Kerbers Kolumne. Aufnahme: ©JCK 2020 Aufnahme: ©MCK

Dr. jur. Markus C. Kerber ist Professor für Finanzwissenschaft und Wirtschaftspolitik an der TU Berlin, Gründer von www.europolis-online.org. In seiner Kolumne nimmt er Beobachtungen aus dem politischen und juristischen Alltag der Nation zum Anlass für zeitdiagnostische Überlegungen: provokant-ironisch im Ton, tabubrechend, wo es sich empfiehlt, mit jenem Maß an Schärfe, das nötig ist, um zu sehen, in welchem Fahrwasser sich die öffentlichen Dinge hierzulande bewegen.

von Markus C. Kerber

Die Diskussion über eine Gas-Pipeline hat es endlich an den Tag gebracht. Es gibt sie noch, die deutschen Wertepolitiker. Obschon das Nord Stream 2-Projekt nun seit 2007 mit Unterstützung der Bundesregierung unter Federführung von Gazprom und seinen deutschen Gehilfen, Mathias Warnig – einem ehemaligen Stasimitarbeiter – und Bundeskanzler a. D. Schröder, seinen Lauf nimmt, hat es in Deutschland – abgesehen von einigen wenigen Warnern – kaum eine kritische Diskussion über die Frage gegeben, ob man sich mit einer Pipeline, die zu 100 Prozent Gazprom gehört, energiewirtschaftlich an Russland binden solle. Zu groß waren wahrscheinlich die energiewirtschaftlichen Abhängigkeiten, nachdem in einer ihrer vielen Volten Frau Merkel sowohl den Ausstieg aus der Atomenergie als auch aus der Kohle operationalisiert hatte. Spät, aber gewiss nicht zu spät kommen nun die fast inflatorischen Protestsalven gegen Nord Stream 2 vorzugsweise von jenen Politikern, die seit Jahren hierzu geschwiegen haben.

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von Markus C. Kerber

Was seit langem in Berlin gärt, wird nun etablierte Wut. In keinem öffentlich-rechtlichen Medium kommen unrepräsentative Gestalten der deutschen Gesellschaft so ungeniert zu Wort wie im Deutschlandfunk. Damit sind nicht etwa die Parteipolitiker gemeint, die außer sich selbst niemanden wirklich repräsentieren oder gar repräsentieren wollen, sondern jene Vertreter der Berliner Nischengesellschaft, die meinen, sie seien die Gesellschaft oder zumindest das Establishment Berlins. Ihnen ist auch gemeinsam, dass sie für ihre unterschiedlichen Veranstaltungen den Anspruch vor sich her tragen, ihr Event-Aktivismus allein konstituiere bereits Kunst und Kultur.

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von Markus C. Kerber

Wer einen authentischen Eindruck davon erhalten möchte, welch einzigartigen Einsatz der öffentliche Rundfunk leistet, um das Mainstream-Denken auch den breitesten Schichten unseres Volkes nahezubringen, der ist angehalten, den Morgensendungen des Deutschlandfunks zu lauschen. Bereits die Auswahl der Gesprächspartner spricht für sich. Zu Wort kommen vornehmlich Vertreter der Parteien. So erhält das politische Establishment eine Gratis-Plattform, um – unabhängig von der Qualität seiner Aussagen und der Repräsentativität seiner Meinungen – der freiheitlich-demokratischen Grundordnung des Grundgesetzes Impulse zu verleihen. Die O-Töne, die die Mandatsträger der Republik auf dieser Frequenz produzieren, werden zuverlässig bei allen folgenden Nachrichtensendungen wiederholt. Schließlich bezahlt der Hörer dafür, dass ihm die Parteipolitiker ihren Diskurs wie auf einer Schallplatte ganztägig nahebringen. Damit es auch sitzt!

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.