Garganelli: Die Audienz

– Setzen Sie dieses Land unter Strom. Ich weiß, Sie können das.
– Und wie?
– Mit Ihrer Person, mein Freund.
– Was ist das?
– Sie haben doch einen Personalausweis. Diese kleine Karte mit einem Kopf drauf. Oder nicht?
– Sicher.
– Sehen Sie: dieser Kopf!
– Ja?
– Ich will ihn an jedem Kiosk sehen, zwei-, drei, fünfmal. Im Fernsehen. Im Internet. In Überlebensgröße.
– Das ist mein Kopf.
– Jetzt nicht mehr. Ich wette auf Ihren Fuß, dass Sie bald nicht mehr wissen, wo er Ihnen steht.
– Wo steht er denn?
– In meiner Schuld.
– Ich bin reich.
– Das denke ich mir. Umso höher die Schuld. Tragen Sie sie ab! Was bist du? Nichts. Was ist dein Land? Alles. Was ist dein Land?
– Weiß nicht. Also wenn ich entscheiden sollte –
– Hier wird nicht entschieden. Hier wird gehandelt.
– Womit?
– Nicht frech werden. Alles zu seiner Zeit. Wie heißt die Parole?
– Rassimus.
– Lauter!
– Ich verstehe nicht –
– Lauter!
– Rassismus. Ich hätte da eine Frage.
– Ja, mein Freund?
– Was ist das?
– Ich hätte da eine Antwort.
– Endlich. Ich bin erleichtert.
– Erst treten, dann nachtreten. Abtreten.

von Lucius Garganelli / Ulrich Siebgeber 

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Mag sein, das Volk ist eine irrationale Größe. Doch daraus auf die Rationalität der Eliten zu schließen wäre, sagen wir ... nicht in Ordnung.

Und doch, man geht wie auf Strickleitern durch Ihre Texte. Immer mit einem Anflug von Höhenangst. Das strengt ganz schön an.
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