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Ulrich Schödlbauer lehrte bis 2015 als Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der FernUniversität in Hagen. Er schreibt Gedichte, Prosa, Essays. Netzprojekte: Die versiegelte Welt und Das Alphazet. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen auf den Gebieten der Kultur- und Kunsttheorie. Er ist Herausgeber des Jahrbuchs für europäische Prozesse Iablis.

Wikipedia-Eintrag

Last Supper. By Wojtek Mejor (last supper) [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

von Ulrich Schödlbauer

Kardinal ist, wer hin und wieder einen kardinalen Satz auszusprechen wagt. Ein solcher Satz des Münchner Kardinals und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, wird – wenn er ihn denn gesagt hat – im kulturellen Gedächtnis haften bleiben: Da könnte man auch fragen, ob der Atheismus zu Deutschland gehört. In diesen Tagen, in denen sich die Deutschen alles Mögliche anhören müssen, kommt der Satz wie gerufen, weil er einen Wendepunkt in der Geschichte der Konfessionen in Deutschland (und im ›christlichen Abendland‹ insgesamt) in Erinnerung bringt…

Weiterlesen ... Katholische Versuchung: Genug ist nicht genug

By JanManu (Own work) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

von Ulrich Schödlbauer

1929 schrieb Walter Benjamin, der zur Pythia des Gedankenbetriebs in den Siebziger Jahren aufstieg, den wenig belastbaren Satz: »Links hatte noch alles sich zu enträtseln«. Er wurde, vermutlich des Rätselcharakters wegen, vom Buchtitel rasch zum geflügelten Motto. Links, hieß das, standen die Deutungswege noch offen, anders als auf der politischen Rechten, die, zu Recht oder Unrecht, niemals zögerte, die jahrtausendealten Herkunftslinien des Christentums und des griechisch-römischen Denkens auf sich zu beziehen und somit zu wissen. So betrachtet, entsprach der Satz einer Welt vor dem Faschismus und seinem deutschen Ableger, dem Nationalsozialismus, die offenkundig den Bogen Europas überspannten: Als ihre sinistren Reiche zerbarsten, zerbrach, ein wenig zeitversetzt, auch das Gehäuse des ›abendländisch‹ genannten Geistes und es begann, erst zögernd und voller Hoffnung, im Westen des Erdteils die Reihe der Versuche, ›im europäischen Geist‹ zu einem neuen, ökonomisch motivierten Miteinander und schließlich zu einem politischen Körper zu gelangen, ohne dem Geist im Detail weiter nachzufragen.

Weiterlesen ... Rechts hatte noch alles sich zu enträtseln

von Ulrich Schödlbauer

Zweifellos zählt Merkels Grenzöffnung vom 4. September 2015 zu den Wendemarken der deutschen, der europäischen und wohl auch der Geschichte des Westens insgesamt – mit Fernwirkungen weit ins Gefüge nichtwestlicher Gesellschaften hinein. Wie bei symbolischen Daten üblich, wirkt sie wie ein Brennglas für Ereignisse und Ereignisfolgen, die bereits unterwegs waren, so wie sie selbst Grund und Folge solcher Ereignisse war: am 23. Juni 2016 stimmten 51,89 Prozent der britischen Wähler angesichts der als chaotisch wahrgenommenen ›Flüchtlingswoge‹ für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union, der dann am am 29. März 2017 durch eine schriftliche Mitteilung seitens der Regierung May an den Europäischen Rat rechtlich wirksam in die Wege geleitet wurde. Im Oktober 2015 begann mit der Entsendung polnischer Grenzbeamter nach Ungarn die gemeinsame Grenzpolitik der Visegrád-Gruppe, die zu weitergehenden Zerwürfnissen innerhalb der EU führte, am 8. November 2016 wurde Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt.

Weiterlesen ... Eva Quistorp, Richard Schröder und Gunter Weißgerber: Weltoffenes Deutschland? Zehn Thesen, die...