von Ulrich Siebgeber

Gernot Krämer: Marcel Schwob. Werk und Poetik, Bielefeld (Aisthesis) 2005, 377 S.

Marcel Schwob zum hundertsten Todestag: Werkmonographie von Gernot Krämer

Marcel Schwob einem Publikum zur Lektüre empfehlen, das Martin Walser für einen Klassiker hält, verbietet sich praktisch von selbst. Man kennt Schwob oder man kennt ihn nicht. Wenn hin und wieder versucht wird, ihn über die Bewunderung für seine gut versteckte Gelehrsamkeit zu verkaufen (zuletzt anlässlich Gernot Krämers ebenfalls neu erschienenen Übersetzungsbandes Das gespaltene Herz in der FAZ), dann zeigt das, wie billig man sich das Literarische hierzulande ansonsten denkt. Neu ist das nicht.

Für den, der Schwob kennt (oder kennenlernen will), ist Krämers Buch ein Gewinn: es informiert breit und verlässlich über Leben und Werk. Dabei kann nicht ausbleiben, dass auch für den, der sich auszukennen glaubt, mancherlei Neues abfällt: zu spärlich und disparat sind die Informationsquellen, auf die man bisher angewiesen war. Eine unaufgeregte Bewunderung für den Autor, die gelegentlich, nicht ohne Grund, in Verwunderung umschlägt, prägt dieses Buch. Das ist nicht wenig, es hilft der Lektüre und dem Verständnis zu gleichen Teilen.

Schwob ist ein Autor des Fin de siècle - sein kurzes Leben lässt kaum anderes zu. Krämers Art der Lektüre, aufmerksam auf alle Arten intertextueller Bezüge, schärft Blick und Ohr für die Bildungs- und Freundschaftsverhältnisse des Autors und seine montagenahe Erzählpraxis. Dass literarische Technik und Schriftsteller-Freundschaften nicht immer miteinander harmonieren, dafür bietet das Zerwürfnis zwischen Schwob und Gide nach Erscheinen von Les Nourritures terrestres ein anschauliches Beispiel. Nenne man es Einfluss, nenne man es Inspiration oder Diebstahl: das von Schwob nicht begonnene, aber effektvoll gehandhabte Spiel der Bezüge wirkt über sein Oeuvre hinaus, bei Gide, Borges und anderen, auch Heutige sollen darunter sein. Eine Schwob-Erzählung vergisst man nicht. Was stand im letzten Walser?

 

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Mag sein, das Volk ist eine irrationale Größe. Doch daraus auf die Rationalität der Eliten zu schließen wäre, sagen wir ... nicht in Ordnung.

Und doch, man geht wie auf Strickleitern durch Ihre Texte. Immer mit einem Anflug von Höhenangst. Das strengt ganz schön an.
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