Steffen Dietzsch: Bannkreis

Das Einstein in der Kurfürstenstraße – mit Dependancen ›Unter den Linden‹ und in der Friedrichstraße – ist das schönste und legendärste Caféhaus Wiener Prägung in Berlin. Man findet dort die tägliche Weltpresse ebenso wie Leute ›von Welt‹ (oder solche, die sich dafür halten): ›Monde‹ & ›Demi-Monde‹ reichlich, glücklich vereint. Dort auch sitzt der Flaneur, trifft sich mit Leuten, mit denen er beruflich zu tun hat, liest Zeitung, sieht schönen Frauen nach, unterhält sich über Ausstellungen, Theater etc. Die Kolumne von Steffen Dietzsch, Bannkreis, versammelt – in loser Folge – die Resultate seines Flanierens: kleine Glossen, Artikel zur Sache.

 

… neulich im Einstein,

beim Blättern in deutschen Gazetten, war auch mal ein neuer Ton in den ansonsten auf die Eine Empörung hin fixierten Berichten über die Ukraine hörbar: in der Welt wurde unter dem Titel Pöbelnd auf dem Weg nach Westen die entscheidende Frage gestellt: Weiß der Westen, mit wem er sich auf dem Majdan neuerlich eingelassen hat? – Oder passiert es uns wieder einmal, wie mit Libyen und Ägypten, dass wir in denen, die entschlossen und radikal – bewaffnet – die jeweiligen korrupten, selbstherrlichen Präsidenten aus dem Amt (ins Schauhaus oder Knast) jagten, Freiheitsfreunde zu erblicken vermeinten? Dass wir im Gemetzel wieder Freiheitsimpulse zu sehen glauben?

0
0
0
s2smodern
powered by social2s

… neulich im Einstein

war die Presse wieder voll vom Fortgang des Münchner Prozesses gegen Frau Zschäpe & Co. Was man sich da nicht alles verspricht! Aber vor diesem deutschen Gericht soll einzig und allein Recht gesprochen werden zu jeweils erweisbaren Taten der Angeklagten. Wenn das geschieht, ist der Gerechtigkeit Genüge getan. Sie ist also nicht das Ergebnis einer – dann als eigentlich-richtig Recht sprechender – ›Parallelveranstaltung‹ mit einer volonté générale der veröffentlichten Meinung als Ankläger. Das Problem, an dem die Bewertung des Urteils sich unterscheiden wird, ist, wie der ›Anteil‹ und eine Tat-Verantwortung der Angeklagten an den Morden, die hier verhandelt werden, begriffen und juristisch gewichtet werden. Wie wird die Strafwürdigkeit der Angeklagten begründet? Denn die Mordtaten selber sind – nach allem, was die Ermittlungen ergeben haben – nicht von ihnen begangen worden…

0
0
0
s2smodern
powered by social2s

… neulich im Einstein

fiel mir bei dem Statement einer Genderforscherin über den Unsinn von Objektivität – jedes Meinen sei für-sich schon objektiv – eine Bemerkung ein, die ich in Hebbels Tagebüchern las, derzufolge sich ein Elend sanft über die Menschen lege, weil »sie auf verkehrte Weise selig zu werden suchen«. Als alle davon Betroffene merken wir kaum noch, dass, geschweige wo, da ein Problem liegen könnte. Manche trösten sich damit – als Modul einer Schwarmintelligenz –, dass man zumindest noch von der Nähe des Morphems intelligent profitieren könne. Doch werch ein Illtum

0
0
0
s2smodern
powered by social2s
POLITIK GESELLSCHAFT KULTUR GESCHICHTE
Deutschland Modelle Fluchten Zeitgeschichte
Europa Identitäten L-iteratur Personen
Welt Projektionen Medien Entwicklungen
Besprechungen Besprechungen Ausstellungen Besprechungen
    Besprechungen  

Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.