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...neulich im Einstein

 überraschte mich beim gelegentlichen Blick auf den derzeitigen Verlauf des Aufstands der Anständigen eine ihrer momentanen Frontbegradigungen: mit der rhetorisch-strategischen Frage Dürfen wir über Hitler u. Co. lachen wurden defätistische Kombattanten wie Charlie Chaplin, Lubitsch, ›Arturo Ui‹, Schlingensief, Karmakar, Radu Mihaileanu (Zug des Lebens) oder Roberto Benigni in die Etappe zurückversetzt. - Nun, der Ausfall mit Dani Levys Mein Führer brachte leider auch keine nennenswerte Klärung im Gerangel um dessen ›wirklich wahrste Wahrheit‹.

 

Dass man hier überhaupt vor dem Lachen-dürfen meinte warnen zu müssen, wo doch das Lachen-können das Problem war, zeugte wieder einmal eher von Autismus als von Widerständigkeit der (veröffentlichten) Öffentlichkeit. Und Lachen scheint (wie immer) sowieso dem Ernst dieser Sache nicht angemessen, wie die üblichen Betroffenen sogar angesichts dieser angestrengten Komödie herunterzuleiern nicht müde werden.

Bleibt erstens die Frage: Könnte man sich im täglich zunehmenden Kampf gegen Hitler nicht endlich einmal asymmetrischer Strategien versichern - oder wollt ihr wirklich den totalen Ernst?

Und, zweitens, eine Vermutung: Levys Film findet wohl doch eine, allerdings regional begrenzte, Resonanz - durch die mülheimsche Aura seines Hauptdarstellers, dessen Tick es ist, keine Pointe mitzuteilen, sondern zuallererst sie selber zu sein, bleibt der Ruhr-Kessel keine no-laugh-area…

Steffen Dietzsch

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Steffen Dietzsch ist Professor für Philosophie an der Humboldt-Universität Berlin und Direktor des Kondylis-Instituts für Kulturanalyse und Alterationsforschung (Kondiaf). Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Kantforschung und -biographik, Philosophie des Deutschen Idealismus und europäische Nietzsche-Rezeption.

Wikipedia-Eintrag

Steffen Dietzsch: Bannkreis

 

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