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von Kay Schweigmann-Greve

Allein schon die Wahl des Themas für dieses Heft ist verdienstvoll. Selten werden die sozialistischen Strömungen des Zionismus wahr- und ernst genommen. Hier werden sie zum Schwerpunkt des ganzen Heftes gemacht. Jüdische wie nichtjüdische Sozialisten des 19. Und 20. Jahrhunderts hatten ganz überwiegend ein ambivalentes Verhältnis zum Judentum. Während der Einsatz für jüdische Emanzipation und bürgerliche Gleichberechtigung selbstverständlich war und auch eine Mehrheit den Antisemitismus verabscheute, findet sich Sympathie für Projekte jüdischer Selbstbehauptung fast nirgends.

La Reunion lagoon dsc00240.jpg
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von Ulrich Schödlbauer

»In diesem Moment machte ich zwei Fotos. Das erste Foto war Abasse, wie er mich als ein blutig geschlagener Clown verwirrt ansah. Das zweite Foto war Abasse, wie ihn eine Faust im Gesicht traf.« Eine Personverdoppelung in zwei Sätzen, die wie ein missing link die Person dazwischen erraten lässt, ein Schemen, ergänzt aus Eigenem, ergänzt durch Material aus einer anderen Welt, einer Welt, in der es gewalttätig zugeht, auch wenn kein Blut fließt und gerade keine Fresse poliert wird, weil die Interessen ein scheinbar gesitteteres Verhalten nahelegen. Dagegen setzt der Erzähler den grünen Raum von Saint Leu, eine Strecke inmitten der Brandung, nur dem Surfer zugänglich, der am Strand von La Réunion seine Künste spielen lässt.

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Schwarzsemiotik eingebettet in Sozialkommunikation

von Milutin Michael Nickl

Ein mit hundert Abbildungen treffsicher illustriertes Sachbuch zur europäisch-mediterranen Kommunikations- und Symbolikgeschichte der Farbe Schwarz (Farbcode: #000000); auf glattem, weißem Premiumpapier mit optimaler Farbbrillanz gedruckt, säurefrei und alterungsbeständig, wie im Impressum notiert. Eine schöne Edition und eine faszinierende Fleißarbeit. Ihr Autor, 1947 in Paris geborener Mediävist, war Lehrstuhlinhaber für abendländische Symbolikgeschichte (chaire d'histoire de la symbolique occidentale) an der Pariser Sorbonne. Dabei verwandtschaftsweitläufig gesehen mit günstiger Karriere-Ausgangsbasis beglückt: le petit-cousin de Claude Lévi-Strauss, le fils d'Henri Pastoureau, proche des surréalistes et le neveu d'Henri Dubief (historien) , wie auf fr.wikipedia nachzulesen ist. Fraglos ist Michel Pastoureau ein Big Shot auf seinem fächerverbindend kommunikationshistorischen Gebiet und durch zahlreiche, international renommierte Publikationen ausgewiesen. Nicht nur quantitativ dürften die auflagenstarken angloamerikanischen Parallel-Editionen schätzungsweise als die jeweils einflußreicheren anzusehen sein. Vom Autor eigenständig und souverän kompiliert, liefert das hier in Rede stehende Werk eine substanziell resümierende Summe zu historischen und prähistorischen Entwicklungsstadien und Tendenzen der Farbe Schwarz, eingebettet in Aspekte und Einstellungshaltungen zur Sozialgeschichte und Sozialkommunikation.