Kerbers Kolumne. Aufnahme: ©JCK 2020 Aufnahme: ©MCK

Dr. jur. Markus C. Kerber ist Professor für Finanzwissenschaft und Wirtschaftspolitik an der TU Berlin, Gründer von www.europolis-online.org. In seiner Kolumne nimmt er Beobachtungen aus dem politischen und juristischen Alltag der Nation zum Anlass für zeitdiagnostische Überlegungen: provokant-ironisch im Ton, tabubrechend, wo es sich empfiehlt, mit jenem Maß an Schärfe, das nötig ist, um zu sehen, in welchem Fahrwasser sich die öffentlichen Dinge hierzulande bewegen.

von Markus C. Kerber

Selbst der kühnste deutsche Sozialpolitiker, Hubertus Heil, räumte bei der erneuten Verlängerung der großzügigen Kurzarbeitergeldzusagen ein: »Kurzarbeitergeld ist teuer.«

Um dieses Eingeständnis kommt der Neosozialist Heil nicht herum. Denn die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Bis Ende des Jahres muss die Bundesagentur für Arbeit 30 Milliarden auf den Tisch legen, um im Wege des sogenannten Kurzarbeitergelds Arbeitsplätze zu ›sichern‹. Ob die Rücklagen hierfür ausreichen, ist völlig ungeklärt. Dies ist dem Minister egal. Denn im kommenden Wahljahr will er Belege für Klientelpolitik zugunsten der ›Arbeitnehmer‹ – seinen Schutzbefohlenen- präsentieren können.

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von Markus C. Kerber

Der Intendant des Berliner Ensembles, Oliver Reese, hat mit seiner Behauptung, Theater sei nicht mit Bordellen oder Spaßbädern zu vergleichen und daher systemrelevant, eine überfällige Debatte mitten in der Corona Krise angestoßen. Vor ihm hatte bereits der Gründer und erfolgreiche kommerzielle Betreiber der Love Parade ›Dr. Mott‹ den Anspruch erhoben, für die Berliner Raver-Bewegung finanzielle Unterstützung von Vater Staat zu bekommen. Reese will kein Geld. Denn davon hat er in seinem renommierten Haus mehr als genug. Ihm fehlen die Zuschauer und damit die Legitimation, von Vater Staat so viel Geld zu erhalten, ohne Zuschauer mit der Darstellungskunst seiner Schauspieler zu verwöhnen.

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Markus C. Kerber

Der stets gut gelaunte Herr aus Aachen, seines Zeichens NRW-Ministerpräsident und dem Karneval zugeneigt, sah sich nicht nur in der Lage, dem FC Schalke 04 eine millionenschwere Landesbürgschaft wegen der Corona-Krise einzuräumen, er fühlte sich ›den Menschen‹ auch so nahe, dass er sofort nach Abflachen der Corona-Krise im späten Frühjahr 2020 meinte, immer wieder darauf hinweisen zu müssen, dass man den ihnen nicht noch mehr Freiheitsbeschränkungen zumuten könne.

Dieser Haltung liegt ein Verständnis zugrunde, das der Ansicht anhängt, Demokratie sei eine Herrschaftsform, die im Wesentlichen durch Beifall legitimiert werde. So war denn auch Herr Laschet sehr berührt, als er in verschiedenen Interviews vollmundig bekundete, noch nie in seinem politischen Leben so sehr von den ›Menschen‹ verstanden und unterstützt worden zu sein wie in jenen Tagen des späten Frühjahrs, in denen er für die Menschen großzügig ›Freiheit von Corona‹ forderte.

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.