Siebgeber/Garganelli: Watts Broder

– Unglaublich. Der Broder hat einen Preis bekommen.
– Wieso unglaublich? Davon hat der doch sicher einen ganzen Schrank voll.
– Aber nicht für, ich zitiere: »rassistisch begründete, menschenverachtende Äußerungen«.
– Das war jetzt ein ziemlich dämlicher Scherz.
– Nanana. Der Kreisvorstand der Cuxhavener Grünen…
– Ach der.
– … besorgte Otterndorfer BürgerInnen…
– Ach die.
– Bringt dich eigentlich nichts aus der Fassung?
– Nicht aus dieser Ecke. In Deutschland werden Literaturpreise von Leuten verliehen, die nichts von Literatur verstehen, anschließend wird die Vergabe von Leuten kritisiert, die sie gar nicht erst lesen. Was vielleicht auch besser ist. Ich meine jetzt: für beide Seiten.
– Sagtest du Literatur? Woher weißt du…?
– Du schreibst was Politisches und sie quietschen: Literatur! Du schreibst was Literarisches und sie brüllen: Politik! Da sie von beidem keine Ahnung haben, kommt es ungefähr auf dasselbe heraus.
– Sag mal, dieser Max Broder, ist der nicht 1968…
– Irrtum. Der hieß Brod.
– Auch das noch. Man sollte alle Preise verbieten, dann hat sichs mit der Literatur.

 

von Lucius Garganelli / Ulrich Siebgeber   

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Mag sein, das Volk ist eine irrationale Größe. Doch daraus auf die Rationalität der Eliten zu schließen wäre, sagen wir ... nicht in Ordnung.

Und doch, man geht wie auf Strickleitern durch Ihre Texte. Immer mit einem Anflug von Höhenangst. Das strengt ganz schön an.
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Ulrich Siebgeber: Der Stand des Vergessens

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