianismus und vor allem der religionspolitische Täuschungskurs der NSDAP, werden hier schon enttarnt.«]


So kritisierte Heitmüller zwar den Rassismus, aber er lobte den »nationalsozialistischen Willen zum Volk und Vaterland und ... den Kampf um Deutschlands Freiheit und Reinheit«. Später äußerte er sich denn auch ausgesprochen rassistisch, etwa in dem Buch Sieben Reden eines Christen und Nationalsozialisten.
Und er schrieb, Jesus sei sowohl der »Messias des jüdischen Volkes als auch der Heiland und Herr der ganzen Welt.« Man kann die Unterscheidung zwischen Juden und dem Rest der Welt so verstehen, dass sie sich bloß darauf bezieht, dass er im Alten Testament den Messias angekündigt fand. Man kann hier aber auch seinen Antisemitismus angedeutet finden, den er schon 1927 mit der Abweisung jüdischer Ärzte gezeigt hatte und den er später in mehreren Schriften ausführen sollte.

Anderes kündigte sich 1932 noch nicht an – hier sollte Heitmüller tatsächlich eine Kehrtwendung hinlegen: So kritisierte zwar die »religiöse Weltanschauung, die mit radikaler Entschiedenheit den ganzen Menschen erfaßt, die kein einziges Gebiet des persönlichen und öffentlichen Lebens unberührt läßt«. Aber später besuchte er selber mindestens einen Parteitag der NSDAP in Nürnberg, außerdem predigte er im Braunhemd. Er ließ sein persönliches und öffentliches Leben also durchaus erfassen.
Und er warnte zwar vor religiöser »Falschmünzerei aus politischen Nützlichkeitsgründen« – aber er hielt bald Reden vor Ortsgruppen der NSDAP, wurde Mitglied bei den Deutschen Christen, stellte einen Aufnahmeantrag für die NSDAP und wollte Gauleiter in Hamburg werden: Er war nützlich und ließ sich gern einspannen.
Schließlich wurde Heitmüller denn auch vom Kritiker zum Befürworter der nationalsozialistischen Bewegung. Nach dem Krieg erklärte er seinen Sinneswandel: Er ließ sich überzeugen, als Hitler Glaubens- und Gewissensfreiheit sowie Schutz für das Christentum versprach, als soziale Hilfen eingeführt und Prostitution, Abtreibung und »entartete Kunst« kriminalisiert wurden. (Heitmüller 1946: 3; Vgl. auch Ders. 1949/50: 136 ff.)

SCHLUSS

Für Friedrich Heitmüller bedeutete die Weimarer Republik eine Zwischenzeit, eine Zeit der äußeren Ruhe und Konsolidierung. Gemeinde und Stiftung wuchsen, er schärfte seine theologischen Positionen und bereitete den Austritt aus der Kirche vor. Er begann, sich in politische Fragen einzumischen und wurde von einem scheinbaren Gegner zu einem glühenden Anhänger des Nationalsozialismus.
Leider kann ich diesen Text nicht damit abschließen, dass mein Großvater bald wieder zu einem wahren Gegner dieser Bewegung wurde: Als Heitmüller aus der Landeskirche austrat, erstattete der damalige Landesbischof Tügel Anzeige gegen ihn. Damit (anders Weyel I: 43) war Heitmüllers Karriere in der Partei vorbei, bevor sie richtig angefangen hatte, und er begann, unter Repressalien zu leiden. Trotzdem schrieb er noch längere Zeit sehr nationalsozialistische Texte. Selbst beschlagnahmte und verbotene Broschüren (Vgl. Personalakte der Reichsschrifttumskammer) lesen sich führerfreundlich und antisemitisch. Und antisemitische Positionen vertrat er selbst nach dem Krieg.

Anmerkungen zum Text

Bei diesem Text handelt es sich um die für GlobKult leicht überarbeitete Fassung eines Vortrags, gehalten beim Frühjahrssymposium des Vereins für Freikirchenforschung zum Thema »Die Freikirchen in der Weimarer Republik« am 1. April 2011. Er soll auch im Jahrbuch 21/2012 des Vereins für Freikirchenforschung  erscheinen (vgl. http://www.freikirchenforschung.de/pages/publikationen/publikationen.php).
Friedrich Heitmüller war mein Großvater. Meine Eltern gehörten zu seiner Freikirche – ich früher auch – und sie erzogen mich in dem Glauben, er sei nach einer kurzen Phase des Irrtums zum Gegner des nationalsozialistischen Regimes geworden. Auch seine Gemeinde hält ihn vor allem für einen streitbaren Evangelisten und Nazi-Gegner, und die Öffentlichkeit als Verfolgten des Nationalsozialismus und Freund der Juden in Erinnerung: Die London Times bezeichnet ihn in ihrem Nachruf (Anonym 1965) als einen der bemerkenswertesten Männer Deutschlands. Die zweimalige Wendung um 180 Grad wird oftmals verschwiegen. Darum soll zumindest ein Teil hier erzählt werden.
Heitmüller hob in seinen Schriften zahlreiche Passagen durch Sperrung, Kursiv-, Fettdruck oder Unterstreichungen hervor. Es sind so viele, dass sie in kurzen Zitaten eher Verwirrung als Sinn stiften, daher wird auf ihre Wiedergabe durchweg verzichtet.

Literatur

Anonym 1932: Eine Abrechnung mit Herrn Heitmüller – »In Jesu Dienst« – Verdrehungen, Unwahrheiten, Fälschungen. In: Hamburger Tageblatt, 03.02.1932, S. 3. Das Blatt war die Zeitung der NSDAP und erschien zuerst im Jahr 1931.

Anonym 1965: Herr F. Heitmüller, London Times, 24. April 1965.

Ulrich Betz 1993: Leuchtfeuer und Oase, Witten.

Walter Diener 1998: Kurshalten in stürmischer Zeit: Walter Michaelis (1866-1953); ein Leben für Kirche und Gemeinschaftsbewegung, Gießen.

Michael Hansel 1989: Friedrich Heitmüllers Austritt aus der Evangelisch-lutherischen Kirche im Hamburgischen Staate im Jahre 1934, Freie Universität Norddeutschland, Abschlussarbeit.

Friedrich Heitmüller 1922: Christliche Gemeinschaft »Philadelphia« Hamburg, Hamburg.

Ders. 1931: Die Krisis der Gemeinschaftsbewegung. Ein Beitrag zu ihrer Überwindung. Hamburg.

Ders. 1932a: Um die Spitze des Entschlusses. Eine »harte« Rede an Kirche und Gemeinschaft. Hamburg.

Ders. 1932b: Offener Brief an Herrn Hauptpastor D. Knolle, Hamburg. In: In Jesu Dienst, 11. Jahrgang Nr. 11, 01. März 1932, S. 333–336.

Ders. 1932c: Ein Wort zur gegenwärtigen Lage in Kirche und Gemeinschaftsbewegung. In: In Jesu Dienst, 11. Jahrgang Nr. 7, 01.01.1932, S. 181–183.

Ders. 1933: Betrifft: Die Judenfrage. In: In Jesu Dienst, 12. Jahrgang Nr. 17, 1. Juni 1933, S. 540–542.

Ders. 1934a: Offener Brief an den damaligen Hamburgischen Landesbischof Franz Tügel, wahrscheinlich vom 1. Mai 1934. Beilage zu: In Jesu Dienst 13. Jahrgang Nr. 15, 01. Mai 1934.

Ders. 1934b, Schreiben an die Gesundheits- und Fürsorgebehörde vom19. Oktober 1934, STA HH, 352–3 Medizinalkollegium, Bd. 1; I H. 5 xx Elim, Bl. 69–81.

Ders. 1935: 25 Jahre Dienst am Evangelium Gottes von Jesus Christus, in: In Jesu Dienst, 14. Jahrgang Nr. 16, 15.Mai 1935, S. 418–433.

Ders. 1946: Die Stellung der Christen zum Nationalsozialismus, Hamburg, 1. 1.1946, S. 3, Staatsarchiv Hamburg (STA HH), 221–11 Staatskommissar für die Entnazifizierung und Kategorisierung, Ed 9038.

Ders. 1947: Brief an die britische Militärregierung vom 28. Januar 1947, STA HH, 221–11 Staatskommissar für die Entnazifizierung und Kategorisierung, Ed 9038.

Ders. 1949/50: Aus vierzig Jahren Dienst am Evangelium, Witten.

Ders. 1953: Liebe Freunde! In: Mitteilungsblatt der Freien evangelischen Gemeinde in Hamburg, 3. Jahrgang Nr. 8, August 1953.

Ders. 1962: 50 Jahre Dienst am Evangelium in Hamburg. In: Das feste prophetische Wort 12. Jahrgang Heft 1, Januar 1962, S. 1–17.

Ulrike Heitmüller 2010: Mein Großvater, der Antisemit: Prediger Friedrich Heitmüller. In: Wolfgang Benz (Hg.): Jahrbuch für Antisemitismusforschung Band 19, S. 178-196, Berlin.

August Jung 2005: Israel Johannes Rubanowitsch, Judenchrist – Evangelist – KZ-Opfer, Witten.

D. Theodor Knolle 1933: Luther – eine Gefahr für uns? Reihe: Beiträge und Forschungen zur Kirchengeschichte Hamburgs, Hamburg. Zu kirchlichen Hintergründen der Entstehung dieser Schrift siehe: Rahe 2004.

Dieter Lange 1979: Eine Bewegung bricht sich Bahn. Die deutschen Gemeinschaften im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert und ihre Stellung zu Kirche, Theologie und Pfingstbewegung, Berlin.

Bastian Meyer 2004. Friedrich Heitmüllers Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus im Kontext seiner Zeit und seine Stellung zur Schuldfrage, Gießen (Abschlussarbeit).

Konrad Rahe (Hg.) 2004: Die Briefe von Julius Hahn an Heinz Harten 1931-1937, Kiel. Online unter: http://www.kirche-christen-juden.org/dokumentation/download/rahe-harten.doc (Abruf 22.03.2011).

Einar Rimmerfors 1965: Von der Post zur Kanzel. Leben und Werk Friedrich Heitmüllers, Witten 1984. Schwedische Originalausgabe: Mannen fran stenbrottet, Schweden 1965.

Susi Roßkopf 2003: Die Freien evangelischen Gemeinden im Systemwechsel 1917-1923, Karlsruhe (Magisterarbeit).

Michael Schröder 2002: Friedrich Heitmüller und der Weg der Christlichen Gemeinschaft Hamburg am Holstenwall. Überarbeitetes Vortragsmanuskript, in: Freikirchenforschung Bd. 12: Freikirchen und Gemeinschaftsbewegung; Evangelisation, herausgegeben vom Verein für Freikirchenforschung, Münster, S. 71–89.

Anna von Villiez 2009: Mit aller Kraft verdrängt. Entrechtung und Verfolgung »nicht arischer« Ärzte in Hamburg 1933 bis 1945, München.

Karl Heinz Voigt 2004: Freikirchen in Deutschland (19. und 20. Jahrhundert). Kirchengeschichte in Einzeldarstellungen III/6, Leipzig.

Hartmut Weyel 2011: Zur Klärung der Fronten. Friedrich Heitmüller (1888–1965), Pastor und Direktor, Evangelist und Publizist. Teil I: Christsein Heute 8/2011, S. 40–43. Teil II: Christsein Heute 9/2011, S. 58–61.

Archive

Archiv des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes e.V., Kassel: »Sehr verehrter Herr Pastor! In Christo lieber Bruder!«, Friedrich Heitmüller an Walter Michaelis, Brief vom 31.03.1934; »Lieber Bruder Heitmüller!«, Walter Michaelis an Friedrich Heitmüller, Brief vom 04.04.1934.

Archiv der FeG »Hamburg-Holstenwall«: Michaelispassage 1, 20459 Hamburg: Protokollbücher des Brüderrats und des Stiftungsvorstandes.

Bundesarchiv: Personalakte der Reichsschrifttumskammer, Bundesarchiv Berlin/BArch (ehem. BDC), RK/RSK II, Heitmüller, Friedrich, 9. 11. 1888.

Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH): Sammlung Heitmüller, Friedrich – Kopien/Abschriften Entnazifizierungsakte, 1.2/H.

Staatsarchiv Hamburg (STA HH): 352–3 Medizinalkollegium, Bd. 1; I H. 5 xx Elim.

Ebd.: 221–11 Staatskommissar für die Entnazifizierung und Kategorisierung, Ed 9038.

 

Bild: Mitarbeiterkonferenz des Werkes »Elim«, 1927 (Archiv »Hamburg-Holstenwall«)

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