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Marina Newcastle upon Tyne

von Christoph Jünke

Im Jahre 2006 erinnerte Arno Klönne in einem kleinen Zeitungsartikel an den hundertsten Geburtstag von Wolfgang Abendroth und pries dabei dessen politisch-intellektuellen Charakter. Abendroth sei ein linker Politikanalytiker in der Tradition der klassischen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung gewesen, der die Entschiedenheit in der antikapitalistisch-sozialistischen Sache mit einem freundlichen Umgang ebenso mischte wie die Schärfe des politischen Geistes mit der Ablehnung jeder Effekthascherei. Abendroth habe Theorie und Praxis nicht auseinander gerissen und politische Wirksamkeit in Gewerkschaften, Parteien und sozialen Bewegungen mit der Mitarbeit in publizistischen Projekten und linken Kleingruppen verbunden. Er habe dabei beschränkte Sichtweisen ebenso kritisiert wie Scheinradikalität, und wollte die Bürokratisierung linker Organisationsformen ebenso überwinden wie die rechthaberische Isolation im gesellschaftlichen Gegen-Ghetto. Ein solcher Politikanalytiker, so Klönne vor nun einem Jahrzehnt, sei der deutschen Linken zu wünschen, doch leider gebe es ihn nicht.

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Ehrengrab Willy Brandt

von Gunter Weißgerber

Am 8. Oktober 1992 starb mit Willy Brandt ein wahrhaft großer Deutscher, Europäer und Sozialdemokrat. Diese Aufzählungsabfolge ist mir wichtig, verantwortungsvollen Politikern muss immer das Wohlergehen des gesamten Landes wichtiger sein, denn das Wohlergehen der eigenen Partei. Je näher beides zusammenkommt, desto besser ist es auch für die eigene Partei. Eingedenk des Wissens, vier Jahre sind die Parteien am Zuge, am Wahlabend ist es die Wahlbevölkerung – wie eine unauflösbare Schicksalsgemeinschaft halt so funktioniert.

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Trauer

von Peter Brandt

Am 22. April dieses Jahres verstarb in seinem zweiten Heimatland Dänemark der Historiker, Kultur- und Sportsoziologe mit auch ethnologischer Kompetenz Henning Eichberg, in den letzten Jahren verschiedentlich Globkult-Autor; er wurde 74 Jahre alt. Ich habe ihn um 1980 zum ersten Mal persönlich getroffen und hatte daran gedacht, ihn im jetzigen Sommer auf dem Weg nach Norwegen – nach langen Jahren – zuhause zu besuchen. Wir standen über die Jahrzehnte in Kontakt: Bücher, Sonderdrucke, später in elektronischer Form, gingen hin und her.