Reinhard Strecker 2016. (c) Ulrich Horb
Reinhard Strecker 2016. (c) Ulrich Horb

von Siegfried Heimann

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges hieß es leider zu Recht: „Der Kaiser ging, die Generäle blieben…“ Es stellte sich freilich schnell heraus, dass nicht nur die Generäle geblieben waren: In Schulen und Universitäten, in Verwaltungen und in der Justiz der Weimarer Republik waren Monarchisten und andere Feinde der Demokratie zu Hauf zu finden. Sie alle in ihren einflussreichen Ämtern zu lassen, sollte sich als einer der Geburtsfehler der Weimarer Demokratie erweisen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war es nur scheinbar anders. Die größten Verbrecher, einschließlich des „Führers“ waren tot. Viele Andere aber wollten nur „Beihilfe“ geleistet, „nur“ Befehle ausgeführt oder „nichts gewusst“ haben. Die Alliierten drängten auf eine Entnazifizierung, sie blieb in Ost und West halbherzig und wurde schließlich im Westen zugunsten des neuen Verbündeten im Kalten Krieg, der wiederbewaffneten Bundesrepublik, ganz eingestellt. „Einmal muss doch Schluss sein mit der Vergangenheitsbewältigung“ hieß es schon in den fünfziger Jahren in einer ständig wiederholten Parole. Widerspruch dagegen gab es, aber er wurde wenig gehört in der bundesrepublikanischen Gesellschaft, die dem platten Antikommunismus als Gründungsideologie verpflichtet war. 

Buchcover "Franz Künstler"von Ulrich Horb

Im Alter von nur 54 Jahren starb am 10. September 1942 der letzte Bezirksvorsitzende der Berliner SPD, Franz Künstler, an den Folgen von KZ-Inhaftierungen und der von den Nazis verhängten Zwangsarbeit. Inmitten der Kriegszeit begleitete eine eindrucksvolle Menschenmenge – Zeitzeugen berichten von 1000 bis 3000 Berliner Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten – den Trauerzug. Das Leben des linken Sozialisten und Gewerkschafters, der seinen Überzeugungen auch unter schwierigen Bedingungen treu geblieben ist, ist jetzt von der Historikerin Ingrid Fricke in einer ausführlichen und anschaulichen Biographie beschrieben worden.

Klaus Schützvon Siegfried Heimann

Am 29. November  2014 jährt sich zum zweiten Male der Todestag von Klaus Schütz. Ein Grund mehr, an einen Berliner Regierenden Bürgermeister zu erinnern, der – wie schon sein unmittelbarer Vorgänger Heinrich Albertz – stets und in mancher Hinsicht zu Unrecht, im Schatten von Willy Brandt stand.
Denn auch Klaus Schütz trieb ein Thema besonders um, seit er in Berlin auch politische Verantwortung trug. Hans Bräutigam, eine Zeitlang Ständiger Vertreter der Bundesregierung  in Ostberlin brachte es in seinen Erinnerungen auf den Punkt. Er schrieb, dass es immer eine enge Verquickung von Berlin-Fragen und Deutschlandpolitik gegeben habe. Deshalb sei für ihn der Berliner Senator für Bundesangelegenheiten in den siebziger Jahren stets ein wichtiger Partner bei der Koordinierung von Deutschlandpolitik gewesen.

Powered by OrdaSoft!