Lucius Garganelli: Corona

 

– Heute morgen erwachte ich schweißgebadet.
– Geht vielen so. Angstschweiß?
– Ich hatte einen schrecklichen Traum.
– Corona?
– Ja sicher. Sie stand direkt vor mir, streifte mich mit ihrem Pesthauch und donnerte… 

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Die Corona-Krise und auch ihre Folgen stecken voller Ungewissheiten. Das muss Spekulationen fördern. Auch, was ihre Auswirkungen auf das Individuum, die Wirtschaft, die Gesellschaft, wie auf Politik und Demokratie betreffen. Idealer Nährboden für die Fernseh-Philosophen, -Soziologen, und -Sozialpsychologen, vor allem für jene, die gerne durch kühne Thesen auffallen wollen. Mit dabei natürlich auch diejenigen, die mit der Just-in-time-Produktion und der Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten gleich die ganze Marktwirtschaft abschaffen wollen.

von Ernst Eichengrün »

von Markus C. Kerber

Der Held in Albert Camus’ großem Roman Die Pest von 1947, Dr. Bernard Rieux, sieht zunächst einige tote Ratten auf der Treppe eines Haus. Dann finden sich die Kadaver in größerer Zahl in der Gosse des Städtchens Oran. Schließlich häufen sich bestimmte fiebrige Erkrankungen bei den Einwohnern und der alerte Arzt macht alle seine Kräfte mobil.

Dieser verkürzte literarische Rückblick mag genügen, um klarzustellen: Bei Seuchen sollten Mediziner zu Wort kommen und nicht die Figuranten des Politikbetriebs mit einer überschaubaren akademischen Ausbildung.

Als der Bundesgesundheitsminister in der ZDF Talkshow am 30. 1. 2020 zu den bis dahin vier bekannten Corona-Fällen in Deutschland Stellung nahm, setzte er ganz und gar auf Wohlfühlpolitik. Obschon der Mediziner Johannes Wimmer die Möglichkeit bedrohlicher Szenarien qualifiziert darlegte und über den bislang unbekannten Charakter dieser viralen Lungenerkrankung berichtete, wollte Spahn nichts von einem Ausnahmezustand wissen. An der Grippe wären schließlich auch 50 Menschen gestorben...

Weiterlesen ... Der vermeidbare Ausnahmezustand. Gehört Jens Spahn auf die Anklagebank?

von Lutz Götze

Die Menschheit ist seit altersher von Seuchen versehrt worden. Im Gilgamesch-Epos aus dem 12. vorchristlichen Jahrhundert ist die Rede davon, in den Texten der hebräischen Bibel gleichermaßen. Interpretiert wurde das gemeinhin als Strafe der Götter für menschliches Fehlverhalten. In Genesis 6-9 wird von einer Sintflut berichtet, die 300 Tage gedauert haben soll. Der Volksmund hierzulande hat das Wort mit Sünde in Zusammenhang gebracht, was freilich falsch ist. Dieses Wort ging vielmehr aus dem Althochdeutschen sin(t)fluot hervor, das etwa mit ›immerwährende Überschwemmung‹ zu übersetzen wäre. Entkommen seien, so der Bibeltext, der Wasserflut nur wenige Gottgläubige und Gerechte, darunter Noah mit seiner Arche und den Tieren, die schließlich auf dem Berge Ararat im Osten der Türkei, nahe der armenischen Grenze, landeten und ein neues Geschlecht aufbauten. Umstritten ist unter Theologen, weshalb ein gütiger und allwissender Gott eine solche Strafe über die Menschen verhängen konnte. Verwiesen wird gemeinhin auf den biblischen Brudermord und andere Verbrechen, obendrein auf das lasterhafte Leben, von dem es 1. Buch Mose heißt: ›Sie nahmen sich zu Weibern, welche sie nur wollten‹. Andere Erklärungen gibt es zuhauf.

Weiterlesen ... Von Menschen und Seuchen

von Ulrich Schödlbauer

Ich entdeckte ihn in den Weiten von Youtube auf der Suche nach einem stillen Abendvortrag über die ewig ungelösten Rätsel des Weltalls. Er stand, in korrekter Sprecher-Haltung, die gleich den Profi verriet, vor einer mit Börsennachrichten gespickten Wand und seine Stimme klang unvergleichlich: hell, körnig, zuckend im Stakkato eines Maschinengewehrs und bis in die letzte Silbe hinein beherrscht – eigentlich müsste ich sie, in neuerer Sprache, ›durchherrscht‹ nennen, um der Erscheinung gerecht zu werden, doch das steht auf einem anderen Blatt und ich habe es gerade verlegt. Er nannte sich ›Mister X‹ oder dergleichen und gehörte zur Klasse der Börsengurus...

Weiterlesen ... Ausgangssperre fürs Gehirn. Kleine Typologie der Verwirrung